Geisterspiele im Fußball kaum abzuwenden - Behörden beraten

In der Fußball-Bundesliga und den Europapokal-Wettbewerben wird über die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus diskutiert. Die Entscheidungsfindung verläuft zäh. Die französischen Behörden sind schneller - betroffen ist der BVB.
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Geisterspiele und sogar Spielabsagen rücken in den Fußball-Bundesligen und Europapokal-Wettbewerben immer näher.
Kathrin Brunnhofer/dpa/dpa Geisterspiele und sogar Spielabsagen rücken in den Fußball-Bundesligen und Europapokal-Wettbewerben immer näher.

Berlin - Die allgemeine Verunsicherung in der Coronavirus-Krise hat den deutschen Fußball voll erfasst. Während RB Leipzig in der Champions League vor Zehntausenden spielen darf, muss Borussia Dortmund zum Geisterspiel nach Paris reisen.

Das Montagabendspiel des VfB Stuttgart in der 2. Liga gegen Arminia Bielefeld war nicht betroffen - die Bundesliga stellt sich aufgrund der Epidemie dagegen auf tiefe Einschnitte ein. "Wir würden am liebsten schon nächsten Spieltag mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, bei "Bild live", schloss aber eine Komplett-Absage des kommenden Spieltags aus: "Wir haben entschieden, dass der Spieltag stattfindet, rein sportlich. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen."

Zuständig sind grundsätzlich die lokalen Behörden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte aber am Montag seine Empfehlung, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern auszusetzen. "Es ist sicher leichter, auf Konzerte und Fußballspiele zu verzichten als auf den Weg zur eigenen Arbeit", sagte der CDU-Politiker in Berlin. Er habe bei der DFL die Bestrebung wahrgenommen, "zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu kommen". Am dringlichsten ist eine Entscheidung für das Nachhol-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky).

"Ich finde den Umgang mit dem Coronavirus konsequent inkonsequent", sagte FC-Sportchef Horst Heldt. "Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt." Die Verantwortlichen der Clubs diskutieren dem Vernehmen nach in zahlreichen Konferenzen das weitere Vorgehen. Die Behören agieren aber alles andere als einheitlich - und scheinen auf Zeit zu spielen.

In Leipzig wurde am Montag entschieden, das Achtelfinal-Rückspiel in der Königsklasse am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) wie geplant auszutragen. Die Stadt Stuttgart kam zum selben Schluss für die 2. Liga. Laut VfB-Mitteilung auch, weil "viele auswärtige Fans schon auf dem Weg nach Stuttgart" seien. Die Pariser Polizeipräfektur schob dem Prinzenpark für das BVB-Spiel am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) beim Club von Trainer Thomas Tuchel dagegen schnell den Riegel vor.

DFL-Chef Seifert sprach von "einer Ausnahmesituation". Eine Spielpause in der Bundesliga sei jedoch "illusorisch". Es war auch darüber spekuliert worden, ob Spieltage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könnten, um Geisterspiele zu vermeiden. "Das ist nicht zu Ende gedacht. Da gibt es Verträge, sportliche Konsequenzen. Abstiege und Aufstiege. Wir brauchen den geregelten Spielbetrieb. Aufzuhören ist keine Option", sagte Seifert dazu. In der 2. Liga dagegen würde die DFL Spielverlegungen prüfen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte im ZDF-"Morgenmagazin", Geisterspiele in der Bundesliga seien angesichts der Ansteckungsgefahr "vertretbar". Den Gesundheitsexperten geht es dabei nicht nur um das Spiel an sich, sondern auch um die An- und Abreise der Menschenmassen. Kramp-Karrenbauer setzt "auch auf das Einsehen der einzelnen Vereine und aber auch derjenigen Stellen, die es dann anordnen müssen".

Im italienischen Fußball wurden wegen der Ausbreitung von Sars-CoV-2 seit Ende Februar etliche Spiele verschoben oder vor leeren Rängen ausgetragen, so auch das Spitzenspiel am Sonntag zwischen Meister Juventus Turin und Inter Mailand (2:0). "Ob sie ohne Publikum spielen oder ob sie gar nicht spielen, das muss schon der Verein entscheiden, nicht ich", sagte Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, in der ARD-Sendung "Anne Will". Die Spahn-Empfehlung werde umgesetzt, "und zwar morgen oder jetzt, vollkommen klar".

NRW stellt mit Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Schalke, Köln, Düsseldorf und Paderborn die mit Abstand meisten Bundesligisten. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist das Revier-Derby zwischen dem BVB und Schalke terminiert. Die Dortmunder kündigte eine Entscheidung über einen möglichen Zuschauer-Bann bis spätestens Dienstag an. Ruhrpott-Nachbar VfL Bochum stoppte am Montag vorsorglich den Kartenverkauf für die kommenden Spiele. Am Donnerstag stehen in Frankfurt (gegen Basel) und Wolfsburg (gegen Donezk) die Achtelfinale-Hinspiele der Europa League an. Leverkusen spielt auswärts bei den Glasgow Rangers.

In der Bundesliga waren zuletzt erste Vorsichtsmaßnahmen eingeführt worden. Mehrere Clubs wiesen ihre Spieler unter anderem an, bis auf Weiteres keine Autogramme mehr zu schreiben und auch nicht für Fotos oder Selfies mit den Fans zur Verfügung zu stehen. Zudem wurde der obligatorische Handschlag vor den Spielen ausgesetzt. In manchen Arenen wurden Fans zusätzliche Desinfektionsmittel angeboten. Bei Geisterspielen dürfen neben den beteiligten Mannschaften noch Betreuer, Ballkinder, Arena-Personal und Journalisten dabei sein.

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