Hochsommermärchen

Sechs Wochen nach WM-Ende zeigt die Liga, wie erfrischend anders sie daherkommt. Kaltschnäuzige Aufsteiger, ein vergessener Altstar und sogar ein 1860-Talent bestimmen den Auftakt.
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Rein das Ding! HSV-Star Ruud van Nistelrooy bei einem seiner zwei Tore gegen Schalke.
Bongarts/Getty Images Rein das Ding! HSV-Star Ruud van Nistelrooy bei einem seiner zwei Tore gegen Schalke.

Sechs Wochen nach WM-Ende zeigt die Liga, wie erfrischend anders sie daherkommt. Kaltschnäuzige Aufsteiger, ein vergessener Altstar und sogar ein 1860-Talent bestimmen den Auftakt.

MÜNCHEN Das erste Tor der Saison erzielte Thomas Müller. Na, klar. Den ersten Nachspielzeit-Treffer machte Bastian Schweinsteiger, die Bayern siegten doch noch 2:1 gegen Wolfsburg. Neue Saison, neues Glück – und irgendwie ist alles wie immer. Altes Dusel und frisches Können.

Die WM-Helden von Südafrika machen einfach weiter – als hätten sie nie Urlaub gehabt, geschweige denn gebraucht. Die Liga-Ferien aber sind nach 104 Tagen Pause endlich vorbei. Und was war das für ein Start! Ein Polizei-Oberkommissar im Nebenjob schießt das schönste Tor, ein Kölner sorgt für den schnellsten Platzverweis der Liga-Historie, selbst ein Ex-Löwe trifft. Das Schönste: Es ist Sommer. Die WM in Südafrika gab’s entweder nur vorm Fernseher oder bibbernd vor Ort. So ist die Liga ein Hochsommer-Märchen. Die heißesten Typen und coolsten Klubs des ersten Liga-Samstags:

RUDERJUBEL VOM KIEZ – SO FEIERT ST. PAULI

Bier gibt’s nur am Saisonende, eine Wasserdusche aber musste Trainer Holger Stanislawski nach dem 3:1 des FC St. Pauli beim SC Freiburg schon mal über sich ergehen lassen. Gut so. Denn nach acht Jahren Bundesliga-Abstinenz machte der Coach einiges durch an der Linie – von 0:1 auf 3:1. „Als ich die Bilder später sah, habe ich mich gar nicht wiedererkannt“, meinte Stanislawski, „ich war so nass, als hätte ich selbst mitgespielt. Das waren Emotionen.“ Der Titel des schönsten Tores geht an Fabian Boll, einem Kommissar, der 20 Stunden die Woche auf dem Kiez Dienst hat. Der Titel des schönsten Torjubels ebenfalls an St. Pauli: Gefeiert wurde, in dem sie auf dem Hosenboden sitzend einen auf Ruderer machten.

VAN NISTELROOY SIEGT IM SENIOREN-DUELL

Die Partie Hamburg gegen Schalke war das Duell der beiden ehemaligen Stars von Real Madrid. Der Holländer (34) gegen Raul (33), seit dieser Saison ein königlicher Königsblauer. Beide erlebten die WM nur vorm Fernseher, galten als zu alt, wurden ausgemustert. Doch van Nistelrooy zeigte mit seinen beiden Treffern, was er drauf hat. Wie er die Tore mit seiner Wucht und Brillanz erzwungen hat – unwiderstehlich. Nur Raul braucht wohl noch Liga-Anlaufzeit.

LAUTERNS GUTES OMEN: EIN START WIE UNTER OTTO

Ein Rückstand in Köln? Ein Torwartpatzer der schlimmsten Sorte von Tobias Sippel? Schwamm drüber. Lautern, nächsten Freitag Gastgeber der Bayern, drehte das Spiel, gewann mit Ex-Löwen-Trainer Marco Kurz ebenfalls 3:1. „Wir dürfen jetzt nicht fliegen, das kann tödlich sein“, meinte Doppel-Torschütze Srdjan Lakic. Die Kölner um WM-Held Lukas Podolski waren bedient – immerhin durften sie nach der Roten Karte für Kapitän Mohamad (2.) das Experiment starten, wie gestalte ich 88 Minuten in Unterzahl. Es misslang. Schon einmal übrigens gewannen die Lauterer als Aufsteiger das Premieren-Spiel auswärts. 1997/98 gelang ein 1:0 im Olympiastadion gegen Bayern, am Ende wurden die Lauterer unter Trainer Otto Rehhagel Deutscher Meister.

EX-LÖWE MLAPA: ERSTES TOR IM ERSTEN SPIEL

Die Hoffenheimer haben die Bremer, letztes Jahr Dritter, auseinander genommen mit ihrem Kombinationsspiel. Demba Ba, Salihovic, Luiz Gustavo und Ibisevic zeigten beim 4:1 den schönsten Fußballs. Einer mischte fröhlich mit, als wäre er schon immer dabei gewesen: Peniel Mlapa, für 1,6 Millionen Euro vom TSV 1860 verpflichtet, erzielte das 2:1. „Ich kann das noch gar nicht glauben, dass ich jetzt mein erstes Bundesliga-Tor erzielt habe. Das ist unbeschreiblich“, sagte der 19-Jährige, der im Herbst zu besten Nachwuchsspieler Deutschlands ausgezeichnet werden soll.

Die Bundesliga – schon nach dem ersten Spieltag ein Genuss. Ganz ohne Vuvuzelas.

Patrick Strasser

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