Lorenz-Günther Köstner: "Nichts rechtfertigt den Hass gegen Hopp"

Bevor die TSG Hoffenheim ihren Aufstieg begann, trainierte Lorenz-Günther Köstner die Kraichgauer. In der AZ spricht er über seine Erfahrungen mit dem Mäzen und über seinen Vorgänger: Hansi Flick.
| Johannes Schnabl
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Lorenz-Günther Köstner.
Kevin Kurek/dpa Lorenz-Günther Köstner.

Bevor die TSG Hoffenheim ihren Aufstieg begann, trainierte Lorenz-Günther Köstner die Kraichgauer. In der AZ spricht er über seine Erfahrungen mit dem Mäzen und über seinen Vorgänger: Hansi Flick.

München - Fußballtrainer Lorenz-Günther Köstner (68) war ein halbes Jahr bei der TSG Hoffenheim tätig. 1999 stieg er mit der SpVgg Unterhaching in die Bundesliga auf. Vor dem Duell gegen den FC Bayern (Samstag, 15.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) spricht der 68-Jährige unter anderem über den ehemaligen TSG-Trainer Hansi Flick.

AZ: Herr Köstner, im Jahre 2005 engagierte Sie die TSG Hoffenheim als Trainer in der Regionalliga. Ein paar Wochen vorher wurde dort ein gewisser Hansi Flick entlassen.
LORENZ-GÜNTHER KÖSTNER: Ja, zwischendurch hat Interimstrainer Roland Dickgießer übernommen und in der Winterpause sind sie dann auf mich zugekommen. Aber warum Hansi Flick dort gegangen ist, habe ich nur am Rande miterlebt. Ich habe zwar mit ihm danach gesprochen, aber das gehört nicht an die Öffentlichkeit.

Damals Regionalliga – heute FC Bayern. Sind Sie von Flicks Aufstieg überrascht?
Nein, das nicht. Man muss es ja so sehen: Hoffenheim war eine seiner ersten Trainer-Stationen – und die TSG von damals war nicht mit der von heute zu vergleichen. Da hat Dietmar Hopp noch nicht das Engagement gezeigt wie in den Jahren danach. Hansi ist stetig gewachsen und hat als Co-Trainer unter Jogi Löw in der Nationalelf jahrelang mit den weltbesten Spielern zu tun gehabt. Da konnte er sich in Ruhe entwickeln.

Lorenz-Günther Köstner.
Lorenz-Günther Köstner. © Kevin Kurek/dpa

Köstner: "Hansi hat gelernt, mit großen Spielern umzugehen"

Wie es nun aussieht, soll Flick einen langfristigen Vertrag beim FC Bayern bekommen. Verdient in Ihren Augen?
Ob das verdient ist oder nicht, das müssen die Entscheider wissen. Klar ist: Hansi hat gelernt, wie man mit großen Spielern umgehen muss. Das zeigt er jetzt auch beim FC Bayern, er hat die Mannschaft wieder zum Laufen gebracht. Aber ich glaube, wie mit ihm zuletzt umgegangen wurde, das war ihm auch eher unangenehm.

Inwiefern?
Diese ganzen Spekulationen: Bekommt er einen Vertrag, bekommt er keinen? Das ist unangenehm. Ich hab das selbst in Wolfsburg erlebt, als ich zweimal als Interimstrainer eingesprungen bin. Ich habe den Leuten dort versprochen, dass ich ihnen helfe, und habe meine Arbeit gemacht. Das will der Hansi jetzt auch. Der versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Aber wenn er ständig lesen muss, ob er der Richtige ist oder nicht, wenn jeder Kommentar auf die Goldwaage gelegt wird, ist das nervig. Wenn die Ergebnisse weiter passen, wird sich alles fügen.

Köstner: "Der Verein wollte sich spürbar weiterentwickeln"

Nicht nur Flick hat es in die Bundesliga geschafft, sondern auch die TSG Hoffenheim. Das war, als Sie dort tätig waren, noch eine ferne Welt, oder?
Man merkte schon damals, dass Hopp (Mäzen und Anteilseigner des Klubs; Anm.d.Red.) mit dem Verein etwas vorhatte. Nach Hansi Flick hat man ja 2005 auch Karlheinz Förster als sportlichen Leiter geholt. Der Verein wollte sich spürbar weiterentwickeln. Aber als ich dort ankam, dachte ich auch, man wäre schon weiter, etwas professioneller. Es haben einfach einige Sachen nicht gepasst, weswegen ich am Ende der Saison zu Hopp gegangen bin und ihm den Vertrag zurückgegeben habe.

Danach ging es steil bergauf.
Das habe ich dann auch schnell gemerkt, als mich mein Nachfolger Ralf Rangnick angerufen hat. Wir beide kannten uns schon lange vorher und haben uns dann etwas ausgetauscht. Da wurde deutlich, dass sich Hoffenheim nun breiter aufstellen will: Mit Rangnick, dem ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters, Jan Schindelmeiser usw.

Köstner: "Hopp hat mich damals gut behandelt"

Waren Sie nicht ein wenig enttäuscht, dass dann offenbar mehr Möglichkeiten vorhanden waren als noch bei Ihnen?
Nein, ich hatte ja keine Rechte und Pflichten mehr, als ich meinen Vertrag zurückgab. Ich will aber auch sagen, dass mich Hopp damals sehr gut behandelt hat. Und ich habe ihm auch ganz ehrlich und offen die Meinung über den Verein gesagt. Vielleicht habe ich damit einen bescheidenen Anteil an der Entwicklung des Vereins. Denn danach hat man erkannt, dass man mehr tun muss. Dann ging es schnell nach oben. Und damit hat das auch mit dem Hass gegen Hopp begonnen.

Der ja immer noch anhält, wie man vergangenes Wochenende in Mönchengladbach wieder beobachten konnte.
Das ist furchtbar. Ich habe es einmal live miterlebt, in Freiburg. Dieser urtümliche, badische Verein. Als die Hoffenheimer dort aufschlugen – welcher Hass da von einigen Idioten Hopp entgegengebracht wurde. Unglaublich. Aber wenn man ihn persönlich kennt, weiß man, der ist ganz anders. Er ist vielfach engagiert und macht etwas für die breite Öffentlichkeit.

Köstner: "Nichts rechtfertigt den Hass gegen Hopp"

Viele haben sich damals auch gefragt, warum er mit seinem Geld nicht etwa Waldhof Mannheim unterstützt.
Hopp ist ein Mann, der seine Entscheidungen treffen will, ohne vorher durch ein Gremium gehen zu müssen. Ich glaube, dass haben solche Leute an sich. Deswegen sind sie ja so erfolgreich. Aber das rechtfertigt in keiner Weise diese üble Art der Beleidigungen, wie sie immer wieder zu sehen und zu hören sind. Nichts rechtfertigt das.

Es scheint so, dass Hopp gerne die Zügel in der Hand hält.
Natürlich. Aber er hat sich auch zum Ziel gesetzt, dass sich die TSG auf eigene Beine stellt. Und meines Wissens trägt sich der Verein mittlerweile selbst. Es ist bemerkenswert, was dort geschaffen wurde. Trotz des Geldes. Das hatten andere Vereine schließlich auch – und sind weit weniger erfolgreich.

Köstner: "Ich glaube, Unterhaching wird aufsteigen"

Wie läuft es für Hoffenheim am Samstag gegen Bayern?
Hoffenheim hat in der Saison schon gezeigt, dass es mit großen Teams mithalten kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass Bayern mit viel Rückenwind aus der Champions League gewinnen wird.

Ist Bayern auch Ihr persönlicher Meister-Tipp?
Ich halte Leipzig für einen sehr gefährlichen Konkurrenten. Die haben junge Spieler, die haben schnelle Spieler. Und ich glaube, dass die jetzt richtig Blut geleckt haben. Sollte RB aber tatsächlich in der Champions League noch weiterkommen, dann werden sie dem Tribut zollen müssen. Dann spricht die Routine klar für die Bayern.

Sprechen wir noch über ein anderes Ihrer ehemaligen Teams: Was trauen Sie der SpVgg Unterhaching zu?
In diesem Jahr haben Sie eine Konstanz entwickelt, die ihnen zuletzt etwas gefehlt hat. In den vergangenen Jahren sind sie ja in der Rückrunde etwas abgestürzt. Ich glaube, dass sie in diesem Jahr die Früchte ihrer Arbeit ernten und aufsteigen werden.

Lesen Sie hier: Lothar Matthäus sagt in der AZ, welche Stars der FC Bayern halten muss

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