Müllers Fest: Mit Megaphon und Weltpokal

„Das war einfach nur geil!“ - Die AZ sieht das 4:1 der DFB-Elf gegen England in Pähl am Ammersee mit den Eltern und dem Bruder des Doppel-Torschützen Thomas Müller.
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Der Optimist: Thomas' Bruder Simon hat den Weltpokal schon bei sich.
RTL/Neumann Der Optimist: Thomas' Bruder Simon hat den Weltpokal schon bei sich.

PÄHL - „Das war einfach nur geil!“ - Die AZ sieht das 4:1 der DFB-Elf gegen England in Pähl am Ammersee mit den Eltern und dem Bruder des Doppel-Torschützen Thomas Müller.

In Pähl jubeln sie bereits, da ist in Bloemfontein noch nicht mal angepfiffen. Weil sie ihn plötzlich sehen, Thomas Müller, den berühmtesten Sohn des Dorfes. Wegen ihm haben sich hier 400 Pähler im Pfarr- und Gemeindezentrum der 2000-Seelen-Gemeinde am Ammersee versammelt. Thomas Müller, 8696 Kilometer von seiner Heimat entfernt, sitzt in seinem Hotelzimmer in Südafrika und begrüßt die Pähler per Videobotschaft.

„Servus zusammen“, sagt er lässig, „hier seht ihr meine 20 Quadratmeter Lebensraum, auf denen ich mich zurzeit zurechtfinden muss. Ich freue mich, dass in Pähl so eine super Stimmung ist. Zur Feier des Tages gibt’s 200 Liter Freibier auf meine Rechnung!“

Das lassen sie sich schmecken. Applaus, Gelächter, klirrende Bierflaschen noch vor Spielbeginn. Die Pähler sind schon in Hochstimmung. Sie ahnen ja nicht, dass es noch viel besser wird.

Seit Thomas Müller, der 20-Jährige vom FC Bayern, für Deutschland auf Torejagd geht, gehört das gemeinsame Public Viewing zum Pähler Dorfleben wie der sonntägliche Kirchgang. Die ersten beiden Vorrundenspiele hat man noch im (nicht nach Thomas benannten) Dorflokal „Müllers Lust“ verfolgt, doch da ist es nun zu eng. Ein paar Jungs aus dem Dorf haben eine improvisierte Leinwand aus Rigips-Platten gebastelt und sie im Gemeindesaal aufgestellt. Einen Grill haben sie besorgt und eine Zwei-Mann-Kapelle organisiert, die mit Standtrommel und Trompete Fußballlieder spielt. Im Gemeindesaal, wo Feuerwehr- und Starkbierfest sonst ihr Zuhause haben, ist nun: Müller-Fest.

Dann beginnt das Spiel. Und das Zittern.

Thomas Müllers Eltern Klaudia (46) und Gerhard (48) haben es sich in der Menge gemütlich gemacht. Die Mutter bewaffnet mit einem Megaphon, der Vater im Deutschland-Trikot. Gebannt starren sie auf die Leinwand. „Ich hoffe, zur Halbzeit ist alles klar. Letztes Mal gegen Ghana war mir das viel zu aufregend“, sagt die Mutter. Der Vater gibt sich entspannter: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl“, sagt er. Seine Hände wandern dennoch nervös auf seinen Oberschenkeln auf und ab. Selbst als das erste Tor für Deutschland fällt (Klose) und der Saal fast explodiert, reißen die Müllers zwar kurz die Arme hoch, bleiben aber sitzen. Erst beim 2:0 (Podolski) ist es dann soweit: Klaudia Müllers Megaphon kommt zu einem ersten Einsatz. „Olé! Olé! Olé! Olé“ tönt es aus dem Lautsprecher. Auch der Trompeter bläst in sein Instrument, wird aber unsanft unterbrochen: England trifft zum 2:1 und dreht plötzlich auf.

Es wird wieder ruhig im Gemeindesaal. Als Thomas Müller nach der Pause knapp am Pfosten vorbeischießt, schlägt sich sein Vater mit beiden Händen auf die Oberschenkel. „Das gibt’s doch nicht!“ Seine Frau schüttelt kurz den Kopf und atmet tief durch.

Thomas’ Bruder Simon (18) kann gar nicht mehr hinsehen. Dabei ist er doch ein Optimist: Unter seinem Stuhl hat er den WM-Pokal in Originalgröße stehen. Jetzt stützt er sein Kinn auf die Hände und sieht aus, als würde ihm ein Lehrer gleich seine Abiturnote vorlesen. Die Erlösung kommt schließlich in Gestalt seines Bruders. Nach dem 3:1 springt Simon auf und rennt mit ausgebreiteten Armen zur Leinwand. „Das war einfach nur geil!“, ruft er. Als Müller, Thomas, kurz darauf zum 4:1 trifft, stimmt der ganze Saal gemeinsam an: „We are the champions!“ In Pähl feiern sie schon wie die Weltmeister.

Von Alexander Neumann

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