"Mitspieler unter Druck gesetzt": Nagelsmann-Freund zerlegt Rüdiger

AZ: Herr Schmidt, das DFB-Team verliert mit 1:2 gegen Ecuador. Wie war die taktische Herangehensweise von Bundestrainer Julian Nagelsmann?
ALEXANDER SCHMIDT: Auffällig war, dass er Leroy Sané defensiv auf der rechten Außenbahn in einer Art Fünferkette spielen hat lassen. Generell haben wir überwiegend im tiefen Block verteidigt. Und da hat man gesehen, dass uns das überhaupt nicht liegt. Das spricht gegen die DNA dieser Mannschaft.
Rüdiger setzte Mitspieler mit seinen Pässen unter Druck
Sie sprechen nun schon die Schwächen an.
Wir hatten zu viele Ausfälle. Ich nehme da jetzt mal Antonio Rüdiger heraus, der in der Spieleröffnung schwach war. Mit seinen Pässen hat er seine Mitspieler unter Druck gesetzt. Man muss einfach sagen, dass Ecuador von der individuellen Klasse her besser war. Das ist für den Julian gerade eine sehr schwere Situation. Er muss jetzt auf seinen Instinkt hören und darf sich nicht von außen beeinflussen lassen.

Auf welchen Positionen würden Sie umstellen?
Meiner Meinung nach muss er auf zwei Spitzen umstellen, weil sich Kai Havertz zu weit aus dem Zentrum zieht und dann vorne ein Zielspieler fehlt. Wenn er weiter im 4-2-3-1-System spielen will, muss Julian entsprechend Deniz Undav auf die Zehn stellen. So hätte man wenigstens eine Anspielstation mehr. Und im Mittelfeld würde ich Joshua Kimmich neben Felix Nmecha stellen. Da wäre es auch eine Option, Leon Goretzka wegen seiner Robustheit und Kopfballstärke zu bringen. Gleichzeitig muss er sich für die rechte Abwehrseite etwas anderes einfallen lassen.
Wenn ich ihm als Freund einen Tipp geben sollte, muss er etwas verändern.
Schmidt würde weiter auf Musiala und Wirtz setzen
Heißt: Sie würden jetzt gleich mehrere Veränderungen vornehmen?
Wenn ich ihm als Freund einen Tipp geben sollte, muss er etwas verändern. Wir waren auch im Mittelfeld nicht ballsicher. Pavlovic ist auf dem Niveau, auf dem absolute Zweikampfhärte gefragt ist, nicht gut genug. Auch Angelo Stiller tat sich mit dem Tempo und der Körperlichkeit schwer. Kimmich ist da deutlich wertvoller.
Auch Jamal Musiala und Florian Wirtz blieben hinter den Erwartungen.
Sie waren nicht gut, aber man braucht die beiden. Solche Spieler sind mal über 60 Minuten schwach, aber entscheiden die Partie dann in der 61. Minute mit einer Aktion. Entsprechend würde ich weiter auf die beiden setzen.

Schmidt gibt Nagelsmann einen Tipp
Glauben Sie, dass Nagelsmann die ganze Palette an Problemen innerhalb weniger Tage lösen kann?
Ich hoffe es. Er muss jetzt analysieren und reagieren. Wenn er es so laufen lässt, wird es schwer. Entsprechend ist meine Kernbotschaft an Julian: Entgegen der Logik, auf die eingespielte Mannschaft zu setzen, die es nicht gibt, muss man umstellen. In dieser Formation reicht es nicht, vor allem auf der rechten Abwehrseite. Man könnte sogar überlegen, auf eine Dreierkette umzustellen. Wir brauchen hinten einfach mehr Tempo.