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Olympia-Historie: Gold für den Metzger, Silber für den Busfahrer

Reporter-Ikone Scherzer über die Highlights der Spiele von 1964. Heute: Das Finale im Schwergewicht zwischen Joe Frazier und Hans Huber.
| H. Scherzer
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Fast so gut wie Gold: Eine knappe Niederlage gegen die spätere Box-Legende Joe Frazier (l.) bescherte Hans Huber 1964 Olympia-Silber.
Fast so gut wie Gold: Eine knappe Niederlage gegen die spätere Box-Legende Joe Frazier (l.) bescherte Hans Huber 1964 Olympia-Silber. © imago images/Horstmüller

Der berühmte linke Haken von Joe Frazier fiel schon im Boxturnier der Olympischen Spiele 1964 in Tokio auf: Drei Kämpfe, drei vorzeitige Siege. Die Gegner mit Links verdroschen. Doch anders als erwartet, brachte dieser spezielle Schlag, der sieben Jahre später im siegreichen "Kampf des Jahrhunderts" Muhammad Ali von den Beinen hauen sollte, im Endkampf des Schwergewichts den Regensburger Ex-Ringer Hans Huber nicht in besondere Schwierigkeiten.

Mit seiner längeren Reichweite, mit der Linken, hielt der über 1,90 Meter große Deutsche den verbissenen Angreifer auf Distanz. Der bullige, 20-jährige Amerikaner, der einzige der US-Staffel im Finale, gewann die Goldmedaille nur mit einem knappen Punktsieg. Ein 3:2-Urteil. Dreimal 60:58 Punkte für Frazier, den Metzgerburschen aus Philadelphia, 60:58 und 60:59 für Huber, den Busfahrer aus Bayern. Hätte nur ein weiterer Punktrichter den Kampf so gesehen wie die Juroren aus Rumänien und Fiji, der 30-jährige Außenseiter wäre Olympiasieger geworden. Es wäre eine Goldmedaille mit außergewöhnlichem Glanz gewesen. Nur weil er national an dem Ringer-Koloss Wilfried Dietrich nicht vorbeikam, war Huber zum Faustkampf gewechselt.

Huber über Frazier: "Seine Rechte war nicht so schlimm"

"Es ist schon so lang her", sagt der 87-jährige Hans Huber am Telefon. Aber an den "sehr schweren linken Haken" Joe Fraziers erinnere er sich noch. "Seine Rechte war nicht so schlimm. Er kam mir vor wie ein verkappter Rechtsausleger." Gegen ihn habe Frazier "nicht so getroffen, wie er wollte". Huber war Busfahrer geblieben, obwohl er nach dem Silber von Tokio Profiangebote bekam. Er fühlte sich zu alt. Und hart trainieren wollte er auch nicht mehr.

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Ein zweiter Deutscher hatte sich im Korakuen Eispalast bis ins Finale durchgeboxt. Emil Schulz aus Kaiserslautern war im Mittelgewicht chancenlos gegen den russischen Europameister Waleri Popentschenko. Der Ringrichter brach in der ersten Runde den Kampf ab.

Das Turnier bot irrwitzige Skandale. Ein spanischer Federgewichtler schlug den Ringrichter k.o. und wurde auf Lebenszeit gesperrt. Ein Koreaner protestierte mit einem 45-minütigen Sitzstreik in der Ringmitte gegen seine Disqualifikation. Proteste wegen fragwürdiger Entscheidungen kennzeichneten schon damals das olympische Boxen.

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