Ein Berg voller Aufgaben für Löw bis zum EM-Start

Bundestrainer Jogi Löw versammelt die deutsche Nationalmannschaft zur EM-Vorbereitung im Trainingslager in Seefeld. Was muss er dort erschaffen und angehen? Ein Überblick der AZ.
| Patrick Strasser
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"Wir sind erstmals wieder über längere Zeit zusammen", sagt Bundestrainer Joachim Löw nach der Ankunft im Trainingslager.
"Wir sind erstmals wieder über längere Zeit zusammen", sagt Bundestrainer Joachim Löw nach der Ankunft im Trainingslager. © picture alliance/dpa

Wer erinnert sich noch an die "Bergtour", das teaminterne Motto der deutschen Nationalelf? 2008 war das, passend zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz.

Symbolik-Liebhaber Oliver Bierhoff machte das Unternehmen Alpen-EM zur imaginären Kletterpartie. Auf der 2.962 Meter hohen Zugspitze wurde damals in einer gläsernen Panorama-Lounge der Kader bekanntgegeben - eine logische Wahl im Sinne der TV-Bildersprache. Aus Bildern werden Träume. Und aus Träumen Ziele. Die Bergtour führte die Nationalelf bis ins Finale, dann stoppten die Spanier den Aufstieg zum Gipfelglück.

Löw: "Oft ist man im Stande, mehr zu leisten, als man sich zuvor zugetraut hatte"

Bundestrainer Joachim Löw gefiel das. Klar, er ist Hobby-Bergsteiger, bestieg mit einem Freund und zwei Helfern 2003 den Kilimandscharo in Tansania. Es sei "das anstrengendste Erlebnis" seines Lebens gewesen, so Löw später.

Die 5.895 Meter legte der damals 43-Jährige in fünf Tagen zurück, am sechsten erreichte er dann den Gipfel. Eine Grenzerfahrung als Reise zu sich selbst.

"Oft ist man im Stande, mehr zu leisten, als man sich zuvor zugetraut hatte", meinte Löw. "In Regionen über 5.000 oder 6.000 Meter sind exakt die Eigenschaften gefragt, die auch auf dem Fußballplatz unabdingbar sind: Einsatzwille, Beharrlichkeit, das Überwinden von Hindernissen, Fairness und Teamgeist."

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Mai 2021, das Seefelder Plateau auf 1.200 Metern Höhe. Vom Balkon seiner Suite "Awesome" im imposant gelegenen Teamhotel "Nidum" kann Löw bei schönem Wetter den Blick schweifen lassen auf die immer noch schneebedeckten Berggipfel und das Inntal. Für einen Bundestrainer ist die Luft immer dünn, doch vor seinem letzten Turnier gibt sich Löw gelassen. "Loslegen und durchhalten bis zum Ende", lautet seine Vorgabe - womit er eine klare Zielsetzung à la "Wir wollen den Titel holen" vermied und sagte, dass man "nicht zu den Favoriten zählt". Mit Beginn der Vorbereitung am Freitag wartet auf Löw ein Berg von Aufgaben.

Skispringen trifft Fußball: Direkt unter den Schanzen in Seefeld ist der Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft.
Skispringen trifft Fußball: Direkt unter den Schanzen in Seefeld ist der Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft. © picture alliance/dpa

Ein Überblick der AZ:

Teamgeist kreieren: Nicht einfach. Am Freitag reisten nur 20 der 26 Profis an. Nachzügler sind Toni Kroos (nach seiner Corona-Infektion noch zu Hause in Madrid, muss nach zeitnaher Ankunft in Seefeld erst Aufbautraining absolvieren) und Leon Goretzka, der sich nach seinem Muskelfaserriss noch in München individuell fit macht. Dazu die Champions-League-Finalisten Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner (FC Chelsea) sowie Ilkay Gündogan (Manchester City), die sich am Samstag dann in Porto gegenüberstehen. "Wir sind erstmals wieder über längere Zeit zusammen", sagte Löw, "ein Punkt in der Vorbereitung ist, sich als Team zu finden."

Müller und Hummels wieder integrieren: Das Weltmeister-Duo von 2014 kehrt mehr als zwei Jahren nach der Ausbootung wieder in die Nationalelf zurück. Löw: "Thomas und Mats sind sehr integrativ in ihrer Persönlichkeit." Die meisten aktuellen Nationalspieler "kennen sie in- und auswendig", so der Bundestrainer. "Ich erwarte von ihnen, dass wir weiter mit ihnen tolle Erfolge feiern können", sagt Oliver Bierhoff.

Auf den Sichtschutzwänden sind Abbildungen der Spieler der Nationalmannschaft zu sehen.
Auf den Sichtschutzwänden sind Abbildungen der Spieler der Nationalmannschaft zu sehen. © picture alliance/dpa

Der DFB-Direktor am Freitag in Seefeld weiter: "Sie sind natürlich Führungsspieler in dieser Mannschaft, die anderen Spieler schauen auf sie. Beide sollen die Kapazitäten einbringen, die sie haben. Dann ertrage ich auch den ein oder anderen Spruch, den Thomas jetzt schon gebracht hat. Den schlucke ich dann gerne runter."

Bleibt ihm auch nix anderes übrig.

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Das beinahe wertlose erste Testspiel: Am Mittwoch heißt dann der Gegner in Innsbruck Dänemark. Für die Königsklassen-Finalisten sowie Kroos und Goretzka kommt diese Partie, die Löw als Teil eins (zweiter Test am 7. Juni in Düsseldorf gegen Lettland) des Einspielens nutzen wollte, zu früh. Was bedeutet: Den Stammspielern Kroos, Goretzka, Rüdiger, Havertz sowie den Jokern Werner und Gündogan bleibt lediglich ein Spiel.

Trotz aller Hürden spürt Löw, "dass die Spieler bereit sind, etwas zu reißen und erfolgreich zu sein". Sein Gefühl, so der Bundestrainer, "ist sehr gut". Na dann. . .

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