Offiziell: Nagelsmann tritt als Bundestrainer zurück – Nachfolger steht wohl schon bereit

Bundestrainer Julian Nagelsmann ist nach dem WM-Aus von seinem Amt zurückgetreten. Im Vorfeld fand ein Krisengipfel statt – ein Nachfolger soll schon bereitstehen.
AZ |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Nicht mehr Bundestrainer: Julian Nagelsmann.
Nicht mehr Bundestrainer: Julian Nagelsmann. © IMAGO/UWE KRAFT (www.imago-images.de)

Es hatte sich angedeutet, jetzt ist es fix! Julian Nagelsmann ist als Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten. Der bis 2028 laufende Vertrag des Bundestrainers wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das teilte der DFB am Freitag vier Tage nach dem verlorenen Sechzehntelfinale in Foxborough gegen Paraguay (3:4 i.E.) mit. 

"Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient", wird Nagelsmann in der Pressemitteilung zitiert.

Rettig geht zum Jahresende: Auch Nagelsmann-Assistenten Glück und Hübner verlassen DFB

Mit Nagelsmann gehen auch dessen Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner. Zudem hat Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig erklärt, dass er seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern wird.

Nagelsmann geht diesen Schritt nun, nachdem er einen Rücktritt kurz nach dem WM-Aus selbst noch ausgeschlossen hatte. Die Entscheidung fiel nach einem längeren Gespräch am Donnerstag in der DFB-Zentrale. In einem dreistündigen Krisengipfel zur neuerlichen WM-Blamage hatten ihm Verbandspräsident Bernd Neuendorf und Co. unmissverständlich einen Rücktritt nahegelegt – die hohen Herren haben den vermeintlichen Heilsbringer Jürgen Klopp längst als Nachfolger auserkoren.

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Klopp mit grundsätzlicher Bereitschaft 

"Hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens wird die DFB-Spitze nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert", wird der DFB in der Pressemitteilung zitiert.

Lade TED
 
Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

Selbst Nagelsmanns "Bodyguard" Rudi Völler, berichtete "Bild"  nach dem Beben in Frankfurt, sei von seinem Schützling abgerückt. Als der Sportchef kurze Zeit später mit Geschäftsführer Rettig vom Hofe fuhr, hob er den Daumen – der über Nagelsmann war da anscheinend bereits gesenkt. Neuendorf, Völler, Rettig und Bundesligachef Hans-Joachim Watzke hörten sich Nagelsmanns Version des Scheiterns zwar noch an, ihr Urteil aber war klar.

"Keine Chance mehr": Nagelsmann-Schicksal besiegelt

Wenige Stunden zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag eine namentlich nicht genannte DFB-Quelle mit den Worten zitiert: Nagelsmann habe "keine Chance mehr". Diese Ansicht deckte sich mit SID-Informationen. Ein Funktionär bekräftigte: "Die Stimmung und der Druck sind schon da", die Ära Nagelsmann zu beenden. Das "niederländische Beispiel" von Ronald Koeman und dessen stilvollem Abgang nach dem Ausscheiden ebenfalls in der ersten K.o.-Runde gilt als Vorbild – dazu passt es, dass Neuendorf seinem leitenden Angestellten eine Brücke zum Rücktritt gebaut haben soll.

Eine Abfindung in Höhe eines Jahresgehalts soll Nagelsmann, der noch bis zur EM 2028 gebunden war, den Ausstieg schmackhaft gemacht haben.

Jürgen Klopp soll als Bundestrainer kommen

Klopp soll im September in der Nations League gegen die Niederlande einen Neustart moderieren. Wie der aussehen könnte, hatte der MagentaTV-Experte schon bei der WM angedeutet. Runter vom hohen Vier-Sterne-Ross! Keine flapsigen Titel-Ansagen mehr wie von Nagelsmann nach dem unglücklichen, aber zu frühen EM-Scheitern 2024.

Das Mäandern bei Personal und Taktik, das ewige Hin und Her bei der Position für Joshua Kimmich, die unglücklichen öffentlichen Auftritte, vorpreschende Interviews, die teils patzig-eingeschnappte, ja unsouveräne Art, die missglückte Rückholaktion von Manuel Neuer und, und, und – die Mängelliste des 38-Jährigen war sogar noch länger als die der inzwischen zahlreichen deutschen WM-Blamagen. Beim DFB gab es eine deutliche Absetzbewegung, am Ende selbst von Völler, seinem letzten Verbündeten und treuen Freund.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Nagelsmannn: Viel versucht, wenig geklappt

Was bleibt von Nagelsmann? Er hat vieles versucht, recht wenig hat funktioniert. Er riss den deutschen Fußball erst einmal aus der lähmenden Hansi-Flick-Lethargie (Stichwort hier: Graugänse-Motivationsvideo). Seine erste USA-Reise war im Oktober 2023 ein schöner Erfolg, dass die zweite sein Ende bedeuten würde, war nicht abzusehen.

Mit Volldampf raste Nagelsmann zu Beginn in eine Richtung, war es ein Irrweg, wendete er mit qualmenden Reifen um 180 Grad. Das führte zu Kuriositäten: Im November 2023 stand Kai Havertz gegen die Türkei in Berlin plötzlich links in der Viererkette, als "Schienenspieler". Er wollte zaubern lassen, weil die Mannschaft ohnehin nicht verteidigen könne, dann war die Abwehr ("Worker") doch wieder das Wichtigste.

Aber: Auch nach dem Aus gegen Spanien bei der Heim-EM stimmte die Stimmung. Es gab ja einen Sündenbock, nämlich den Handspieler Marc Cucurella. Deutschland sang ansonsten losgelöst "Major Tom", Nagelsmann würde es schon richten. Von wegen.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.