„Wenn mein Sohn Bayern-Fan wird. . .“

Der Punkrocker spricht vor dem Spiel zwischen 1860 und Düsseldorf über seine Liebe zur Fortuna – und Bayern-Präsident Hoeneß.
| Christoph Landsgesell
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Punk-Sänger Campino hat seinen Frieden mit Uli Hoeneß geschlossen
dpa Punk-Sänger Campino hat seinen Frieden mit Uli Hoeneß geschlossen

AZ: Campino, ein Blick in die Zukunft: Am Sonntag spielt Fortuna Düsseldorf beim TSV 1860 – im Herbst dann gegen den FC Bayern. Wie fühlt sich das an?


CAMPINO: Das erscheint mir etwas zu voreilig, da habe ich ein ungutes Gefühl. Wenn etwas mit dem Aufstieg der Fortuna schief geht, würde ich mich dafür verantwortlich machen. Aber ich denke, dass man sich mit diesem Traum langsam anfreunden kann und sich damit auch nicht lächerlich macht. Aber ich will die Fortuna nicht zusätzlich unter Druck setzen.

Sie haben Fortuna von 2001 bis 2003 unterstützt, als es dem Verein schlecht ging.


Wir sind ganz glücklich, dass wir uns mit dieser Direkthilfe etwas zurückziehen können. Das war uns damals eine Herzensangelegenheit. Eigentlich gehören wir da zur Familie.

Nun braucht mit der DEG ein anderer Düsseldorfer Klub ihre Hilfe.


Es ist mittlerweile so, dass die Toten Hosen immer da auftauchen, wo es darum geht, Beerdigungen zu verhindern. Wenn dann wieder Erfolge gefeiert werden, brauchen wir uns nicht um die Gästeliste Sorgen zu machen.

Die Toten Hosen sind also eine Band, die lieber in schlechten Zeiten hilft.


Das ist unsere Lieblingsrolle. Es geht ja nicht darum, sich gegenseitig immer auf die Schulter zu klopfen, wenn es ohnehin alle tun. Seine Treue und Freundschaft kann man dann am besten beweisen, wenn es eng wird. Die Düsseldorfer EG hat sich ein Jahrzehnt auf den Sponsor Metro verlassen. Es ist ungut, wenn eine Art Monopolgewalt von einem Geldgeber ausgeht. Das macht die Vereine von einer Person abhängig. Sowas kann ein fürchterliches Ende nehmen.

Sie sind großer Fan des FC Liverpool, der einen New Yorker Eigentümer hat. Viele andere Klubs der englischen Premier League sind im Besitz von Scheichs.


Es ist eine schwierige Entwicklung, die ich auch als Fan erleben musste. Dass selbst der FC Liverpool plötzlich mit dem Rücken zur Wand stand. Ein sehr, sehr unangenehmes Gefühl. Das hat sich im englischen Fußball sehr krass entwickelt. Das betrachte ich sehr kritisch. Trotzdem bin ich oft an der Anfield Road im Stadion und feuere mit ganzem Herzen den FC Liverpool an.

Die Bundesliga ist noch nicht so weit. Der Zweitligist TSV 1860 hat aber mittlerweile mit Hasan Ismaik auch einen arabischen Investor.


Wenn man als Fan die Wahl hat, ob mein Verein vor die Hunde geht oder ein großer Geldgeber kommt, wird ein Investor immer mit offenen Armen empfangen. Darauf müssen wir uns einrichten. Da würde man träumen, wenn man glaubt, dass man noch die alten Verhältnisse herstellen kann. Meistens sind die Vereine an kurzfristigen Lösungen interessiert, bei denen auf die Schnelle Geld fließt. Und das ist wie im wahren Leben: Wenn auf die Schnelle Geld organisiert werden soll, dann handelt es sich meistens um eine windige Aktion.

Wie geht es anders?


Zum Beispiel hat sich Borussia Dortmund nach dem drohenden Crash umorientiert. Auch Fortuna Düsseldorf legt eine große Bescheidenheit und Bodenständigkeit an den Tag, die gut tut. Die sich selbst mit dem Ausblick auf die erste Bundesliga nicht übernehmen und idiotische Summen für Spieler zahlen. Und, soweit ich das aus der Ferne mitbekomme, ist auch der FC Bayern München wahrscheinlich ein Vorbild, was Geschäftsführung angeht.

Viele andere Vereine haben Mäzene und Investoren, der FC Bayern hat Uli Hoeneß. In Ihrer Single „Bayern“ haben Sie ihn und den Verein damals spöttisch kritisiert, was er nicht so witzig fand. Jetzt haben Sie ihm kürzlich über die Medien zum 60. Geburtstag gratuliert.


Er wird das zur Kenntnis genommen haben. Wenn er etwas über mich sagt, kriege ich das auch mit. So wird das umgekehrt auch sein. Ansonsten reicht das auch. Ich glaube nicht, dass sein Geburtstag sehr viel schöner gewesen wäre, nur weil ich angerufen hätte oder so. So nah ist die Sache dann nicht, aber das ist ja auch egal. Wir haben ja Zeit. Wenn Düsseldorf aufsteigt und es zu einem Spiel Bayern gegen Fortuna kommt, wäre das ein ganz netter Tag, um eine Geschichte zu einem Abschluss zu bringen.

Also ein Treffen zwischen Ihnen beiden in der Allianz Arena...


Es ist traurig, aber ich würde gerne auch mit dem FC Liverpool dort aufschlagen, vielleicht wäre ich dann drei Zentimeter größer, als wenn man sich mit Düsseldorf trifft.

Hoeneß ist mittlerweile etwas ruhiger geworden. Gefällt er Ihnen nun besser?


Ich kriege das alles ja nur über die Medien mit. Aber ich kenne viele Geschichten über ihn und stehe Leuten nahe, die ihn wirklich gut kennen, von Didi Hamann über Markus Babbel. Ich weiß um seine mittlerweile wahrscheinlich legendäre Solidarität und Treue zu seinen Spielern. Das hört sich gut an, wenn man so etwas erfährt, das ist eine fast altmodische Lebensphilosophie, die in der heutigen Welt schon etwas Besonderes ist. Im Grunde lebt Herr Hoeneß ja auch nur das, was normal sein sollte, was aber in der heutigen Welt alles andere als normal ist. Da werden die Spieler nach dem Motto „hire and fire“ behandelt und ihrem Schicksal überlassen, wenn sie sich verletzt haben. Diese Gebrauchsmentalität ist etwas Trauriges im Profisport, das sind immer noch Menschen, die verletzbar sind.

Sind eigentlich, wie Sie einmal erwähnten, nach der „Bayern“-Single die Verkäufe in Süddeutschland wirklich eingebrochen?

Das habe ich scherzhaft gesagt, aber auch dieser Scherz hat ein Korn Wahrheit.

Sie haben mal erzählt, dass Ihr Sohn aus dem Kindergarten nach Hause kam und gesagt hat, dass die Bayern ja gar nicht so schlecht spielen.


Da brauchen Sie sich keine Sorgen machen, das habe ich unter Kontrolle. Ich habe mal gesagt, dass das unverantwortlich wäre, wenn schon im Kindergarten solche gefährlichen Interessen bei den Kameraden zum Vorschein kommen. Das war in einer Rede, die etwas von einer Persiflage hatte. Mein Sohn ist, ganz ohne mein Zutun, sehr Liverpool-affin. Man muss da allen Kindern Zeit lassen, da müssen sie sich irgendwann selber entscheiden. Und wenn er wirklich irgendwann sagen würde: „Papa, ich bin Fan des FC Bayern“: Auch damit könnte ich leben. Mir ist in meinem Leben auch viel verziehen worden und aus mir ist auch ein ordentlicher Kerl geworden.

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