Friedenspfeife vor dem Nord-Derby

Vor einem halben Jahr sorgte Bremens Torwart Tim Wiese mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen HSV-Stürmer Olic für einen Eklat. Vor dem Nordderby am Sonntag haben sich die beiden wieder versöhnt.
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Am 7. Mai: Tim Wieses brutaler Tritt gegen HSV-Stürmer Ivica Olic.
firo/Augenklick Am 7. Mai: Tim Wieses brutaler Tritt gegen HSV-Stürmer Ivica Olic.

Vor einem halben Jahr sorgte Bremens Torwart Tim Wiese mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen HSV-Stürmer Olic für einen Eklat. Vor dem Nordderby am Sonntag haben sich die beiden wieder versöhnt.

HAMBURG Das musste ja so kommen. Kein Interview, kein Vorbericht, keine Vorschau von dem 167. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen am Sonntag, wo nicht die Vorfälle vom 7. Mai dieses Jahres zur Sprache kommen. Wie war das noch mal, als Tim Wiese im Stile eines Kung-Fu-Kämpfers Ivica Olic niederstreckte?

HSV-Fans zeigten den Werder-Torwart sogar wegen versuchten Totschlags an, nun versöhnten sich die Protagonisten, ließen sich mit einer (Friedens-)Pfeife medienträchtig ablichten. „Ich kann verstehen, dass die Leute mich ausbuhen werden", sagt Wiese, um Deeskalation bemüht.

Da trifft es sich gut, dass die auflodernden Debatten von seinem Gegenüber, Frank Rost, mit keinem Beitrag befeuert werden. „Klar, steckt in dem Spiel eine besondere Brisanz: Ich hoffe nur, dass man miteinander fair umgeht und sich danach wieder die Hand reicht." Zum Neu-Nationaltorwart Wiese äußert der vierfache Nationalspieler Rost nur: „Tim ist anders als ich. Mehr will ich dazu gar nicht sagen."

Da hat einer dazu gelernt. Häufiger als früher nimmt sich der Keeper zurück. „Vielleicht ist es so, dass mich mit 35 nicht mehr so viel aus der Ruhe bringt wie mit 25." Klar, er ärgere sich auf dem Platz noch genauso wie früher, „aber danach man sehe ich die Dinge doch gelassener".

Was viel damit zu tun, dass der Familienvater, der mit Frau Susann und Tochter Elisa Annabel ein Haus in Hamburg bezogen hat, eine andere Leidenschaft neben dem Fußball entdeckt hat: das Lesen. Was ungewöhnlich ist, wie Rost zugibt. „Wahrscheinlich sind wir Fußballer die Letzten, die man im aktiven Einsatz für das Buch und das Lesen erwarten. Aber gerade weil wir eine Vorbildfunktion haben, können wir ja dazu animieren."

Rost (35) setzt sich für Alphabetisierungsprojekte ein. Jüngst hat Rost das Charity-Hörbuch „Die Liga liest" zugunsten von Leseförderungsprojekten initiiert: Auf der CD tragen Marco Bode, Otto Rehhagel und Joris Mathijsen, Cacau, Klaus Fischer oder Jerome Boateng, Gerald Asamoah, Clemens Fritz und Rost selbst Texte mit Bezug zum Fußball vor. Man wolle damit die „jungen Leute ans Lesen heranführen, ich weiß, dass Lesen Türen öffnet", so der HSV-Torhüter.

Auf der CD wird Günter Grass von Bode vorgelesen – Episoden um das erste Meisterschaftsendspiel 1903. Heinrich Böll von Rehhagel – eine Geschichte über Köln-Müngersdorf in der Nachkriegszeit. Die Bremer Bande hat Rost, der von 1992 bis 2002 bei Werder spielte, bewusst geknüpft: „Das ist ein Teil meines Lebens. Ist doch klar, dass ich zu einigen Bremer Protagonisten noch Kontakt habe, wenn auch nicht täglich." Speziell Bode und Rehhagel seien besondere Menschen.

Was hat Rost vorgelesen? Den uruguayischen Schriftsteller Eduardo Galeano. „Was er sagt, stimmt: Wenn ich sehe, wie du Fußball spielst, kann ich dir sagen, wer du bist. Man kann auf dem Fußballplatz erkennen, wo einer herkommt, wie er aufgewachsen ist." Rosts Wiege steht in Leipzig, sein erstes Tor waren Wäschestangen zwischen den Häuserblocks.

Frank Hellmann

Frank Rost (Hrsg.): Die Liga liest. Lübbe Audio. 61 Minuten, 14 Tracks, 9,95 EUR

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