Leicesters Fußballmärchen: Underdog vor Titelgewinn

Letzte Saison fast abgestiegen, am Sonntag vielleicht englischer Meister: Leicester könnte für die Überraschung der Saison sorgen. In Europa gab es aber schon einige Sensationsmeister.
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Schafft der absolute Außenseiter Leicester City die Sensation und wird englischer Meister?
dpa Schafft der absolute Außenseiter Leicester City die Sensation und wird englischer Meister?

Köln - Am Sonntag könnte eines der größten Märchen in der Geschichte des Fußballs wahr werden. Sensationsteam Leicester City könnte mit einem Sieg gegen Manchester United die vielleicht unwahrscheinlichste aller Meisterschaften im modernen Vereinsfußball feiern. 5000:1 - so hoch war die Quote der Buchmacher vor der Premier-League-Saison, wenn man sein Geld auf Leicester City als Meister setzte. Zum Vergleich: Dass Weihnachten der heißeste Tag des Jahres wird, hat die gleiche Quote. Griechenlands EM-Triumph 2004 (150:1) galt bei den Buchmachern als 33 mal wahrscheinlicher.

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Niemand in der reichsten Liga der Welt hätte sich träumen lassen, dass das Team aus der 300.000-Einwohner-Stadt im Herzen Englands die finanzstarken Klubs FC Chelsea, Manchester City oder FC Arsenal derart düpieren könnte. Mit 60 Millionen Pfund (rund 76 Millionen Euro) beläuft sich der Etat der Foxes auf etwa ein Drittel des Haushalts von Vorjahresmeister Chelsea.

Auch Fußball-Weltmeister Mesut Özil zeigt sich überrascht. "Niemand hätte das geglaubt. Aber man kann vor Leicester nur den Hut ziehen. Sie stehen zurecht da oben", sagte er dem SID. Leicester war erst vor zwei Jahren aufgestiegen und hatte im Vorjahr nur knapp den Wiederabstieg vermieden. Jetzt haben sie drei Spieltage vor Saisonende sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger Tottenham Hotspur. Nicht einmal Trainer Claudio Ranieri kann glauben, was sich gerade in der Premier League abspielt. "Was ich fühle, ist schwer in Worte zu fassen", sagte er: "Die Fans träumen - und wir wollen träumen."

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Doch schon vor Leicester City gab es in Europa einige Überraschungsteams, deren Märchen am Ende der Saison wahr wurde:

Nottingham Forrest, 1977/78

Als Brian Clough 1975 das Traineramt übernahm, konnte niemand ahnen, dass Nottingham Forrest in den folgenden drei Jahren den englischen und europäischen Fußball erobern würde. Direkt nach dem Aufstieg aus der zweiten englischen Liga gelang Nottingham der Gewinn der englischen Meisterschaft 1978.

Zwischen November 1977 und Dezember 1978 blieb das Team saisonübergreifend in 42 Ligaspielen ungeschlagen - ein Rekord, der erst 2004 vom FC Arsenal gebrochen werden konnte. In den beiden folgenden Jahren gewann Nottingham sogar den Europapokal der Landesmeister.

Hellas Verona 1984/85

Erst drei Jahre zuvor stieg das Team in die Serie A auf und gewann 1985 mit Hans-Peter Briegel - der "Walz von der Pfalz" - die erste und bisher einzige Scudetto des Vereins. Briegel wurde daraufhin in Deutschland als erster "Fußballer des Jahres" außerhalb der Bundesliga geehrt.

1. FC Kaiserslautern, 1997/98

Das Team um Weltmeister Andreas Brehme war 1996 am letzten Spieltag der Saison durch ein Gegentor in der 82. Minute abgestiegen, schaffte aber unter dem neuen Trainer Otto Rehagel den sofortigen Wiederaufstieg. Im Titel-Zweikampf mit Meister Bayern München setzten sich die Roten Teufel durch und gewannen als erster und bis heute einziger Aufsteiger in der Geschichte des deutschen Fußballs die Meisterschale.

Deportivo La Coruña, 1999/2000

Der Wechsel des des späteren Bayern-Stürmers Roy Makaay von CD Teneriffa zu Deportivo La Coruña leitete die Sensationssaison des galicischen Vereins ein. Fünf Punkte vor Vorjahresmeister FC Barcelona holte sich Deportivo das erste und einzige Mal den spanischen Liga-Titel.

VfL Wolfsburg, 2008/09

Unter Trainer Felix Magath wurde der VfL Wolfsburg der erste Verein seit 39 Jahren, der sich neu in die Liste der deutschen Fußballmeister eintragen durfte. Das Sturmduo um Grafite und Edin Dzeko erzielte dabei sensationelle 54 Tore. In Erinnerung blieb vor allem das fulminante 5:1 gegen die damals von Jürgen Klinsmann trainierten Bayern.

Bursaspor, 2009/10

Seit 1984 spielen die drei großen Vereine Fenerbahce, Galatasaray und Besiktas aus Istanbul normalerweise die Meisterschaft unter sich aus. Nur Bursaspor sorgte in den letzten 32 Jahren ein Mal für Abwechslung. Es half aber auch ein kleines Quäntchen Glück: Weil der Stadionsprecher von Fenerbahce in den letzten Minuten fälschlicherweise verkündete, dass Bursaspor nur Unentschieden gespielt hatte, verwaltete Fenerbahce das eigene Unentschieden nur noch - ein Tor hätte gereicht und Fener wäre an Bursaspor vorbeigezogen.

FC Midtylland, 2014/15

Die größte Überraschung der jüngsten Vergangenheit. Der FC Midtylland wurde erst 1999 durch den Zusammenschluss zweier Vereine gegründet und sorgte vor allem durch den Einbezug mathematischer Modelle in die Transferpolitik für Aufsehen. Im vergangenen Jahr ging die Rechnung erstmals auf: Midtylland sicherte sich den ersten dänischen Titel der Vereinsgeschichte.

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