"Nahe an der Perfektion"

Obwohl beim überragenden 3:0 gegen Erzrivale Holland geschont, sagt DFB-Kapitän Lahm nun: „Jetzt ist die Zeit, Titel zu holen.” Die AZ erklärt, wieso diese Forderung mehr als nur ein Traum ist.
| Thomas Becker
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HAMBURG 3:0. Höchster Sieg gegen Holland seit dem 7:0 von 1959. Erst der zweite Sieg in der 101-jährigen Länderspielgeschichte gegen den Nachbarn mit mehr als zwei Toren Differenz. Es war aber auch: ein heißer Rausch, eine Demontage des Vize-Weltmeisters, die Gäste-Coach Bert van Marwijk als „peinlich” empfand. Zeit für starke Worte. Der diesmal absente DFB-Kapitän Philip Lahm wurde via „Sport-Bild” offensiv: „Es zählen letztlich immer nur Titel. Wir sind nur eine gute Generation, wenn wir einen internationalen Titel holen.” Und weiter: „ Jetzt ist der Zeitpunkt da, Titel zu holen." Widerspruch? Nirgends. Die AZ erklärt, warum die DFB-Elf tatsächlich so stark ist.


Spielfreude: Nach der Partie sollte Thomas Müller erklären, ob die beim Gegner ständig Verwirrung stiftenden Positionswechsel mit Mesut Özil eine Anweisung des Trainers waren oder eher seinem Wesen als Freigeist entsprangen. Gerade als Müller letztere Variante favorisieren wollte, betrat der Bundestrainer den Raum, rief kurz „Anweisung”. Da sagte Müller: „Ja gut, das war also auf Anweisung...” – und grinste. Löw verfügt über eine seltene, kostbare Gattung: Instinkt-Kicker wie eben Özil und Müller, wie Mario Götze, Toni Kroos. Auch Lukas Podolski, Andre Schürrle und Marco Reus zählen zu dieser Sorte, die für den Gegner schwer zu berechnen ist. Spieler, die sich am eigenen Rausch-Fußball berauschen können. Thomas Müller schwärmte: „Wenn man sich die Tore anschaut, weiß man gar nicht, welches schöner war.” Löw lobte die „unglaubliche Spielfreude, womit die Holländer einige Male überfordert waren”. Miro Klose meinte: „Wir müssen weiter Spaß am Fußball haben.”


Potenzial: Gäste-Trainer Bert van Marwijk zollte dem Rivalen Respekt: „Deutschland ist unglaublich stark beim Umschalten. Das konnten sie früher schon. Aber jetzt können sie auch Fußballspielen! Das ist eine sehr starke Mannschaft. Sie haben viel mehr Potenzial als wir.” Die DFB-Kicker sehen sich auch noch nicht am Limit. Sami Khedira meinte: „Bis zur EM können wir noch einen Schritt machen.” Auch Podolski sprach vom „großen Potenzial, das in uns steckt”. Löw mahnte: „Die Spieler müssen für sich selbst in ihren Vereinen versuchen, die Form zu halten und zu verbessern.” Er sieht „im individuellen Bereich” noch Platz nach oben.



Ausbildung: Alle Kreativität nutzt wenig, wenn sie nicht kanalisiert wird, keinen taktischen Überbau besitzt und nicht von technischer Perfektion begleitet wird. Löw sagt: „Man kann die guten Mannschaften nur schlagen, wenn man spielerisch besser wird, nicht mit Aggressivität.” Hier kommen die nach der EM-Pleite 2000 initiierten Fußball-Internate ins Spiel, die für eine hochwertige Grundausbildung sorgen. Vorbei die Zeit der Rumpelfüßler, die mit deutschen Tugenden übers Feld pflügen!


Selbstbewusstsein/Demut: Wenn Sami Khedira nach dem Spiel sagt: „Das war nahe an der Perfektion dran”, klingt das sehr selbstbewusst. Hochmut? Keine Spur. Toni Kroos sagte: „Es war ein großer Sieg gegen einen großen Gegner. Es war aber ein Freundschaftsspiel. Ich warne davor, jetzt schon zu euphorisch zu sein. Wir müssen diese Leistung erst noch bestätigen.” Braver Toni.
Löws junge Truppe ist gut erzogen, findet stets die Balance zwischen Demut und Forschheit. „Wir können diesen Sieg gegen Holland nicht mit einem Endrundensieg vergleichen”, meinte Manuel Neuer. Bei der EM „werden alle noch ein Stückchen stärker sein”, glaubt Mats Hummels. Aber, Holger Badstuber: „Wir haben mit Blick auf die EM ein Ausrufezeichen gesetzt.” Ein sehr dickes. 

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