Nach Ellbogencheck gegen Werner: Ärger um Videobeweis

Im Confed-Cup-Finale bekommt DFB-Spieler Timo Werner den Ellbogen eines Chilenen ab – eine klare Tätlichkeit. Der Schiedsrichter zieht den Videobeweis heran – und trifft anschließend eine klare Fehlentscheidung. Die Neuerung wird ad absurdum geführt.
| AZ/dpa
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Jara (l.) fährt den Ellbogen mit voller Absicht aus, trifft Werner damit im Gesicht. Eigentliche eine klare Rote Karte – trotzdem gab es am Ende nur Gelb.
GES/Augenklick Jara (l.) fährt den Ellbogen mit voller Absicht aus, trifft Werner damit im Gesicht. Eigentliche eine klare Rote Karte – trotzdem gab es am Ende nur Gelb.

St. Petersburg - Nach einer umstrittenen Entscheidung von Schiedsrichter Milorad Mažiæ im Confed-Cup-Finale zwischen Deutschland und Chile (1:0) hat DFB-Präsident Reinhard Grindel Nachbesserungen beim neuen Videobeweis gefordert. "Ich habe die Regeln anders verstanden. Dass man unterbricht um eine Gelbe Karte zu geben, das war bei mir nicht auf dem Schirm", sagte der Verbandschef.

Der Referee aus Serbien hatte den Chilenen Gonzalo Jara trotz eines klaren Ellenbogenschlags gegen Timo Werner und anschließendem Video-Studium nur verwarnt, statt mit einem Platzverweis zu belegen.

Diese Entscheidung reihte sich ein in eine längere Liste von für Spieler wie Zuschauer schwer nachvollziehbaren Szenen beim WM-Testlauf in Russland. "Grundsätzlich bleibe ich dabei, wenn es um so viel geht und man mit technischen Hilfsmitteln klare Fehlentscheidungen vermeiden kann, dann ist das richtig. Aber was die praktische Umsetzung des Instruments angeht, da muss man einiges verbessern", sagte FIFA-Council-Mitglied Grindel.

"Ich kann nicht richtig schlucken", meinte Opfer Timo Werner zerknirscht, "mir tut der Kiefer von dem Schlag immer noch weh." Jara bekam "Witz-Gelb", wie die Bild urteilte. Und der Videobeweis wurde ausgerechnet am letzten Tag seiner internationalen Premiere bei der Mini-WM in Russland ein Stück weit ad absurdum geführt. Der Faktor Mensch bleibt die unberechenbare Variable. Das bekam auch Werner zu spüren: "Ich dachte schon, dass der Schiedsrichter die Rote Karte zeigt."

Immer wieder Verwirrung um Videobeweis

Die Video-Bilder können noch so eindeutig sein, sie helfen nicht, wenn sie von den Referees falsch ausgelegt werden. Obwohl der Videobeweis in den Tagen des Confed Cup für rege Diskussionen sorgte, waren die Regelhüter mit dem Ergebnis der "kleinen Revolution" zufrieden.

"Von meiner Seite aus war der Videoschiedsrichter ein großer Erfolg. Wir haben Geschichte geschrieben", hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino schon vor dem Endspiel gesagt und betont: "Wir hätten ohne den Videobeweis ein anderes Turnier gehabt. Ein Turnier, das weniger fair gewesen wäre." Allerdings hatte der Schweizer versprochen, dass "große Fehler" nicht mehr passieren würden.

Joachim Löw reagierte betont gelassen. "Es war schon ein Schlag ins Gesicht mit dem Ellbogen. Von daher hätte der Schiedsrichter, wenn er das sieht, Rot zeigen können", sagte der Bundestrainer. Im letzten deutschen Gruppenspiel hatte Referee Wilmar Roldán mit Rot für einen falschen Kameruner für Verwirrung gesorgt. Auch beim Spiel um Platz drei zwischen Portugal und Mexiko (2:1 n.V.) gab es große Aufregung um mehrere Szenen. Als ein Problem gilt die Kommunikation zwischen Video-Schiedsrichter und dem Referee auf dem Platz.

Der Videobeweis war beim Confed Cup erstmals von der FIFA bei einem großen internationalen Wettbewerb getestet worden. Am Vortag des Finales hatten FIFA-Präsdent Gianni Infantino und Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina das Experiment als großen Erfolg gefeiert. "Es ist die Zukunft des Fußballs", sagte Infantino. Laut Collina wurden in Russland sechs spielentscheidende Szenen korrigiert. Kommende Saison kommt der Videobeweis in der Bundesliga zum Einsatz.

Einzelkritik: Die Noten für die Confed-Cup-Gewinner

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