Kommentar

Scham statt Charme! Diese Bekanntgabe des WM-Kaders war eine Farce

Nicht nur wegen der Torwart-Debatte verkommt die Bekanntgabe des DFB-Kaders für die WM zur Farce, sondern auch und vor allem wegen der Vorab-Enthüllungen und der Kampagne, findet AZ-Sport-Vize Florian Weiß.
Florian Weiß
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Bundestrainer Julian Nagelsmann (l) und DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle während der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des deutschen Kaders für die WM 2026.
Bundestrainer Julian Nagelsmann (l) und DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle während der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des deutschen Kaders für die WM 2026. © Federico Gambarini (dpa)

Was war das für eine Spannung damals! Als sich vor der Heim-EM 2024 herauskristallisierte, dass die nominierten Nationalspieler nicht vom DFB selbst, sondern von prominenten Persönlichkeiten auf unterschiedlichen Plattformen häppchenweise bekannt gegeben wurden, erzeugte das eine gewaltige Aufbruchstimmung. Es war das Flair einer aufregenden Schnitzeljagd.

Zur Erinnerung einige Beispiele: İlkay Gündoğans Gesicht prangte plötzlich an Litfaßsäulen am Berliner Alexanderplatz, Jens Riewa verkündete in der "Tagesschau" die Nominierung von Nico Schlotterbeck, Sängerin Nina Chuba auf einem Konzert die von Florian Wirtz und Günther Jauch bei "Wer wird Millionär?" die von Pascal Groß.

Aufbruchstimmung, Vorfreude, Hype? Nichts davon ist spürbar

Zwei Jahre später ist von einer solchen Aufbruchstimmung, von Vorfreude oder gar einem Hype absolut nichts zu spüren. Und das, obwohl die Idee des DFB für die Bekanntgabe des WM-Kaders grundsätzlich gut klingt. In kurzen Videos, die ab Donnerstagfrüh im 30-Minuten-Takt veröffentlicht worden sind, verkünden Familienmitglieder oder Freunde die Nominierung der Nationalspieler. Emotionaler geht es kaum.

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Dann übernimmt jedoch Bundestrainer Julian Nagelsmann das Wort und legt die Gründe für die Berufung des jeweiligen Akteurs dar – eine Mischung aus Vorgesetztem beim Feedback-Gespräch und RTL-Juror Joachim Llambi bei "Let’s Dance". Das gibt Abzüge.

Nagelsmanns Torwart-Eiertanz ist nur noch ein Randaspekt

Was hatte Nagelsmann aber noch am vergangenen Samstag im "Sportstudio" des ZDF gesagt? "Ich halte an meiner These fest, dass zuerst der Spieler kontaktiert wird – und das hat noch nicht stattgefunden. Ich habe ja gesagt, dass jeder Spieler, der in meiner Ära eine Rolle gespielt hat, einen Anruf bekommen wird. Das sind dann ca. 62 Telefonate, die ich führen muss." Die hochwertig produzierten Clips dürften nicht erst in den vergangenen Tagen produziert worden sein. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Nagelsmanns vorheriger Eiertanz um die eventuelle und schließlich vollzogene Rückkehr von Manuel Neuer samt Wortbruch gegenüber Oliver Baumann ist dabei nur ein Randaspekt.

Video-Häppchen-Strategie des DFB verpufft zur Farce

Jegliche Spannung um die möglichen WM-Fahrer wurde an sich sowieso seit Beginn dieser Woche dadurch vom Tisch gefegt, als unzählige Nominierungen vorab von mehreren Medien enthüllt wurden. Im Grunde war der komplette Kader schon vor der eigentlichen Verkündung am Donnerstag bekannt. Die gut gemeinte Video-Häppchen-Strategie des DFB verpufft somit zur Farce.

Daher lautet die Manöverkritik im Vergleich zur Verkündung 2024: Scham statt Charme.

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