Interview

Regina Halmich im AZ-Interview: "Die Klitschkos sind Helden"

Die ehemalige Box-Queen Regina Halmich ist seit vielen Jahren mit den Box-Brüdern befreundet. Exklusiv in der AZ spricht sie über den Krieg in der Ukraine. "Ich fürchte um das Leben der beiden."
| Matthias Kerber
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"Beide haben Überzeugungen, zu denen sie stehen. Das sind nicht nur Worte, die sie von sich geben", sagt Regina Halmich über Wladimir (l.) und Vitali Klitschko, die Kiew in Putins Krieg verteidigen.
"Beide haben Überzeugungen, zu denen sie stehen. Das sind nicht nur Worte, die sie von sich geben", sagt Regina Halmich über Wladimir (l.) und Vitali Klitschko, die Kiew in Putins Krieg verteidigen. © dpa/AP

München - AZ-Interview mit Regina Halmich:Die ehemalige Box-Weltmeisterin (45), die in die internationale Ruhmeshalle des Boxens aufgenommen wurde, ist seit über 25 Jahren mit den Klitschko-Brüdern befreundet.

AZ: Frau Halmich, Ihr Blick geht nicht nur wegen der weltpolitischen Lage besorgt nach Kiew, sondern auch aus ganz persönlichen Gründen: Sie sind seit Jahren mit Vitali und Wladimir Klitschko befreundet, die beide mitten im Kriegsgebiet in Kiew ausharren und sich dort der russischen Invasion widersetzen.
REGINA HALMICH: Ich leide mit allen mit, die diesen Horror, dieses entsetzliche Leid, diese Ungerechtigkeit, diesen Krieg jetzt erleben müssen, aber natürlich bin ich den beiden auf eine ganz besondere Art verbunden. Ich kenne die Klitschkos, seit sie 1996 erstmals einen Fuß in das Universum-Gym in Hamburg gesetzt haben. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen, uns verbindet eine echte, tiefe Freundschaft. Ich mache mir wirklich Sorgen um das Leben der beiden. Gerade, wenn man hört, dass Wladimir Putin jetzt noch einige seiner Schergen losgeschickt hat, und die Klitschkos mit ganz oben auf der Todesliste stehen, wird einem angst und bange. Es ist eine verfahrene Situation. Als Boxer kennt man sehr viele Ukrainer, aber auch sehr viele Russen. Auch die Russen, die ich kenne, sind alle gegen diesen Krieg. Ich muss sagen: Krieg ist durch nichts zu rechtfertigen. Es gibt Leute, die führen Gründe dafür an, warum Putin so handelt. Das mag sein, aber für einen derartigen Krieg gibt es keine Gründe. Keine!

Die Klitschko-Brüder sind seit vielen Jahren mit Regina Halmich befreundet.
Die Klitschko-Brüder sind seit vielen Jahren mit Regina Halmich befreundet. © imago/Eventpress

"Vitali ist bereit für seine Überzeugungen zu sterben"

Die Klitschkos müssten nicht im Kriegsgebiet sein, sie könnten sich in Sicherheit bringen, das Leben irgendwo genießen.
Aber so sind sie nicht. Ja, sie sind Multimillionäre, aber sie lieben die Ukraine, sind bereit, dafür alles zu geben. Überhaupt sind die Ukrainer so ein stolzes Ehrenvolk, das ist der Wahnsinn. Gerade Vitali ist ein Mensch, der wirklich bereit ist, für seine Überzeugungen zu sterben. Solche Menschen lernt man nicht oft im Leben kennen, er gehört zu dieser seltenen Sorte Mensch. Da ist er auch sicher familiär geprägt.

Der Vater war einer der hochrangigsten Soldaten in der ehemaligen Sowjetunion.
Ja. Die Brüder haben Überzeugungen, zu denen sie stehen. Das sind nicht nur Worte, die sie von sich geben. Das sind tolle, charismatische Kerle, die die Menschen bewegen, weil sie sind, wie sie sind. Authentisch. Sie stehen für das ein, was sie glauben. Viele Leute haben die Klitschkos als Boxer kritisiert, aber jetzt zeigen sie allen, woraus sie gemacht sind. Ich bin mit dem Begriff wirklich vorsichtig, aber für mich sind die beiden Helden. Von ihnen können sich die allermeisten von uns eine Scheibe abschneiden.

Vitali ist ja der Bürgermeister von Kiew, hat eine politische Aufgabe, aber Wladimir hat sich als Privatperson zur Reservistenarmee gemeldet.
Bei den beiden sieht man wirklich, dass Blut dicker als Wasser ist. Ich bin mir sicher, sie werden zusammenstehen bis zum - hoffentlich guten - Ende.

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"Die Klitschkos haben ihre Agenda"

Eines der großen Vorbilder der Klitschkos war Muhammad Ali, der auch bereit war, für seine Überzeugungen Repressalien hinzunehmen, der für seine Weigerung, in den Vietnamkrieg zu ziehen, verurteilt und suspendiert wurde.
Da sehe ich auch Gemeinsamkeiten. Ali hatte seine Agenda, die Klitschkos haben ihre. Sie werden auf jeden Fall in die Geschichte eingehen.

Auch Ihre ehemalige Gegnerin, die Ukrainerin Alina Shaternikova, hat erklärt, den bewaffneten Kampf gegen die Aggressoren aufzunehmen.
Wir haben Kontakt. Ich habe ihr geschrieben, und sie hat sich extrem für die öffentliche Unterstützung bedankt. Den Ukrainern ist klar, dass wir hier nicht selber zu den Waffen greifen können, aber was wir tun können - und müssen - ist laut sein. Wir müssen laut in die Welt brüllen, welches Unrecht passiert, müssen zeigen, dass die Welt, wir Menschen, diesen Krieg verurteilen, wir dieses Unrecht nicht hinnehmen. Hier in Berlin sind weit über 100.000 Menschen auf die Straße gegangen und haben Flagge gezeigt gegen den Krieg, gegen Putin. Ich war auch da. Wir müssen Putin stoppen. Es ist unglaublich, mit welcher Dankbarkeit die Ukrainer diese Unterstützung wahrnehmen. Sie sind ein ganz tolles Volk, das für die Demokratie und die Freiheit kämpft - und mit zwei von ihnen bange ich ganz besonders mit.

Vitali und Wladimir.
Genau.

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