Fans toben, Stars schmollen

Die deutsche Nationalmannschaft zieht sich beim 1:1 gegen Finnland den Unmut der Anhänger zu. Doch dafür haben Ballack & Co. kein Verständnis: „Wir hätten eigentlich Applaus verdient.“
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Die Fans pfeifen: Beck, Trochowski, Podolski und Westermann (v.l.) trollen sich beleidigt in Kabine.
robertodiaz/Augenklick Die Fans pfeifen: Beck, Trochowski, Podolski und Westermann (v.l.) trollen sich beleidigt in Kabine.

Die deutsche Nationalmannschaft zieht sich beim 1:1 gegen Finnland den Unmut der Anhänger zu. Doch dafür haben Ballack & Co. kein Verständnis: „Wir hätten eigentlich Applaus verdient.“

HAMBURG Dann war es halt doch so wie immer. Der Ankündigung, nach geschaffter WM-Qualifikation eine Fußball-Gala zu bieten, folgte ein ideenloser Rumpelkick. Als es um nix mehr ging, schaffte die deutsche Nationalelf im letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Finnland nur ein 1:1.

Das zahlende Publikum (52000 in der ausverkauften Hamburger Arena) pfiff die deutschen Stars gnadenlos aus. Was Philipp Lahm nachvollziehen konnte: „Die Fans zahlen, sie wollen ein schönes Spiel, wollen Tore sehen. Da sind die Pfiffe verständlich.“

Bundestrainer Joachim Löw fand wenige positive Ansätze: „Wir haben nicht verloren und haben in der zweiten Halbzeit Moral bewiesen.“ Er gab aber auch zu: „In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt, haben keine Chancen rausgespielt, zu viele Konter der Finnen zugelassen. Insgesamt waren wir nicht so frisch wie in Moskau.“ Beim 1:0, dem Matchball fürs WM-Ticket. Schließlich warb Löw um Verständnis bei den verärgerten Anhängern: „Nach so einem Spiel wie in Moskau ist es auch sehr schwer.“ Und über die Fanwut sagte er: „Die Pfiffe waren ja nicht ganz unberechtigt, weil in der ersten Halbzeit kaum etwas zusammenlief. Was die ganze Qualifikation betrifft, hat die Mannschaft keine Pfiffe verdient, weil wir souverän durch diese Qualifikation gelaufen sind.“

Das fand auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff: „Es war sehr schwierig, nach dem Erfolg in Russland nochmal hochzufahren.“ Nicht „nachvollziehen“ konnte der Ex-Stürmer, dass schon nach 20 Minuten erste Pfiffe von den Rängen erschallten. „Die Pfiffe zu so einem frühen Zeitpunkt kann ich nicht verstehen“, meinte Bierhoff.

Kapitän Michael Ballack sah’s ebenso: „Ich habe kein Verständnis für die Pfiffe nach 20 Minuten. Nach einem Spiel wie in Moskau hätten wir eigentlich Applaus verdient. Hätten die Fans Fingerspitzengefühl, hätten sie uns unterstützt.“ Trotz des 0:1-Rückstands, bei dem Johansson einen Blackout der DFB-Verteidigung genutzt hatte (13.). Trotz der untauglichen Angriffsversuche der DFB-Kicker.

Der Bruch mit den Fans? Zumindest an diesem Abend war das Sommermärchen von einst längst vergessen. Stattdessen Herbsterwachen: Fans pfeifen, Stars schmollen.

„Die Ungeduld des Publikums hat uns auch nicht geholfen“, sagte Thomas Hitzlsperger. Die Geduld der Fans wurde auch arg strapaziert. Und zwar bis zur 90. Minute, als Lukas Podolski einen Kullerball zum glücklichen Ausgleich über die Linie nudelte – und sich danach auch noch verbal verdribbelte: „Blamage? Wieso Blamage, immer diese Fragen!“

Immerhin gelangte auch Poldi zur Erkenntnis, „dass wir uns schwer getan haben, vernünftige Chancen herauszuspielen“. Wofür sich Arne Friedrich entschuldigte: „Das Spiel ist komplett anders gelaufen, als wir uns das vorgenommen hatten. Das tut uns leid.“ Nicht allen. F.M., ps.

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