Neuer beendet DFB-Karriere – welche Stars machen sonst noch Schluss?

Mit dem Alter kommt die Weisheit. Und Klarheit. Nach dem 1:2 gegen Ecuador hatte Torhüter Manuel Neuer, stolze 40 Jahre alt, auf die Nachfrage eines Reporters, ob er sich den Gegentreffer ankreide, direkt geantwortet "Nee!"
Als er nach dem blamablen WM-Aus im Sechzehntelfinale nach Elfmeterschießen gegen Paraguay, in der ARD darauf angesprochen wurde, ob dieses 128 Länderspiel seiner DFB-Karriere nun aber auch wirklich sein allerletztes gewesen sei, antwortete er ebenso blitzschnell und leise: "Ja."
Neuer blieb in seinen letzten zehn WM-Spielen nie ohne Gegentor
Vier Spiele also, seine WM-Partien Nummer 20 bis 23, machte Neuer nun also in Nordamerika. Zu null konnte er nicht halten. Überhaupt: In seinen letzten zehn (!) WM-Spielen, inklusive der Turniere 2018 in Russland und 2022 in Katar, konnte der Bayern-Torwart nicht ein einziges Mal ohne Gegentor bleiben - ein eingestellter Negativrekord, den zuvor nur Mexikos Torhüter Antonio Carbajal von 1950 bis 1962 verbuchen musste. Neuers letzte weiße Weste? Vor mittlerweile zwölf Jahren - beim gewonnenen WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro gegen Argentinien (1:0 n.V.).
Vielleicht sagte Neuer auch deshalb am Abend in Foxborough bei Boston: "Es ist extrem bitter, so aufzuhören." Was bleibt? Ein parierter Schuss im Elfmeterschießen gegen Paraguay und drei Rekordmarken. Neuer ist der älteste deutsche Nationalspieler und der älteste jemals bei einer WM eingesetzte Akteur. Zudem: Kein anderer Keeper hat mehr WM-Spiele bestritten.
Baumann durfte nicht einmal ran, als es um nichts mehr ging
Was noch bleibt? Die Frage, ob es wirklich Sinn gemacht hat, dass Neuer von Bundestrainer Julian Nagelsmann reaktiviert wurde. Ursprünglich sollte Marc-André ter Stegen (34), Neuers ewiger Stellvertreter, erstmals als Nummer eins in ein Turnier gehen. Nach dessen dauerhaftem Verletzungspech bestritt Oliver Baumann (36) die meisten Länderspiele nach Neuers Rücktritt in Folge der Heim-EM 2024, ebenso wie die gesamte WM-Qualifikation.
In Nordamerika bekam der loyale Baumann nicht einmal das tabellarisch unwichtige Spiel gegen Ecuador (1:2) zugesprochen – bei dem Neuer dann patzte. "An Manu lag es nicht, dass wir ausgeschieden sind. Im Elfmeterschießen hat er uns zurückgeholt", bilanzierte Nagelsmann und sagte: "Er hat uns das gebracht, was wir wollten. Es gab aber nicht die Momente, wo er sich hätte auszeichnen können."
Das war’s also mit Neuer und der langen, zu langen (?) DFB-Karriere. Wer tritt nach dem zu frühen WM-Aus ebenfalls zurück? Wer sollte es tun? Eine Übersicht:
Rüdiger lässt DFB-Zukunft offen, für Goretzka ist wohl Schluss
Antonio Rüdiger (33 Jahre/4 WM-Einsätze/86 Länderspiele): Der Innenverteidiger, als Back-up ins Turnier gestartet und dann für den im zweiten WM-Spiel schwer verletzten Nico Schlotterbeck in die Stammelf gerutscht, meinte: "Natürlich habe ich immer Lust auf die Nationalmannschaft. Man ist jetzt emotional, man muss paar Tage darüber nachdenken und dann wird man sehen, was passiert." Hört sich nach Rücktritt an.

Leon Goretzka (31/3/73): Der Mittelfeldspieler hat ausgedient. Als Kapitän Joshua Kimmich beim Stand von 3:3 nach je fünf Schützen im Elfmeterduell am Mittelkreis nach dem sechsten Schützen fahndete, lehnte Goretzka zwei Mal ab – wie aufgrund der Körpersprache auf TV-Bildern zu sehen ist. Bei der WM nur Ergänzungsspieler, wird Goretzka bei einem Neuaufbau der Mannschaft nicht mehr gebraucht.
Sané muss Platz für Karl machen, Kimmich gibt sich kämpferisch
Leroy Sané (30/4/80): Obwohl er dank Nagelsmanns Nibelungen-Treue bei dieser WM Stammspieler auf Rechtsaußen war, gilt für den Ex-Bayern: Bitte den Weg für Talente wie Lennart Karl (18) freimachen! Der hätte ohne seinen Muskelbündelriss vor dem letzten Testspiel in den USA (2:1) ohnehin wohl öfter als Sané gespielt.
Joshua Kimmich (31/4/114): Der Kapitän will weitermachen, meinte kämpferisch: "Was ich niemals tun werde, ist: aufgeben." Sein früherer Mitspieler Mats Hummels wird auch an den Bayern-Profi gedacht haben, als er forderte, man müsse auch an Spieler "ran, die erst Anfang 30 sind, aber schon vier, fünf, sechs Turniere die Chance hatten". Dazu gehört neben Goretzka wohl auch der für das Turnier verletzt ausgefallene Bayern-Angreifer Serge Gnabry (30). Jedoch nicht: Abwehrchef Jonathan Tah (30).