Ob das langt? Jogi sagt Ja!

Optimismus bei Kapitän Michael Ballack und Trainer Jogi Löw vor dem Viertelfinale. Doch ist der Optimismus wirklich gerechtfertigt? Beckenbauer, Brehme, Buchwald und Co. jedenfalls zweifeln am DFB-Team.
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Jogi Löw glaubt an des Sieg seines DFB-Teams.
MIS Jogi Löw glaubt an des Sieg seines DFB-Teams.

Optimismus bei Kapitän Michael Ballack und Trainer Jogi Löw vor dem Viertelfinale. Doch ist der Optimismus wirklich gerechtfertigt? Beckenbauer, Brehme, Buchwald und Co. jedenfalls zweifeln am DFB-Team.

Klar, dass Joachim Löw nicht zweifelt. Der Bundestrainer muss von Berufswegen von seiner Mannschaft, vom Halbfinal-Einzug überzeugt sein. Doch bei aller Freude über den knappen Sieg gegen Österreich, der nächste Gegner ist von anderem Kaliber: Im Viertelfinale geht es nun am Donnerstag (20.45 Uhr, ARD live) in Basel gegen Vize- Europameister Portugal.

Das erste echte K.o.-Spiel für Michael Ballack und Co. – und dann heißen die Gegenspieler nicht mehr Stranzl, Ivanschitz oder Hoffer, sondern Simao, Deco und Cristiano Ronaldo. Auch dem DFB-Kapitän ist klar, dass eine deutliche Steigerung her muss, um gegen den Mitfavoriten zu bestehen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir nun einen Schub bekommen – auch spielerisch.“

Doch ist der Optimismus wirklich gerechtfertigt? Die AZ hat sich umgehört bei früheren Weltmeistern, Europameistern und Nationalspielern: Langt’s für Portugal? Das Ergebnis ist ernüchternd:

Andreas Brehme - Weltmeister 1990

„Wir gelten seit Jahrzehnten als Turniermannschaft, bislang wir haben uns bei jedem großen Turnier gesteigert. Darauf baue ich auch in diesem Jahr. Ich sehe die Chancen auf einWeiterkommen bei 50:50. Allerdings müssen wir unsere Torchancen einfach besser nützen. Das war gegen Österreich zu wenig. Ich würde an Löws Stelle die Mannschaft nicht verändern – allenfalls Bastian Schweinsteiger bringen.“

Franz Beckenbauer - Weltmeister als Spieler 1974 und als Trainer 1990

„Wir sind irgendwo imNiemandsland. Gegen Portugal müssen sie schon eine Schippe drauflegen, sonst scheiden sie aus. Da müssen sie schon ein besseres Spiel abliefern, sonst wird es das letzte sein bei der EM.“

Günter Netzer - Europameister 1972

„Bislang hat die Mannschaft ihre Pflicht erfüllt. Jetzt wird es erst richtig schwierig. Diese Leistung wird für die folgenden Aufgaben nicht reichen. Das Spiel nach vorne war mangelhaft. Es gibt bislang keine Bindung zwischen Mittelfeld und Angriff, es gibt keinen Rhythmus, keine Harmonie.“

Thomas Helmer - Europameister 1996

„Die Leistung war nicht gut, das hat jeder gesehen. Aber ich weiß ja selbst aus eigener Erfahrung: Je stärker der Gegner, umso stärker spielt man. Portugal kommt deshalb vielleicht zur rechten Zeit. Die sind eher Favorit. Gut, eine deutsche Mannschaft ist von den Ansprüchen nie in der Außenseiterrolle – diesmal schon, so so wie die EM bisher gelaufen ist. Am meisten bin ich vom Sturm enttäuscht, weil ich dachte, dass wir dort keine Probleme hätten. Den Nachweis sind sie noch schuldig. Ich sehe Podolski auch eher als Stürmer.“

Guido Buchwald - Weltmeister 1990

„Was mich sehr wundert ist, dass das Team einen müden, schwerfälligen Eindruck gemacht hat. Dabei ist die Fitness das A und O. Wenn wir uns nicht steigern, fliegen wir raus. Stand jetzt ist Portugal stärker, wir sind schwächer geworden seit der WM 2006. Deswegen sind wir am Donnerstag klarer Außenseiter.“

Mario Basler - Europameister 1996

„Wenn wir uns gegen Portugal nicht steigern, dann erleben wir das EMHalbfinale nur am Fernseher. Wir müssen wieder zum Fußballspielen zurückfinden – wie gegen die Polen.Wenn ich Jogi Löw einen Tipp geben darf: Er sollte Gomez auf die Bank setzen. Der hatte jetzt dreimal die Chance und sie nicht genutzt. Ich würde Kuranyi für ihn bringen.“

Fredi Heiß - Ex-Nationalspieler und ehemaliger Vize-Präsident TSV 1860

„Erstaunt bin ich über die Defizite in der Hintermannschaft, da passt nichts. Nur Philipp Lahm ragt da raus. Aber Deutschland hat schon oft in den letzten Jahren bewiesen, dass es eine Turnierelf ist – warum nicht auch jetzt?“

Toni Schumacher (Europameister 1980): „So haben wir gegen Portugal keine Chance, die sind dreimal stärker als die Österreicher. Wenn wir nicht an unsere Grenzen gehen, scheiden wir aus. Das 1:2 gegen Kroatien war eine Katastrophe, das 1:0 gegen Österreich nicht viel besser. Ich bin schwer enttäuscht von dieser Nationalmannschaft.“

Jogi sagt Ja!

Vor dem Österreich- Spiel hatte er versprochen: „Wir bleiben im Turnier.“ Ob er sich dies auch vor dem Viertelfinale gegen die Portugiesen traue, wurde Joachim Löw am Montag gefragt – und der Bundestrainer antwortete kurz, knapp und voller Überzeugung: „Ja!“ Eine Begründung lieferte der zuversichtliche Coach auch mit. „Ich erwarte, dass die Mannschaft spielerisch besser auftritt als beim 1:0 gegen Österreich“, erklärte Löw gestern im DFB-Trainingszentrum in Tenero. Man müsse gegen die spielerisch starken Portugiesen eben „möglichst gut doppeln und verschieben“.

O.Griss, J. Schlosser

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