Giesinger Buam

Beim Heimatabend im Grünwalder sieht der 1860-Präsident Rainer Beeck „ein schönes Stück Identität“ seines Klubs. Kein Wunder: Die Löwen fühlen sich pudelwohl in Giesing.
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Ein Löwe im Löwen-Trikot im Löwen-Käfig: Daniel Bierofka könnte in der Heimat ruhig etwas glücklicher schauen. Foto. Rauchensteiner/Augenklick
az Ein Löwe im Löwen-Trikot im Löwen-Käfig: Daniel Bierofka könnte in der Heimat ruhig etwas glücklicher schauen. Foto. Rauchensteiner/Augenklick

Beim Heimatabend im Grünwalder sieht der 1860-Präsident Rainer Beeck „ein schönes Stück Identität“ seines Klubs. Kein Wunder: Die Löwen fühlen sich pudelwohl in Giesing.

MÜNCHEN Manchmal kann sogar so ein Besuch in Giesing zu anstrengend sein. Dieter Hildebrandt, wahrscheinlich immer noch der beste Kabarettist Deutschlands, lag gestern jedenfalls mit starkem Fieber im Bett. Am Vorabend war der 81-Jährige mal wieder bei seinen Löwen gewesen. Er geht ja nicht mehr so oft hin, seit die Blauen erst ins Olympiastadion und später in die Allianz Arena zogen. Aber den Heimatabend im Sechzger, den musste er sich einfach anschauen. „Als ich die Einladung bekommen hab’, habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind“, sagte Hildebrandt während des mühsamen 1:0-Sieges im Testspiel der Löwen gegen Kaiserslautern der AZ, „ich musste einfach herkommen.“

Und so saß Hildebrandt also da. Und litt wegen der sportlich eher dürftigen Darbietung. Zusammen mit Hildebrandt litten auch die anderen Helden von damals. Petar Radenkovic, Fredi Heiß, Peter Grosser, Zeljko Perusic, die Meisterlöwen, waren auch Hildebrandts Helden gewesen. Damals, als die Stadt noch blau war, als die Roten gerade erst in die Bundesliga aufgestiegen waren, als die Löwen im Europacup spielten und drauf und dran waren, ein europäischer Spitzenklub zu werden.

Heute überlassen sie diese Rolle gerne den Bayern. Die Löwen gehen schließlich in ihre fünfte Saison in der Zweiten Liga, der Aufstieg scheint auch diese Saison eher ein süßer Traum zu sein. Trotzdem haben sie an der Grünwalder Straße wieder etwas für sich entdeckt, was sie in den sportlich oft viel zu mittelmäßigen Jahren verloren hatten. „Wir haben wieder ein schönes Stück Identität“, sagt Rainer Beeck, der neue Präsident. „Der Heimatabend hatte eine wichtige Symbolwirkung. Unsere Basis liegt in München, in Giesing. Wir werden das wieder machen", verspricht Beeck.

Kein Profiverein in Deutschland hat so viele Eigengewächse in der Stammelf, mit Benny Lauth wurde jetzt, nach Daniel Bierofka in der letzten Saison, der nächste Ur-Sechzger an die Grünwalder Straße zurückgeholt – und ab sofort spielen bei den Löwen in den U-19-Europameistern Lars und Sven Bender, Timo Gebhart und Florian Jungwirth sogar vier EM-Helden. Das Wichtigste aber: „Sechzig präsentiert sich endlich wieder als Münchner Verein“, sagt Karsten Wettberg. Der führte die Löwen einst als Trainer nach langen Jahren in der Bayernliga wieder in den Profibereich, setzte sich dann als Vizepräsident für den Erhalt des Grünwalder Stadions ein – und kann sich jetzt als Aufsichtsratsmitglied die Ergebnisse ansehen. „Ich finde es herrlich, dass sich bei 1860 jetzt alle einig sind, dass wir zu unseren Wurzeln stehen müssen und wir jetzt jedes Jahr für ein Spiel ins Grünwalder zurückkehren werden“, sagt er.

Klar, die Allianz Arena in Fröttmaning, von einigen Löwen-Fans immer noch wahlweise als „Kloschüssel“, „Ufo“ oder „Arroganz Arena“ verspottet, ist die Spielstätte der Profis. „Da führt momentan kein Weg daran vorbei“, sagt Wettberg. Und die meisten Fans gehen ja trotzdem hin in die Betonschüssel im Münchner Norden. Man ist ja leidensfähig als Blauer.

Daheim sind sie aber immer noch dort, wo alles anfing. In Obergiesing, im alten Viertel der kleinen Münchner. Dort, wo das „Millerntor des Südens“ steht, wie Ex-Torwart Bernd Maier sagt. Dort, wo die Münchner Buam den Giesinger Buam beim Fußball spielen zusehen wollen. Dort, wo die Fans auch vor dem Heimatabend am Wienerwald an der Tegernseer Landstraße stehen und „ihr Bier trinken und sich ihres Lebens freuen“, wie Axel Dubelowski sagt – der 1860-Fanbetreuer, der sich „Löwenbomber“ nennt. „Sommer, Sonne, Giesing!“, ergänzt er. Mehr brauchen die Löwen nicht, um glücklich zu sein. „Am Mittwoch wurde noch nicht einmal eine Rauchbombe gezündet“, sagt Dubelowksi noch, „das ist ja in der Vergangenheit leider immer wieder vorgekommen. Aber dieses Mal wollten sie einfach nur Spaß haben im Sechzger“

F. Cataldo, R. Franke

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