„Ich würde die Zeit gerne zurückdrehen“

Peter Grosser, Meister-Löwe und Vizepräsident der SpVgg Unterhaching, wird 70. Groß feiern mag er nach dem Tod seines zweiten Sohnes nicht mehr.
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Will nur im engsten Kreis seinen 70. Geburtstag feiern: Meisterlöwe Peter Grosser.
az Will nur im engsten Kreis seinen 70. Geburtstag feiern: Meisterlöwe Peter Grosser.

MÜNCHEN - Peter Grosser, Meister-Löwe und Vizepräsident der SpVgg Unterhaching, wird 70. Groß feiern mag er nach dem Tod seines zweiten Sohnes nicht mehr.

Eigentlich sollte sein 70. Geburtstag am Sonntag ein besonderer Tag in seinem Leben werden – doch Peter Grosser, die Münchner Fußball-Legende, mag nicht groß feiern. Den schrecklichen Tod seines zweiten Sohnes Thomas (42) im März diesen Jahres beim Hallentraining in Unterhaching, hat der Meister-Löwe von 1966 immer noch nicht überwunden. „Das hat mich sehr getroffen. Ich habe mich von allen Aktivitäten zurückgezogen“, sagt Grosser der AZ. „Ich bin ein Mensch, der eigentlich sehr viel aushält. Aber dass ich auch noch meinen zweiten Sohn (Peter junior starb mit 18 bei einem Autounfall, d. Red.) verloren habe, das war mir dann doch zu viel. Das wird auch so schnell nicht mehr weggehen.“

Nichts ist mehr wie früher.

Und deswegen wird der ehemalige AZ-Kolumnist sich an seinem 70. Geburtstag auch zurückziehen – und sich nur von seinem engsten Familienkreis gratulieren lassen. „Ich werde im kleinen Kreis mit meiner Schwiegertochter und den Enkelkindern feiern – ganz ruhig und entspannt.“

Die Unterstützung seiner einstigen Weggefährten ist Grosser sowieso sicher – auch wenn sie nicht mit ihm feiern: „Wenn Peter Hilfe braucht, sind wir da“, sagt etwa Torwart-Ikone Petar Radenkovic: „Es ist schon tragisch, was Peter alles mitmachen muss. Das wünscht man nicht mal seinem ärgsten Feind.“

Für Radi bleibt Grosser übrigens einer „der besten Fußballer, die 1860 je gehabt hat“. Trotz Thomas Häßler, Davor Suker oder Peter Nowak.

Die Liste seiner Erfolge ist lang: Pokalsieg 1964, Europacup-Endspiel 1965 gegen West Ham United – und als Krönung die deutsche Meisterschaft 1966. Grosser war der Kapitän, der Chef, der Dirigent. „Am liebsten würde ich die Zeit noch einmal zurückdrehen“, hat Grosser mal gesagt. Kurz nach der Meisterschaft kam es aber zum Bruch mit Trainer Max Merkel: Der Österreicher musste gehen, Grosser blieb. Aber nicht lange. Er flüchtete nach einem Disput mit Trainer Albert Sing 1969 nach Salzburg. Zur Austria. Dort wurde Grosser schnell Publikumsliebling – mit 37 beendete er schließlich seine Karriere.

Zu einem Comeback bei 1860 kam es aber nie – obwohl Grosser mehrmals Trainerkandidat zu Bayernliga-Zeiten war. „Ich wollte dreimal Trainer werden“, berichtet Grosser heute, „aber zweimal scheiterte es am früheren Präsidenten Karl Heckl. Er wollte mich während der Saison immer nur als Feuerwehrmann – das wollte aber ich nicht.“

So nistete sich Grosser beim Lokalrivalen SpVgg Unterhaching ein, erst als Trainer und später dann als Vize-Präsident. Im Dezember stehen nun Neuwahlen beim Drittligisten an. Ob sich Grosser, der zwei Länderspiele für Deutschland absolvierte, angesichts seiner jüngsten Schicksalsschläge nochmal für ein Amt aufstellen lässt? „Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt er.

Aktiv Fußball spielt Grosser nicht mehr, dafür reist er gerne auf die Ferien-Insel Ibiza oder radelt durch München. „Am liebsten durch den Englischen Garten“, sagt er: „Das ist einer der schönsten Flecken. Wenn man sich eine gute Route zusammenstellt, ist man in flottem Tempo anderthalb Stunden unterwegs und meist alleine.“

Was Grosser derzeit nur recht ist. Oliver Griss

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