Revolution im Fußball: Nie mehr Wembley-Tor

Technische Systeme sollen den Schiedsrichtern anzeigen, ob der Ball drin war – oder nicht. Was eine Erlanger Firma damit zu tun hat, was Klubs, DFB und Referees sagen
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Revolution im Fußball: Technische Systeme sollen den Schiedsrichtern anzeigen, ob der Ball drin war – oder nicht. Was eine Erlanger Firma damit zu tun hat, was Klubs, DFB und Referees sagen

München - Die Revolution beginnt in Franken. Das Nürnberger Frankenstadion ist die einzige Bundesliga-Spielstätte, die bereits ausgerüstet ist für die seit Donnerstag von der Fifa grundsätzlich erlaubten technischen Hilfsmittel beim Fußball. Vor einem Monat schon ist das so genannte GoalRef-System des Erlanger Fraunhofer-Instituts in Nürnberg vorgestellt worden. Dieses ermittelt mittels eines Chips im Ball und eines Magnetfelds im Tor, ob der Ball die Torlinie passiert hat oder nicht. Seit 2007 arbeiten die Wissenschaftler bereits an der Technik, nun ist sie serienreif – und vom Fußball-Weltverband erlaubt.

Dank der Arbeit der fränkischen Wissenschaftler könnten quälende Torklau-Debatten bald der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig wäre aber auch die Zeit der Mythen vorbei im Fußball. Wembley-Tore gäbe es eben nicht mehr – und somit auch nicht mehr die mittlerweile 46 Jahre alte Frage, ob Deutschland nun ein WM-Titel geklaut wurde oder nicht.

Beim Club kann die Zukunft jedenfalls sofort beginnen. „Da sind wir Pioniere”, sagte Nürnbergs Manager Martin Bader am Freitag mit einigem Stolz in der Stimme. Und das Schönste: Den Klub hat die Einführung des Systems keinen Cent gekostet, die Kosten übernahm das Fraunhofer-Institut. Für alle anderen Klubs würde die Einführung der neuen Hilfsmittel etwa 200000 Euro kosten. „Mit den Jahren werden die Kosten sicher nach unten gehen, bei der Einführung ist jedes Produkt erst einmal teurer, als es dann später ist”, sagte Ingmar Bretz, der Projektleiter für GoalRef beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen, der AZ.

Doch noch ist es nicht so weit. Die technischen Hilfsmittel sind jetzt zwar erlaubt, doch ob und wann die Verbände und Ligen das System einführen, hat die Fifa ebenjenen überlassen. Auch, ob die Erlanger Wissenschaftler mit ihrem GoalRef-System das große Geld machen werden, ist noch offen. Neben der Chip-im-Ball-Technik erlaubte die Fifa auch das aus dem Tennis bekannte Hawk-Eye-System, bei dem Kameras feststellen, ob der Ball hinter der Linie war. Am Donnerstag gönnten sich Bretz und seine Mannschaft aber nach der Entscheidung des Weltverbandes erstmal ein gutes Glas Rotwein. Und das mit einigem Recht. In Deutschland jedenfalls fielen die Reaktionen grundsätzlich positiv aus.

Das sagen DFB und DFL: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lobte die Entscheidung der Regelhüter als „Schritt in die richtige Richtung”, fügte jedoch zugleich an: „Schnellschüsse in der Umsetzung darf es nicht geben. Zur neuen Saison ist eine Einführung absolut unmöglich.” Ähnlich sah es auch DFL-Präsident Reinhard Rauball: „Ich kann mir das frühestens zur Saison 2013/2014 vorstellen.”

Das sagen die Schiedsrichter: Die deutschen Referees reagierten sogar begeistert. „Vor allem wird mit der Technik ein großer Druck von den Schiedsrichtern und den Assistenten genommen, weil Entscheidungen Tor oder nicht Tor mit menschlichem Auge manchmal nicht zu treffen sind”, sagte etwa der frühere Fifa-Schiedsrichter Hellmut Krug stellvertretend.

So reagieren die Klubs: Auch die Verantwortlichen der Bundesligisten zeigten sich erfreut, warnten aber davor, die Technik auch auf andere Entscheidungen auszuweiten. „Ich bin grundsätzlich pro”, meinte etwa Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, „wir sollten das Rad nicht noch weiter drehen, dann spielen wir wegen ständiger Unterbrechungen überhaupt nicht mehr Fußball.” Und Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke sagte: „Es ist vernünftig und sinnvoll. Dabei sollte es dann aber auch bleiben.” 

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