Fan-Sprecher: "Keine Lust auf Angst"

Drei Tage nach der Länderspielabsage von Hannover überschattet die Sicherheitsdiskussion den Auftakt des 13. Bundesligaspieltags am Freitag zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund.
| sid
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
BVB-Coach Thomas Tuchel kann in Hamburg wieder auf Nationalspieler Marco Reus bauen.
dpa BVB-Coach Thomas Tuchel kann in Hamburg wieder auf Nationalspieler Marco Reus bauen.

Hamburg - Bloß keine Panik: Nach dem Terror von Paris und der Länderspielabsage von Hannover wird am Freitag in Hamburg die Bundesliga-Normalität zwar nicht einmal ansatzweise zurückgekehrt sein.

Doch der Auftakt des 13. Spieltags mit der Partie zwischen dem Hamburger SV und Borussia Dortmund (20.30 Uhr/Sky) soll Halt geben auf dem Weg zurück in den Alltag des Profifußballs. Wie bei den 17 übrigen Klubs steht man auch bei den Gastgebern hinter der Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, den Spieltag wie geplant durchzuführen.

"Ich finde es absolut richtig, dass gespielt wird", sagte HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer und kündigte für die mit 57.000 Zuschauern ausverkaufte Partie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an. Aber auch in den restlichen Stadien werden Notfallpläne überarbeit, Kontrollmechanismen hinterfragt und etwaige Schlupflöcher abgedichtet.

Zusätzliches Personal soll ebenfalls zum Einsatz kommen, mehr ist in der Kürze der Zeit kaum umsetzbar. Doch auch vom Verhalten des Publikums wird viel abhängen am kommenden Wochenende.

Lesen Sie hier: Rauball warnt vor Pyrotechnik

Nicht nur Beiersdorfer appellierte mit selten erlebter Dringlichkeit an die Stadionbesucher, nun bitte wirklich die Finger von der Pyrotechnik und auch von Knallern und Böllern zu lassen: "Das wäre ein falsches Zeichen und könnte Panik auslösen."

Und würde den Vertrauensvorschuss der Liga-Spitze den Fans gegenüber auf fatale Weise ins Leere laufen lassen. Denn auch das ist die Botschaft des deutschen Profifußballs: Von den IS-Terroristen will man sich nichts diktieren lassen.

 

 

"Wir wollen dem Terror nicht weichen", erklärte Ligapräsident Reinhard Rauball im Namen nahezu aller Beteiligter. Eine Standfestigkeit, die sich in die Fanszene fortgepflanzt hat. Wie schon in den Vorwochen geplant, werden beispielsweise etwa 7000 BVB-Anhänger den Tabellenzweiten im Volksparkstadion anfeuern.

"Wir haben einfach keine Lust auf Angst", sagte ein Fansprecher. Doch komplett wegreden lässt sie sich nicht. "Wenn am Wochenende ein Böller fällt, wird es nicht das Gleiche sein wie vor dem Anschlag in Paris", meinte Alexander Zorniger, Coach des VfB Stuttgart. Und auch Trainerkollege Thomas Tuchel aus Dortmund ist noch nicht wieder im Normalmodus angekommen: "Im Moment ist es ein wenig merkwürdig, über Videoanalysen zu reden."

Bis auf Weiteres wird auf eine Intensivierung der schon bestehenden Sicherheitsmaßnahmen gesetzt, zusätzliche Absicherungen wie Körperscanner und personalisierte Tickets sind noch nicht mehrheitsfähig.

Lesen Sie hier: Bayern-Fans verzichten auf Pyrotechnik

Nicht praktikabel, zu teuer - derzeit sind solche Installationen nicht mehr als Gedankenspiele. Zumal die Kosten für die Vereine schon wegen der zusätzlichen Ordnungskräfte steigen werden.

Die finanziellen Mehraufwendungen für stärkeres Aufgebot an Polizeibeamten rund um die Arenen übernehmen indes die jeweils zuständigen Bundesländer. Auch der Stadtstaat Bremen, der ja ansonsten mit der Deutschen Fußball-Liga respektive Werder Bremen im Kostenstreit über Zusatzaufwendungen bei Risikospielen liegt.

Unstrittig ist hingegen, dass es quer durch die Republik in allen Stadien eine Gedenkminute für die Opfer des Terrorismus in Paris geben wird.

In Hamburg allerdings wird man bei einer weiteren Schweigeminute auch Altkanzler Helmut Schmidt gedenken. Der Ehrenbürger der Hansestadt war am 10. November im Alter von 96 Jahren gestorben, die offizielle Trauerfeier findet am 23. November statt.

Tuchel in Hamburg im Fokus

So gerät das Theater um eine womöglich bereits abgemachte Verpflichtung Thomas Tuchels beim Hamburger SV zu einer Randnotiz.

Vor dem Gastspiel mit seiner Dortmunder Borussia wehrt sich der Coach gegen Vorwürfe, er habe den HSV im Frühjahr hängen lassen. 

"Von meiner Seite gibt es keine Probleme. Ich freue mich auf die Reise dorthin", formulierte Tuchel in der Pressekonferenz im Vorfeld des Gastspiels.

An der Alster sind sie allerdings nicht gut auf Tuchel zu sprechen, wähnten sie den umworbenen Coach nach seinem Sabbatjahr schon fest an der Angel, bevor er beim BVB als Nachfolger von Jürgen Klopp unterschrieb.

"Es waren viele vertrauliche Gespräche in Hamburg, dabei möchte ich es belassen", sagte Tuchel. "Wenn man das Gefühl hatte, dass ich am Ende dem großen Karriereplan gefolgt bin, zu einem großen Klub zu wechseln, kann ich sagen: Das Gegenteil war der Fall."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren