Schweinsteiger: Chef mit Köpfchen

Zum ersten Mal führt Bastian Schweinsteiger die Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld – und fällt vor allem als Streithahn auf.
| Julian Buhl
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Die Streit-Szene: Schweinsteiger und Kankawa (l.).
GES/Augenklick Die Streit-Szene: Schweinsteiger und Kankawa (l.).

Tiflis – Es war die auffälligste Szene von Bastian Schweinsteiger an diesem Abend: Kopf an Kopf stand er mit Jaba Kankawa, dem kahlköpfigen Kapitän der Georgier, in dessen Strafraum. Ein paar unschöne Worte, böse Blicke – und dann je eine gelbe Karte für die beiden Streithähne. Nach Abpfiff des EM-Qualifikationsspiels gegen Georgien (2:0) beschrieb Schweinsteiger die Szene folgendermaßen: „Er hält mich, hält mich, hält mich, dann will er mir eine Kopfnuss geben und langt mir an den Hals. Das muss der Schiedsrichter doch sehen!“

Tat er aber nicht. So oder so: Es gab wohl schon spektakulärere Kapitäns-Debüts als das von Schweinsteiger, der nach dem WM-Titel in Brasilien die Binde von Vorgänger und Vereinskollege Philipp Lahm übernommen hatte.

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Einen Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher gab es aber doch: Mit seinem 109. Einsatz im Adler-Trikot überflügelte der Bayern-Mittelfeldspieler Jürgen Klinsmann und steht nun auf Platz fünf der ewigen Rangliste. Für Schweinsteiger war es nicht nur die Premiere mit der Binde, sondern auch das erste Länderspiel seit dem WM-Triumph gegen Argentinien im Sommer 2014.

Und im Gegensatz zum aufwühlenden WM-Finale waren es diesmal 90 business-as-usual-Minuten. Aus der Zentrale, die er sich mit dem Ex-Bayern und mittlerweile für Real Madrid spielenden Toni Kroos teilte, dirigierte er wie gewohnt das Spiel. „Er war unauffällig, aber gut“, analysierte RTL-Experte und Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann bei RTL das Wirken Schweinsteigers. „Er hat keine Fehler gemacht, es waren ein paar ordentliche Pässe dabei.“

All zu viel Bedeutung wollte Schweinsteiger seiner neuen Chef-Aufgabe aber schon vor dem Anpfiff nicht zumessen: „Es ändert sich nicht viel. Ich denke, dass elf Kapitäne auf dem Platz stehen müssen, um erfolgreich zu sein“, sagte er, „bei den Titeln, die ich geholt habe, war das der Fall.“ Dennoch sei sein neues Amt natürlich „etwas ganz Besonderes. Das ist eine Ehre, aber auch eine Pflicht.“ Und an welchem seiner Vorgänger wird sich der neue deutsche Spielführer orientieren? „Ich hatte die Ehre, unter vielen großen Kapitänen zu spielen. Von jedem konnte ich mir etwas abschauen, jeder hat etwas Spezielles“, sagte Schweinsteiger. Der 30-Jährige ist auf jeden Fall einer, der mit der WM bereits einen großen Triumph vorzuweisen hat. „Auf der Autogrammkarte steht halt noch ein Titel mehr“, sagt er – aber auch, dass jener Triumph „sehr viel Kraft gekostet“ habe: „Der Weg der Mannschaft ist aber noch nicht am Ende, da kann noch was kommen.“ Die EM 2016 zum Beispiel.

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