"Nicht schön": Rudi Völler kommt bei politischer WM-Frage an Grenze

Sportdirektor Rudi Völler stellt sich im DFB-Quartier in Winston-Salem den Journalisten. Doctor Feelgood blickt optimistisch auf die WM, kommt aber bei einer politischen Frage an seine Grenzen.
Patrick Strasser |
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DFB-Sportdirektor Rudi Völler spricht auf der Pressekonferenz.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler spricht auf der Pressekonferenz. © Jan Woitas (dpa)

Rudi Völler kniff die Augen zusammen, legte die Stirn in Falten. Wie man das so macht, wenn man versucht, jemanden zu verstehen, den man kaum versteht. Der 66-jährige DFB-Sportdirektor bemühte sich, man ist ja schließlich zu Gast. Ein US-amerikanischer Reporter machte sich auf der Pressekonferenz des DFB in einem Hörsaal des Campus-Geländes der Wake Forest University die Mühe, seine Frage auf Deutsch vorzutragen – abgelesen vom Handy. Akustisch war der Mann zu verstehen, inhaltlich weniger für alle Anwesenden und für Rudi Völler. Rudimentär seien seine Deutschkenntnisse, entschuldigte sich der einheimische Journalist.

In seiner besten Rolle als Rudi Nazionale antwortete Rudi Völler dem Reporter höflich und charmant auf einen höchstens vagen Verdacht hin, weil er was von 1990 gehört hatte: "Erstmal vielen Dank für Ihren Versuch." Applaus der deutschen Medienvertreter. "Es hat irgendwas mit der WM 1990 zu tun", fuhr Völler fort und schwadronierte: "Natürlich ist es für mich einfacher, weil ich hier sitze und den WM-Pokal schon mal gewonnen habe, damals..." Legendäre Geschichten einer Legende.

Nagelsmann: "Rudi ist wie eine Papa-Figur"

Völler macht das, weil er's kann. Und weil er es soll. Als d e r Sympathieträger der Fans, als ehemaliger Weltklassestürmer und Teamchef der Nationalelf von 2000 bis 2004 ist der heutige DFB-Sportdirektor bei diesem WM-Turnier in besonderer Mission unterwegs: Als (verbaler) Bodyguard für den weitaus jüngeren Bundestrainer Julian Nagelsmann (38), der sich gegenüber den Medien gerne mal angriffslustig gibt, streitbar, bärbeißig. Er lässt sich nichts gefallen – das ist auch gut so. Nagelsmann bräuchte hin und wieder einen, der ihn einbremst vor einem Mikrofon. Hinter den Kulissen ist "Tante Käthe", so Völlers Spitzname als Spieler, Julians guter Onkel.

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Ein Vertrauter, ein Ratgeber. "Rudi ist wie eine Papa-Figur, auch für mich als jungen Trainer, der mir die nötige Ruhe gibt", sagte Nagelsmann einmal, "ich verstehe mich gerade auf menschlicher Basis extrem gut mit ihm, er ist ein Ruhepol mit viel Turniererfahrung." Die nun beginnende WM in Nordamerika ist Völlers fünfte in dritter Rolle: 1986 (Vize-Weltmeister), 1990 (Weltmeister) und 1994 (Viertelfinal-Aus) war er als Spieler mittendrin, 2002 als Teamchef verantwortlich – und wurde, damals sensationell, erneut Vize-Weltmeister.

Völler moderiert die Problemchen der DFB-Schlüsselspieler lässig weg

Der frühere Angreifer fungiert als Nagelsmanns Verteidiger. Und als Doctor Feelgood. All die von den Reportern sorgenvoll vorgetragenen Nachfragen zu den einzelnen Problemchen der Schlüsselspieler wie Manuel Neuer (keine Spielpraxis nach der Verletzung), Joshua Kimmich (seine dritte WM nach zweimaligen, blamablem Scheitern in der Vorrunde), Jamal Musiala (kommt aus einer schwerwiegenden Verletzung), Florian Wirtz (hat ein schwieriges erstes Jahr beim FC Liverpool hinter sich), und Nick Woltemade (hat aktuell eine für ihn unzufriedenstellende Rolle als Dritter im Stürmer-Ranking hinter Kai Havertz und Deniz Undav) moderierte Völler lässig weg.

"Es läuft alles gut", sagte Völler etwa zu Neuer und erklärte: "Manuel ist wieder bei der Mannschaft, trainiert wieder, ich sehe keinen Nachteil mehr. Er ist schon so lange dabei. Ich glaube, ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe." Wie Völler selbst, der auch für Kimmich ("Er ist unser Kapitän, das Sprachrohr der Mannschaft und wird dieser Rolle gerecht"), Musiala ("Er wird sicher eine tolle WM spielen"), Wirtz ("Er wird sicher eine tolle WM spielen") und Woltemade ("Er wird uns als Joker helfen") mal beschwichtigende, mal lobende Worte aus seinem Rhetorik-Koffer zog.

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Völler kommt bei politischer Frage an seine Grenzen

Als es ernst wurde, also politisch, bei der Frage wie der Gastgeber USA und der Weltverband Fifa mit den iranischen Fans und dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan umgehen, dem trotz eines gültigen Visums die Einreise in die USA verweigert wurde, machte Völler ein ernstes Gesicht. Und versuchte, alle Nachfragen zu umschiffen.

"Das war nicht schön zu lesen", sagte er, "aber ich kenne die genauen Hintergründe nicht. Deshalb kann ich das nicht beurteilen. Ich habe keine Angst, politische Fragen zu beantworten. Aber wir sind natürlich die falschen Ansprechpartner für solche Probleme." Bisschen dünn. Hier kommt selbst der silber-lockige Blitzableiter an seine Grenzen.

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