Meyer wirft in Gladbach das Handtuch

Der kauzige Erfolgs-Coach tritt nach dem Klassenerhalt zurück. "Mit einem fast 67-Jährigen kann man keine Mannschaft aufbauen." Die Gladbach-Bosse sind überrascht.
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Seine Zeit in Mönchengladbach ist abgelaufen: Trainer hans Meyer.
AP Seine Zeit in Mönchengladbach ist abgelaufen: Trainer hans Meyer.

MÖNCHENGLADBACH - Der kauzige Erfolgs-Coach tritt nach dem Klassenerhalt zurück. "Mit einem fast 67-Jährigen kann man keine Mannschaft aufbauen." Die Gladbach-Bosse sind überrascht.

Hans Meyer hat bei Borussia Mönchengladbach nach der erfolgreichen Mission Klassenerhalt das Handtuch geworfen. „Mit Hans Meyer, mit einem fast 67-Jährigen kann man keine Mannschaft aufbauen. Mit meiner Erfahrung konnte ich helfen, die Klasse zu erhalten. Alles andere ist nicht produktiv, nicht für Hans Meyer und nicht für den Fußball-Klub Borussia Mönchengladbach“, sagte Meyer und bestätigte noch vor einer offiziellen Mitteilung des Klubs seine Demission beim fünfmaligen Meister.

Über seine Zukunft im Borussia-Park war trotz seines noch bis 2010 laufenden Vertrages spätestens seit der Rettung vor dem Abstieg am vergangenen Samstag durch das 1:1 gegen Borussia Dortmund heftig spekuliert worden. Der 66-Jährige befeuerte durch vieldeutige Aussagen wie „Es geht nicht um Hans Meyer“ und auch durch seine Abwesenheit beim Saisonabschluss am vergangenen Dienstag bei Landesligist Union Nettetal die Gerüchteküche zusätzlich.

Meyers Entschluss war allerdings über längere Zeit gereift. Offenbar waren nach seinem noch bejubelten Amtsantritt als Nachfolger des entlassenen Cheftrainers Jos Luhukay im Oktober 2008 allerorten Widerstände, gegen die der Sudetendeutsche bei seinem ersten Engagement am Niederrhein (1999 bis 2003) noch nicht anzukämpfen hatte, zu groß geworden. „In meinen 38 Jahren als Trainer hat man es mir noch nie so schwer gemacht wie im letzten halb Jahr“, sagte Meyer erst noch zuletzt.

Dabei dachte der kauzige Coach sicherlich auch an die anonyme Spieler-Kritik an seiner Arbeit während der Winterpause bei Präsident Rolf Königs. Die spürbare Unzufriedenheit mit seiner äußerst defensiven Taktik tat ein Übriges, auch wenn sich Meyer letztlich durch den Erfolg bestätigt fühlen konnte. Nicht von ungefähr offenbarte Meyer nach dem Dortmund-Match denn wohl auch, bereits während der Saison an Rücktritt gedacht zu haben, „weil mir der Glaube an die Mannschaft fehlte“.

Ungeachtet aller auf Trennung stehenden Vorzeichen erwischte Meyers Rücktritt den Verein offensichtlich auf dem falschen Fuß. Bis zuletzt auch schienen die Borussen tatsächlich von einer weiteren Zusammenarbeit mit Meyer auszugehen. „Es gibt keinen Anlass, den Trainer-Markt zu sondieren. Er ist in die Planung für die neue Saison voll eingebunden“, sagte Vizepräsident und Weltmeister Rainer Bonhof noch am Mittwoch: „Es gibt ein Papier, auf dem steht, dass er bis 2010 Trainer ist.“

Das Dokument ist nunmehr wertlos, sodass Bonhof und Sportdirektor Max Eberl die nächste Zeit vorrangig mit der Suche nach einem neuen Coach verbringen müssen. Schon vor Meyers Abgang galten seine zurzeit arbeitslosen Kollegen Friedhelm Funkel (zuletzt Eintracht Frankfurt) und Michael Frontzeck (bis zum vorletzten Spieltag bei Arminia Bielefeld), der in Gladbach einst zum Nationalspieler aufgestiegen war, als ernsthafte Kandidaten.

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