Tennis-Legende André Agassi feiert seinen 50. Geburtstag

Vom rebellischen Paradiesvogel zur Tennis-Legende: André Agassi wird heute 50. Der größte Erfolg gelang dem Olympia-Sieger von 1996 und achtmaligen Grand-Slam-Champion jedoch abseits des Platzes.
| K. Kaufmann
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Andre Agassi feiert seinen 50. Geburtstag.
MJT/AdMedia / ImageCollect Andre Agassi feiert seinen 50. Geburtstag.

München/Los Angeles - Er war jung, er war wild, er war anders! Zu einer Zeit, als das Tennis nicht nur modisch noch ein ziemlich weißer Sport war, knallte André Agassi mit seinen blond gefärbten Strähnen, seinen bunten Shirts und den abgeschnittenen Jeans in die ATP-Tour wie ein Raumschiff von einem anderen Stern. Heute feiert das einstige Tennis-Alien – mittlerweile seit fast 20 Jahren glücklich verheiratet mit Deutschlands Tennis-Königin Steffi Graf – seinen 50. Geburtstag.

Gilbert: "Er besitzt so viel Energie, dass er sogar einen Kolibri nervös machen würde"

Zu Beginn seiner Karriere hofften noch viele darauf, dass dieser komische Kerl aus dem Zockerparadies Las Vegas so schnell wieder verschwinden würde wie eine Sternschnuppe am Nacht himmel. Das Enfant terrible füllte zwar die Stadien, war ein Idol der Jugend und bescherte Ausrüster Nike Millionen-Umsätze, aber gleichzeitig war der Sohn eines Iraners und einer US-Amerikanerin mit seiner Rockstar-Attitüde für die Ende der 1980er-Jahre reichlich biedere Tennis-Szene ein Affront.

Sein ehemaliger Kollege Brad Gilbert beschreibt in seiner Tennis-Fibel "Winning ugly" den jungen Agassi so: "Er besitzt so viel Energie, dass er sogar einen Kolibri nervös machen könnte." Und: "Einige Spieler kommen mit seiner Las Vegas-Art nicht zurecht."

Boris Becker gratuliert einstigem Konkurrenten

Gemeint war unter anderem ein gewisser Boris Becker, der dem ehemaligen Rivalen jetzt via "BamS" gratulierte – dabei aber auch nicht verschweigen wollte: "Ich konnte deine zerrissenen Jeans, deine langen gefärbten Haare und deine Ohrringe nicht ernst nehmen. Du hast dein Image gepflegt und agiert, als sei dir wichtiger, wie du bei den anderen ankommst, und nicht, wie du wirklich bist. Das war mir suspekt."

Aus sportlicher Sicht ist Beckers Ablehnung sogar ein wenig verständlich. Während der nur zwei Jahre ältere Leimener seinen kometenhaften Aufstieg mit seinem ersten WimbledonSieg 1985 – als 17-Jähriger! – begründete und bis 1989 sogar noch zweimal in London nachlegte, gelang es Agassi in derselben Zeit, ein fast noch größerer Superstar seines Sports zu werden – ohne auch nur eines der vier berühmten Major-Turniere zu gewinnen.

Agassis Stern ging in Wimbledon 1992 endgültig auf

Tatsächlich klappte es mit dem ersten Grand Slam-Titel erst 1992 – ausgerechnet in Wimbledon, das Agassi jahrelang boykottiert hatte. Der rebellische Paradiesvogel beschwerte sich vor allem über die seiner Meinung nach willkürlichen Vorschriften an der Church Road. Vor allem die, dass er in Weiß zu spielen habe: "Was geht es diese Leute an, was für Klamotten ich trage?"

Solche Sprüche passten zum Image und waren zudem noch gut für die Marke Agassi. Als der Bad-Boy dann auf Anraten seines damaligen Trainers Nick Bollettieri doch wieder im konservativen All England Lawn Tennis and Croquet Club antrat, löste er in London eine Massenhysterie aus, die sich vor allem mit der Frage beschäftigte: Wird er die All-White-Regel einhalten – oder für einen Skandal sorgen?

Der Skandal blieb aus, Agassi versteckte sogar seine wilde Mähne züchtig unter einer weißen Kappe. Übrigens sehr zur Freude der Queen, die für modische Extravaganzen seit jeher nicht allzu viel übrig hat.

Seinen größten Triumph errang Agassi auch in Wimbledon - Steffi Graf

Apropos Queen: Erneut in Wimbledon errang Agassi Jahre später dann seinen größten Triumph, wie er in seinen 2009 veröffentlichten Memoiren "Open" gestand. Es waren nicht die sieben weiteren Grand Slam-Titel, nicht die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1996 oder die 101 Wochen als Nummer eins der ATP-Weltrangliste – sondern die Liebe seines Lebens, die er zuvor jahrelang vergeblich umworben hatte: Steffi Graf.

1992 hatten sich die beiden kennengelernt. Wie Agassi hatte auch Graf in diesem Jahr Wimbledon gewonnen, für sie war es bereits der vierte Titel auf dem heiligen Rasen. Er freute sich auf den traditionellen Tanz des Siegerpaares beim abendlichen Bankett, doch Graf wollte nicht. Der braven Brühlerin muss der Tennis-Rebell damals – zu dieser Zeit außerdem unglücklich liiert mit der Hollywood-Schönheit Brooke Shields – wie ein Außerirdischer vorgekommen sein.

An Steffi`s 30. Geburtstag fand das Paar zusammen

Agassi ließ aber über die Jahre nicht locker – und ging dann nach überstandenem Drogen-Absturz und seiner Scheidung von Shields 1999 in die Vollen. Wieder Wimbledon, diesmal war Agassi aber besser vorbereitet. Am 14. Juni, Grafs 30. Geburtstag, überraschte er "Fräulein Vorhand" mit einer selbstgebastelten Glückwunschkarte. Es war ein Ass, das wichtigste seines Lebens. Spiel, Satz – Liebe!

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