Podolski kontert nach Acht-Sekunden-Tor

„Man muss mich nicht anstacheln”, sagt er nach seinem Acht-Sekunden-Tor in Richtung von Manager Oliver Bierhoff. Der hatte ihn Stillstand vorgeworfen – und liebäugelt mit der Bundesliga
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BOCA RATON Acht Sekunden. Schneller geht’s nicht. Weil die Ecuadorianer nach eigenem Anstoß vor ihrem Strafraum fahrlässig querspielten, nutzte Lukas Podolski die Gunst der Sekunde. Und drin – 1:0 nach acht Sekunden. Schneller war niemand in der DFB-Länderspielhistorie.


Sein Blitz-Einschlag ins Geschichtsbuch des deutschen Fußballs, dem er einen satten Linksschuss zum zwischenzeitlichen 3:0 folgen ließ, machte Podolski wieder froh – nach jedem Treffer grüßte er seine Frau Monika und sein Sohn Louis auf der Tribüne. Zwei Treffer, ein Rekord und zwei Überholmanöver. Mit seinem 109. Länderspiel wurde der Arsenal-Profi zum alleinigen Dritten unter den Rekordspielern (vor Jürgen Klinsmann mit 108 DFB-Einsätzen), mit seinem 45. und 46. Tor verdrängte er Karl-Heinz Rummenigge von Rang sechs der Rekordschützen.


Im schwül-heißen Boca Raton/Miami trat er nach dem 4:2 im Test gegen Ecuador (je zwei Tore Podolski und Lars Bender) mit breitesten Grinsen aus den Katakomben, um den Hals einen Schal „seines” 1. FC Köln. Was er noch loswerden wollte: einen Seitenhieb auf Oliver Bierhoff.


Die Aussagen des DFB-Teammanagers („Ein Jahr des Stillstands”) wollte der 27-Jährige nicht akzeptieren. Auch nicht, dass sein Kritiker nur gefeiert würde, weil es ihn angeblich angestachelt habe. „Jeder darf Kritik äußern, das gehört dazu. Aber wichtig ist, dass sie von Personen kommt, die täglich mit mir arbeiten – wie den Trainern”, sagte Podolski. Heißt: Bierhoff habe die Kritik nicht zugestanden. „Man muss mich nicht anstacheln. Ich bin jetzt schon so alt, habe so viele Spiele und so viel miterlebt. Da müsste man mich bei jedem Training anstacheln”, sagte Podolski bestimmt und ein bisschen trotzig. Zumal Bierhoff die Kritik offenbar nicht persönlich, sondern nur über die Medien geäußert hatte. Erst durch Journalisten habe er davon erfahren, erklärte Podolski, er sei „ein bisschen überrannt worden” und habe deshalb zunächst ausweichend und vermeintlich gleichgültig reagiert. Nun sagte er: „Mein Sohn war im Stadion und hat mitgejubelt. Alles andere, was thematisiert wird, ist Nebensache.”


Bierhoff sprach in Miami das an, was die Statistiken der Saison bis Mittwoch belegt hatten: Das neunte Jahr in der Nationalmannschaft war für den „Kölner Jungen” ein Stillstand in der DFB-Karriere. Junge Spieler wie die Dortmunder Marco Reus oder Mario Götze sind an ihm vorbeigezogen, andere wie André Schürrle erhöhen die Konkurrenz. Doch Joachim Löw lässt auf Podolski nichts kommen. „Das erste Tor nach ein paar Sekunden von Lukas hat uns beflügelt”, erklärte der Bundestrainer, „er hat schon in vielen Jahren immer wieder nachgewiesen, wie wichtig er für unsere Mannschaft ist.”


Hat nun Bierhoff den schwarzen Peter? Der Teammanager äußerte sich auf der US-Tour, die am Sonntag mit dem Test gegen die USA, trainiert von Jürgen Klinsmann, endet, zu seiner Zukunft. Womöglich hört er, seit 2004 im Amt, nach der WM kommendes Jahr in Brasilien, auf. „Ich schätze Kontinuität und freue mich, wenn ich sehe, wie sich die Dinge bei der Nationalmannschaft in der Zeit meinerTätigkeit entwickelt haben”, sagte Bierhoff der „Welt”. Seine Überlegung: „Andererseits reizt mich immer auch das Neue, und es stellen sich die Fragen: Habe ich noch etwas zu geben? Brauche ich einen neuen Anreiz und muss mal wieder raus aus der Komfortzone des Gewohnten?”


Sucht der 45-Jährige einen Manager-Job in der Bundesliga? Bierhoff: „Bei einem Bundesligisten hast du schnellere Entscheidungen, direkteres Feedback, Tagesaktualität. Es ist schnelllebiger und hat darum natürlich seine Reize.” 

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