Löw: Lahm im Mittelfeld? "Find' ich gut!"

Im AZ-Interview erklärt Bundestrainer Joachim Löw, dass Guardiolas Experimente auch der Nationalelf helfen, wann er seinen neuen Vertrag beim DFB unterschreibt und dass er nach Turnieren „jedes Mal in ein Loch fällt”
von  Florian Bogner

AZ: Herr Löw, Sie haben einen Ausfall zu beklagen: Physiotherapeut Klaus Eder hat sich beim 3:0 gegen Österreich verletzt.

JOACHIM LÖW: Das wiegt tatsächlich sehr schwer, der Klaus wird uns auf den Färöern fehlen. Wir können leider auch nicht nachnominieren – er ist einmalig.

Wie haben Sie die Szene gesehen?

Gar nicht so genau! Ich war ins Gespräch mit Hansi Flick vertieft. In der Sekunde ist Klaus Eder wohl hingefallen, hat sich neben dem Oberschenkelmuskel auch einen Finger verletzt. Gute Besserung!

Zu Ihnen: Angeblich ist Ihre Vertragsverlängerung perfekt?

Wir haben immer klar gesagt, dass wir zunächst die WM-Quali abwarten. Dass wir ein prima Verhältnis zur DFB-Spitze um Präsident Niersbach haben, ist ja kein Geheimnis. Aber ich kann mich nur wiederholen: Wir werden alles erst besprechen, wenn die Qualifikation geschafft ist. Dann wird auch die Sportdirektor-Frage geklärt (für die Co-Trainer Hansi Flick Top-Kandidat ist, d. Red.).

Sie haben als Bundestrainer auch schon Talsohlen durchschritten.

Klar. Nach Turnieren – selbst 2006, als ich noch Co-Trainer war – falle ich jedes Mal in ein emotionales Loch. Man fokussiert sich ein halbes Jahr völlig auf ein Turnier, ist ständig angespannt, ständig konzentriert. Und dennoch gehen nach einer WM immer 31 Mannschaften enttäuscht nach Hause. Das zu verarbeiten, braucht ein, zwei Monate Zeit. Da bin ich sehr froh, wenn ich mal nichts mit Fußball zu tun habe.

Jetzt aber werden erstmal die Weichen für die WM gestellt. War die Nichtberücksichtigung von Mats Hummels gegen Österreich ein Denkzettel an ihn?

Nein. Ich entscheide einfach nach Leistung. Ich halte sehr viel von Mats: Er ist ein sehr guter Innenverteidiger, aber auch er kann sich natürlich in einigen Punkten noch verbessern – taktisch, in Sachen Abstimmung. Und er hat aktuell noch nicht die ganz große Sicherheit wie im letzten Jahr. Mats hat Führungsqualitäten, ganz klar, aber bei uns ist die Hierarchie eine andere als in Dortmund.

Dazu bot sich Jérôme Boateng mit starken Leistungen an.

Jérôme ist jetzt schon seit einem halben Jahr sehr gut drauf. Er hat sich seine Chance redlich verdient, hat nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Das heißt jetzt nicht, dass er vielleicht irgendwann nicht nochmal auf der Außenverteidigerposition spielt.

Und Per Mertesacker, der bei der EM 2012 nur zweite Wahl war, ist hinten der Chef?

Per ist mit seiner ganzen Erfahrung sicher derjenige, der auf dem Platz am meisten spricht. Er nimmt Einfluss auf die anderen. Abseits des Platzes mag er ein ruhiger Kerl sein, aber auf dem Spielfeld ist er sehr extrovertiert.

Nach den Tests zuletzt wurde die Defensive arg kritisiert.

Wissen Sie: Ich bin nicht todunglücklich, wenn wir bei Testspielen auch mal Fehler machen, die zu Toren führen. Viele dieser Testspiele finden nicht immer zu einem ganz glücklichen Zeitpunkt statt. Deswegen bin ich froh, dass es ab kommender Saison nur noch Doppel-Spieltage gibt.

Wieso?

Zwei Tage Vorbereitung vor Länderspielen sind nach einer langen Pause zu wenig. Wenn man mehr Zeit hat, kann man die Mannschaft anders anpacken, ganz andere Gespräche führen. Nicht nur: Hallo, wie geht's, Showtraining, eine Einheit, dann gleich spielen.

Es geht Ihnen also zu schnell.

Mit Doppel-Spieltagen, wo ich die Mannschaft von Montag auf Freitag vorbereiten kann, ist es jedenfalls besser.

Karl-Heinz Rummenigge schlägt vor, dass die Vereine drei Monate spielen und dann die Nationalmannschaft einen Monat zusammen ist. Was halten Sie davon?

Darüber kann man mal nachdenken. Wieso nicht?

Finden Sie es gut, wenn Pep Guardiola Nationalspieler bei Bayern mal auf anderen Positionen spielen lässt, zum Beispiel Philipp Lahm im Mittelfeld?

Das finde ich gut! Es ist absolut legitim, dass er als neuer Trainer etwas ausprobiert. Philipp Lahm im Mittelfeld ist eine gute Lösung. Er hat das bei uns schon mal gespielt – überragend gut.

Eine Alternative?

Warum nicht? Wer im Zentrum mit guten Fußballern Überzahlsituationen schaffen kann, hält meistens den Schlüssel zum Sieg in der Hand. Wäre gegen Österreich etwas auf der Position passiert, wäre Lahm die Alternative gewesen. Gegen eine dauerhafte Lösung spricht nur, dass es schwierig wird, einen besseren Außenverteidiger zu finden...

Wie ist die Zielsetzung fürs Spiel auf den Färöern? Nach dem letzten Duell 2003 sagte Rudi Völler: Es gibt keine Kleinen mehr.

Wir haben gegen die sogenannten kleinen Gegner zuletzt immer ganz gute Ergebnisse erzielt, mit mindestens zwei, drei Toren Unterschied gewonnen. Auf den Färöern sind das nochmal andere Bedingungen: Kunstrasen, es ist windig. Aber das hat uns nicht zu interessieren. Wichtig sind drei Punkte.