Fluch oder Segen? Die deutsche Nationalelf beim Confed Cup

Die Nationalmannschaft reist zum Confed Cup nach Russland. Wird’s wieder eine Schmach wie unter Ribbeck? Oder ein Mutmacher wie vor der Heim-WM? Der Überblick von 1999 bis heute.
| Patrick Strasser
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Anführer der 1999er-Mannschaft: Lothar Matthäus (links). Mit vier Treffern bester deutscher Torschütze 2005: Michael Ballack (Mitte). Anführer beim Confed Cup 2017: Julian Draxler (rechts).
firo, GES/Augenklick, dpa Anführer der 1999er-Mannschaft: Lothar Matthäus (links). Mit vier Treffern bester deutscher Torschütze 2005: Michael Ballack (Mitte). Anführer beim Confed Cup 2017: Julian Draxler (rechts).

Frankfurt/Main - Nach dem 7:0 gegen San Marino in der WM-Qualifikation bekamen die Confed-Cup-Fahrer zwei Tage frei und trafen sich am Dienstagmittag im Hotel "Villa Kennedy" in Frankfurt.

Bis zum Abflug nach Sotschi am Donnerstag stehen zwei Trainingseinheiten auf dem Programm. Die DFB-Elf trifft bei der Mini-WM (17. Juni bis 2. Juli) in Russland in der Gruppenphase auf Australien, Chile und Kamerun. Vor allem den Südamerika-Meister Chile mit Arturo Vidal vom FC Bayern und Wunschkandidat Alexis Sanchez (noch FC Arsenal) gilt es zu beachten.

"Chile ist nach meiner Einschätzung der Topfavorit", sagt Bundestrainer Joachim Löw. "Wenn du als Weltmeister zum Confed Cup fährst, ist es das Ziel, den Titel zu gewinnen", sagt Emre Can vom FC Liverpool. Niklas Süle, der die freien Tage nutzte, um noch einige Sachen für seinen Umzug nach München zu klären, meint: "Wir wollen dem Bundestrainer zeigen, dass er uns zu Recht eingeladen hat."

Den Nörglern, die das Turnier für überflüssig und in seiner Idee als WM-Generalprobe für überholt erachten, entgegnet Löw: "Ich sehe beim Confed Cup überhaupt kein Risiko, ganz im Gegenteil. Der Confed Cup ist eine Chance."

Eben: Man kann versagen oder sich Mut ankicken. In bislang acht Turnierspielen 1999 und 2005 gab es aus DFB-Sicht: Vier Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen (17:17 Tore). Dann mal los!



"Die ärmste Sau": Erich Ribbeck 1999. Foto: dpa

1999 blamiert sich die Mannschaft von Ribbeck – mit Spielern wie Maul, Gerber und Dogan...

Wenn der Bundestrainer "die ärmste Sau" war, wie es der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder formulierte, dann kann es nur schief gegangen sein. Ende Juli 1999, also mitten in der Saisonvorbereitung (!) auf die kommende Bundesliga-Saison musste Erich Ribbeck mit seinem Team zum Confed Cup in Mexiko antreten.

Damals war es noch keine Generalprobe für eine Weltmeisterschaft, sondern lediglich ein Kontinental-Turnier, für das sich der DFB als Europameister von 1996 qualifiziert hatte. Aus dem Kader des Triumphs in England war allerdings nur noch Mehmet Scholl übrig geblieben, in Ribbecks Improvisations-Truppe (nur zwei Profis pro Bundesligist waren vereinbart) debütierten Kicker wie Ronald Maul, Heiko Gerber, Horst Heldt und Mustafa Dogan.

"Ich wusste von vorne herein, dass wir chancenlos sind", sagt Ribbeck, der am Dienstag im rheinischen Pulheim im Kreise seiner Familie 80. Geburtstag feierte. Die Confed-Cup-Premiere des DFB wurde zum Desaster. 0:4 gegen Brasilien, 2:0 gegen Neuseeland und schließlich 0:2 gegen die USA – das Aus nach der Vorrunde.

Gegen Neuseeland schoss Michael Preetz sein erstes und Lothar Matthäus sein letztes seiner 23 Länderspieltore. Der Routinier vom FC Bayern hatte mit 137 DFB-Einsätzen damals mehr als der Rest des Kaders. "Ausnahmslos furchtbare" Erinnerungen habe er, so "Sir Erich" an die Spiele in Mexiko: "Nach dem Aus bei der Europameisterschaft 2000 war das der Tiefpunkt in meiner Zeit als Nationaltrainer."



Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l.) und Kapitän Michael Ballack im Jahr 2005. Foto: dpa

Der Test zur Heim-WM gerät zum Event – auch wenn es am Ende nur für Rang drei reicht...

Beim Heim-Turnier um den Confed Cup 2005 bot die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, assistiert vom eigentlichen Mastermind Joachim Löw, teils mitreißenden Fußball. Das Turnier wurde zum Event: volle Stadien, große Euphorie und die perfekte Bühne für Jungstars wie Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger. Eine Feuerprobe für die Heim-WM im Sommer darauf. Und ein Reifeprozess.

"Es waren junge Spieler dabei, die an diesem Turnier gewachsen sind und danach bei der WM 2006 ganz wichtig waren", meinte Löw kürzlich und dachte an das erfrischend fröhliche und spielerisch glänzende Duo "Schweinski" von 2005.

Angeführt von Kapitän Michael Ballack holte die DFB-Auswahl – angetreten mit den besten Spielern – den Gruppensieg mit einem 4:3 gegen Australien, einem 3:0 gegen Tunesien und dem 2:2 gegen Argentinien. Im Halbfinale schied man durch das 2:3 gegen Brasilien aus, sicherte sich Rang drei mit dem 4:3 gegen Mexiko.

Michael Ballack, damals in Diensten des FC Bayern, wurde mit vier Treffer bester deutscher Torschütze. Den Titel holte sich Brasilien durch ein 4:1 gegen Argentinien. Das Event war ein Erfolg: Die Stadionauslastung lag bei 85 Prozent, insgesamt kamen über 600 000 Zuschauer zu den 16 Spielen. Der Weg zu einer großartigen Heim-WM 2006 war damit bereitet.



Geht mit seiner Mannschaft als amtierender Weltmeister ins Turnier: Jogi Löw. Foto: dpa

Der Weltmeister reist mit einer jungen Elf an. Trainer Löw will vor allem eines: Ausprobieren...

Auftakt für die DFB-Elf um Übergangs-Kapitän Julian Draxler (23) mit seinen immerhin schon 30 Länderspielen ist am Montag in Sotschi gegen Australien (17 Uhr MESZ, ZDF live). Die Begegnungen gegen Chile in Kasan (22. Juni, 20 Uhr MESZ) und gegen Kamerun (25. Juni, 17 Uhr MESZ) werden von der ARD übertragen.

Vor dem Turnier – dem wohl letzten seiner Art – gab es eine Debatte unter den Vereinsvertretern, welche Spieler wegen der zu hohen Belastung nach Russland reisen sollten. Aus dem Weltmeister-Kader von 2014 sind nur noch Draxler, Skhodran Mustafi und Matthias Ginter (damals ohne Einsatz) dabei.

"Ich kann das Gemecker über den Confed-Cup nur bedingt nachvollziehen", sagte DFB-Sportdirektor Horst Hrubesch dem Sportbuzzer und fügte hinzu: "Als Spieler wäre es mir doch egal, wie das Turnier heißt und welche Teams dort antreten! Wenn du in der Nationalelf spielen darfst, dann musst du dich darauf freuen. Es gibt nichts Schöneres, als für Deutschland zu spielen. Und deshalb glaube ich, dass sich auch unsere Spieler auf den Confed Cup freuen."

Wird es wieder ein Desaster wie 1999 oder ein umjubelter WM-Testlauf wie im Jahr 2005? Der Grundgedanke, so Bundestrainer Joachim Löw, sei es, "allen Spielern möglichst viel Einsatzzeit zu geben. Es macht keinen Sinn, jemanden mitzunehmen, der am Ende nur zehn Minuten gespielt hat." Vom FC Bayern dabei: Joshua Kimmich und beiden die Neuzugänge aus Hoffenheim, Niklas Süle und Sebastian Rudy.

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