Fall Beckenbauer: Darum geht es bei der Sperre

Mit großer Verwunderung hat Franz Beckenbauer auf seine 90 Tage-Sperre von der FIFA reagiert. Doch um was geht es eigentlich in der Angelegenheit? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten
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Franz Beckenbauer hat die Fragen der FIFA-Ethikkommission beantwortet. Seine Sperre durch den Weltfußballverband wird wohl aufgehoben werden.
dpa Franz Beckenbauer hat die Fragen der FIFA-Ethikkommission beantwortet. Seine Sperre durch den Weltfußballverband wird wohl aufgehoben werden.

Mit großer Verwunderung hat Franz Beckenbauer auf seine 90 Tage-Sperre von der FIFA reagiert. Doch um was geht es in der Angelegenheit? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten

São Paulo -

WAS IST PASSIERT?

Die unabhängige Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA hat die deutsche "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer, früher Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, provisorisch für 90 Tage für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball gesperrt. Er darf "an keiner Aktivität im Zusammenhang mit dem Fußball teilnehmen. Das schließt, neben anderen Dingen, eine Einladung zum Besuch eines Fußballspiels oder den Besuch auf privater Basis eines Fußballspiels jeglicher Art ein", sagte der stellvertretende Kommissions-Chef, Alan Sullivan (Australien), auf SID-Anfrage.   

WARUM DIE SPERRE?

Es sei davon auszugehen, dass es "zu einem Vergehen gegen das Ethikreglement gekommen ist", schrieb die FIFA. Die Sperre sei eine Vorsichtsmaßnahme, weil es "nicht früh genug möglich sein wird", eine Entscheidung zu treffen.

Lesen Sie hier: Beckenbauer bei WM in Brasilien nicht willkommen

WAS HAT BECKENBAUER GETAN?

Geschwiegen. Laut FIFA hat Beckenbauer nicht kooperiert. Die Rede ist von einer "Untersuchung" der Ethikkommission, es geht um den "Katargate"-Skandal, um die Vergabe der WM 2022 an den Wüstenstaat Katar. FIFA-Chefermittler Michael Garcia, früher als US-Anwalt und FBI-Mann mit schweren Jungs beschäftigt, habe den Kaiser – bei der Wahl 2010 stimmberechtigt – demnach "wiederholt" um Informationen gebeten. Und zwar "in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden".

BECKENBAUER IST NICHT MEHR EXKO-MITGLIED – WARUM DIE ERMITTLUNGEN?

Weil er im Dezember 2010 bei der Abstimmung dabei war. Und im Ethikcode steht eindeutig: "Diesem Reglement unterstellte Personen sind verpflichtet, auf Anordnung der Ethikkommission zur Abklärung des Sachverhalts oder Aufklärung möglicher Vergehen beizutragen und insbesondere Rechenschaft über ihre Einkünfte abzulegen und angeforderte Belege zur Einsichtnahme vorzulegen. " (Art. 18/2)

 

<strong>Hier finden Sie alle Informationen zur WM 2014 in Brasilien</strong>

WIESO STEHT BECKENBAUER PLÖTZLICH ÖFFENTLICH AM PRANGER?

Sein Name war zuletzt in den vermeintlichen Beweis-Dokumenten der britischen Zeitung Sunday Times aufgetaucht – er geriet damit in den Dunstkreis des Skandals, durch den die WM-Vergabe an Katar erneut stark in der Kritik steht. Garcia hatte während des 64. FIFA-Kongresses bestätigt, das Material zu sichten – und auf die Kooperation aller damaligen Exko-Mitglieder angewiesen zu sein.

WAS HAT DIE DISKUSSION AUSGELÖST?

Die Sunday Times schrieb, dass Beckenbauer fünf Monate nach der Vergabe am 2. Dezember 2010 zusammen mit Geschäftspartnern nach Katar eingeladen wurde – von der Schlüsselfigur des Skandals, Mohamed Bin Hammam.

WURDE WIRKLICH BESTOCHEN?

Das will Garcia in ein paar Wochen verkünden. Offiziell wollte er seine Untersuchung am vergangenen Montag (9. Juni) abschließen, der Sunday-Times-Bericht hat dies aber verzögert. Bis dahin gilt allerdings die Unschuldsvermutung. Eine Beteiligung Beckenbauers an zwielichtigen Geschäften bleibt Spekulation! Garcia sagte aber auch: Neue Enthüllungen sind immer möglich. Der FIFA droht die Endlosschleife – bis 2022.

WAS SAGT BECKENBAUER?

Beckenbauer hatte in der Bild-Zeitung angegeben, die Vorwürfe seien ein "bisserl andersherum". Er habe sehr wohl kooperieren wollen – nur habe die Ethikkommission die Fragen nur in "Juristen-Englisch" geschickt, auch auf Nachfrage nicht auf Deutsch. Seine Reaktion: "Dann eben nicht." Im Sky-Fernsehen lächelte er die Sperre weg: "Ich dachte, es wäre der 1. April und damit ein Aprilscherz."

WAS ÄNDERT SICH FORMAL?

Nichts. Beckenbauer ist aktuell nur noch Ehrenpräsident von Bayern München. Er darf kein neues Amt annehmen und vorerst bei der WM nicht einmal auf der Tribüne sitzen. Der Fußball und Beckenbauer werden 90 Tage verschmerzen – wenn es dabei bleibt.

UND SONST?

Der Kaiser ist der erste ehemalige FIFA-Offizielle, der im Zuge der neuen (!) Enthüllungen am Pranger steht.

WAS DROHT DEM KAISER?

Das hängt vom Ergebnis der Ermittlungen ab. Geht es tatsächlich nur um sprachliche Barrieren, hat er die Aufklärung selbst in der Hand.

 

 

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