Klopp trotz stockendem DFB-Start zufrieden – jetzt wird Kimmich zum Prüfstein
Ist das nun die neue Wahrheit rund um die deutsche Nationalmannschaft, die keiner wahrhaben will? Vier Spiele in der Nations League unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, lediglich ein Sieg. Aber auch: Kein Tor, kein Erfolg in zwei Vergleichen mit Griechenland. Erst 0:1, jetzt 0:0. Zuvor hatte die Bilanz gegen die Hellenen gelautet: Zehn Duelle, sieben DFB-Siege, keine Niederlage.
Beim 0:0 auswärts immerhin nicht verloren, nicht viel falsch gemacht. Das ist der neue Realismus nach dem neuerlichen WM-Debakel im Sommer. Julian Nagelsmann musste nach dem Aus im Sechzehntelfinale auch deshalb seinen Posten als Bundestrainer räumen, weil er sich uneinsichtig zeigte. Weil alles verkrampft und festgefahren wirkte. Mit Jürgen Klopp wurde der Mann – aus Sicht vieler endlich, endlich – installiert, der den DFB wieder zum Leuchten bringen sollte. Zum Strahlen. Zu altem Glanz.
Wo steht die DFB-Elf nach zwei Wochen Klopp?
Dass Heilsbringer nicht im Handumdrehen mit Handauflegen Erfolg bewirken können, dürfte klar gewesen sein. Das gab Klopp selbst zu Protokoll. Die nun zweiwöchige Ära mit vier Partien und zwei Kadern (43 Spieler) geht als Assessment-Center in die DFB-Geschichte ein. Ein Intensiv-Seminar im Fach Klopp-Fußball. Und wo steht man jetzt?
Dort, wo es Klopp einordnet. Der Mann hat Kredit, wie ihn kein Bundestrainer hatte. Er hat einen Sympathie-Bonus, sein Vertrauensvorschuss ist enorm. Daher wird dem 59-Jährigen auch ein Remis in Griechenland nicht krummgenommen. "Ich bin sehr zufrieden, weil ich weiß, wo wir herkommen. Die Jungs haben ein unglaubliches Fußballspiel gemacht, eine herausragende erste Halbzeit gespielt. Außer dass wir aus den Chancen kein Tor gemacht haben", bilanzierte Klopp nach Mitternacht im Toumba-Stadion von Thessaloniki. Intensität im Spiel gegen den Ball, hohes Gegenpressing, das organisierte Chaos – über weite Strecken war der Klopp-Fußball zu erkennen. Immerhin, aber ausbaufähig.
Klopp zeigt sich nach ersten Länderspielen "superhappy"
Sein Fazit nach den vier Spielen (ein Sieg gegen Serbien, je ein Remis in den Niederlanden und in Griechenland, eine Niederlage gegen die Griechen) lautete: "Wir haben gezeigt, dass wir verschiedene Dinge vielleicht besser können, als man momentan glaubt und als man uns das zugetraut hat." Und: "Ich hätte nicht gedacht, dass mit dieser Gruppe so ein Fußball möglich ist."

Mit diesem Kniff hat er das Narrativ auf seine Seite gezogen. Seht her, gar nicht so schlecht! Und überhaupt: Was habe ich – äh, was haben wir – alles geschafft! Der Weg ist Klopps Ziel. Er sagte: "Wir wollen ja was verändern und anschieben und das habe ich gesehen." Man habe, so der Bundestrainer, "einen ersten Schritt gemacht, damit bin ich superhappy. Wir haben den Weg schon gefunden, jetzt müssen wir ihn nur noch einschlagen."
(Zweck-) Optimismus ist das eine, Euphorie das andere. Ein feiner Unterschied, den Klopp so beschrieb: "Euphorie ist halt nicht langanhaltend. Ein bisschen wie die Wunderkerze – die sieht wunderschön aus, aber irgendwann ist sie halt auch wieder aus." Ihm gehe es darum, "berechtigten Optimismus an den Tag zu legen".
Klopps eigentliche Arbeit geht nun erst richtig los
Den lebt er vor. Weil er vorangeht. Umbau und Umschwung laufen eben nicht reibungslos – und auch nicht parallel. Daher machte Klopp den Vergleich mit einem Ballett auf: "Wenn man ein Ballett zusammenstellt und das nach vier Tagen auftreten soll, rennen die sich über den Haufen. Das haben wir nicht getan, um das mal klarzustellen." Leichtfüßig war's jedoch auch nicht.
Klopps eigentliche Arbeit geht jedoch jetzt erst richtig los. Und das schon in den Wochen, bevor sich das DFB-Team Mitte November wieder trifft. Vor dem Auswärtsspiel in Serbien und dem Heimspiel in Berlin gegen die Niederlande. Nun muss er entscheiden, welche Spieler des 43er-Kaders dieser Abstellungsperiode durchs Klopp-Sieb gefallen sind – und wer wiederkommen darf. Zudem muss er die knifflige Personalie Joshua Kimmich moderieren.
Obwohl der Kapitän der ersten beiden Spiele mehrmals nachgefragt hatte, ob er nicht doch bleiben dürfe, blieb der Bundestrainer standhaft – bei seinem Nein. Künftig wird auf Kimmich mit Argusaugen geschaut. Nicht zuletzt von Klopp selbst.


