Löws Luxusproblem: Wohin mit Kroos und Müller?

Das Mittelfeld mit Kimmich, Goretzka, Gündogan brilliert beim Sieg der Deutschen gegen Island. Bundestrainer Löw hat da ein echtes Luxusproblem. Auch der Sturm überragt. Was passiert mit Müller?
| Patrick Strasser
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
1 Kommentar Artikel empfehlen
"Wir wollten zeigen, dass man sieht, dass elf Jungs auf dem Platz stehen, die richtig Bock haben", sagte Goretzka nach dem Spiel gegen Island.
"Wir wollten zeigen, dass man sieht, dass elf Jungs auf dem Platz stehen, die richtig Bock haben", sagte Goretzka nach dem Spiel gegen Island. © IMAGO / Avanti

Testen, testen, testen. Früher ging es bei diesem Begriff um Freundschaftsspiele, heute darum, die Partien überhaupt erst möglich zu machen. Am Freitag führte man im Lager der deutschen Nationalmannschaft erneut sowohl Corona-Schnelltests als auch PCR-Testungen durch. Am Samstag um 10 Uhr fliegt der DFB-Tross von Düsseldorf nach Bukarest für das Duell am Sonntag (20.45 Uhr, RTL) mit Rumänien, dem wohl stärksten Gegner auf dem Weg zum Gruppensieg, der das direkte WM-Ticket bedeuten würde.

Nach Ausfall von Hofmann und Halstenberg: Löw verzichtet auf Nachnominierungen

Denn trotz des strengen Hygienekonzepts des DFB wurde Jonas Hofmann bei den PCR-Tests am Mittwoch positiv gemeldet. Neben dem Gladbacher stuften die lokalen Gesundheitsbehörden Marcel Halstenberg (RB Leipzig) wegen einer gemeinsamen Partie Backgammon als Kontaktperson eins ein. Beide sind mittlerweile in ihrem Zuhause in Quarantäne. Auf Nachnominierungen verzichtet Bundestrainer Joachim Löw. Angesichts der Hygiene- und Testbestimmungen sei es "auch gar nicht so einfach, jetzt noch jemanden dazu zu nehmen", erklärte der 61-Jährige.

Muss er auch nicht. Denn nach dem überzeugenden 3:0 gegen Island, Nummer 46 der Weltrangliste, sprach Kapitän Manuel Neuer von einem "tollen Signal, auf dem wir aufbauen können" und verriet: "Wir haben uns alle darauf gefreut, das erste Spiel in 2021 spielen zu dürfen." Löw war mit Spiel eins seiner persönlichen Abschiedstournee "größtenteils zufrieden". Denn: "Wir haben sehr schwungvoll und dynamisch begonnen. Die Mannschaft ist mit der richtigen Einstellung ins Spiel gegangen."

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Haben gegen Island überzeugt: Goretzka, Kimmich und Gündogan

So ebneten die Fixstarter mit den schnellen Treffern von Leon Goretzka und Kai Havertz früh den Erfolg - das gab Sicherheit. "Wir haben die Leidenschaft auf den Platz gebracht, für unser Land spielen zu dürfen", meinte Goretzka, "wir wollten zeigen, dass man sieht, dass elf Jungs auf dem Platz stehen, die richtig Bock haben." Und enorme Qualität. Das Dreier-Mittelfeld um Joshua Kimmich, dem Dreh- und Angelpunkt des Aufbauspiels, sowie Goretzka und Ilkay Gündogan überzeugte. Dadurch hatte das DFB-Team 76 Prozent Ballbesitz, spielte 1.053 Pässe (Island 218).

Vorne wirbelten die drei Angreifer Leroy Sané, Serge Gnabry (beide Bayern) und Havertz. Sein Chelsea-Teamkollege Timo Werner kam erst kurz vor Schluss rein. Der pure Luxus. Im Mittelfeld und Angriff hat Löw mit Blick auf sein letztes Turnier vor dem Rücktritt die berühmte Qual der Wahl. Da ist Gündogan von Manchester City, im Januar und Februar zwei Mal hintereinander zum besten Spieler der Premier League gewählt. Dazu kommen die Bayern-Kumpel Kimmich und Goretzka, die in München nicht nur auf dem Platz prächtig harmonieren.

Muss sich keine Sorgen um seinen Platz in der Nationalmannschaft machen: Toni Kroos

Und was ist mit dem wegen Adduktoren-Problemen absenten Spielmacher Toni Kroos von Real Madrid? "Warum sollte er um seinen Platz fürchten?", beantwortete Löw etwas entgeistert eine so gestellte Reporterfrage. "Er ist ein Weltklasse-Spieler, der unsere Mannschaft prägt." Kroos bleibt eine Säule in Löws System - doch im Mittelfeld, gesegnet mit Klasse in Hülle und Fülle, nicht (mehr) konkurrenzlos. In der Hinterhand hat Löw den von ihm sehr geschätzten Gladbacher Florian Neuhaus sowie DFB-Rückkehrer Amin Younes von Eintracht Frankfurt. Zudem die Teenager-Talente Florian Wirtz (17/Bayer Leverkusen) und Bayern-Hoffnung Jamal Musiala (18), der sein DFB-Debüt feiern durfte (siehe Seite 18).

Bleibt die - Löw und die Fans - quälende Frage, ob er Zehner-Freigeist Thomas Müller (31) mit Beginn der Vorbereitung Ende Mai begnadigen und nach der Ausbootung im Frühjahr 2019 zum Comeback bitten soll. Doch wem nähme der "Oldie, but Goldie" den Platz in der Offensive weg? Es wird Löws schönstes (Personal-)Puzzle zum nahenden Abschied. Gündogan meinte: "Wir haben eine gewisse Verantwortung, weil wir die Qualität haben." Man darf gespannt sein. Ein guter Anfang von Löws Ende ist gemacht. Und Vorfreude (auf die EM) ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 1  Kommentar – mitdiskutieren Artikel empfehlen
1 Kommentar
Artikel kommentieren