Dieter Hoeneß: Sanfter Druck

Ein halbes Jahr hat Dieter Hoeneß sich in München regeneriert. Hier erklärt er nun, wie er seinen neuen Job in Wolfsburg angehen will – und wie er den degradierten Trainer Veh sieht.
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Neuer Job beim VfL Wolfsburg: Dieter Hoeneß.
dpa Neuer Job beim VfL Wolfsburg: Dieter Hoeneß.

Ein halbes Jahr hat Dieter Hoeneß sich in München regeneriert. Hier erklärt er nun, wie er seinen neuen Job in Wolfsburg angehen will – und wie er den degradierten Trainer Veh sieht.

WOLFSBURG Gut, dass die Kinder längst aus dem Haus sind. Wenn Dieter Hoeneß (56) sein Leben dieser Tage nach einer schönen Bleibe in Wolfsburg und Umgebung fahndet, redet nur seine Frau, aber nicht die zwei Söhne mit. Benjamin Hoeneß, 30, arbeitet als Marketingassistent beim FC Bayern und fühlt sich in München pudelwohl; Sebastian Hoeneß, 27, stürmt noch für die zweite Mannschaft von Hertha BSC – wo sein Vater nach 13 Jahren nicht mehr erwünscht war.

Die halbjährige Pause, die der Manager vom neuen Wohnsitz aus München einlegte, sei dringend nötig gewesen. „Um den Kopf frei zu bekommen und den Akku aufzuladen." Zeit für einen Gesundheitscheck habe er sich genommen, die private Buchhaltung in Ordnung gebracht. Und viel gereist sei er. Sardinien, zuletzt Südafrika, wovon Hoeneß erst vergangene Woche zurückkehrte und unmittelbar in die Gespräche mit den im VfL-Aufsichtsrat sitzenden Volkswagen-Bossen einstieg. „Dann haben wir uns unheimlich schnell geeinigt.“

Darauf, dass der Macher und Machtmensch Dieter Hoeneß der neue Leitwolf in der Volkswagenstadt wird – der mächtigste Mann der VfL Wolfsburg Fußball GmbH. Weisungsbefugt auch für Armin Veh, den in die Kritik geratenen Cheftrainer, mit dem Hoeneß sich bereits zum Meinungsaustausch traf. Das Credo: Kooperation statt Konfrontation. Hoeneß insistiert, eine Trainerentlassung sei kein Thema. Gleichwohl ergänzt er mit Blick auswärts beim VfB Stuttgart beginnende Rückrunde: „Es ist wichtig, Ergebnisse zu bringen. Ob mit oder ohne Hoeneß." Sanfter Druck.

Der Bruder des Bayern-Präsidenten räumt ein, dass die erste Kontaktaufnahme mit dem Meister bereits vor Monaten stattgefunden habe, schließlich gingen die Entscheidungsträger – Aufsichtsratschef Francisco Javier Gracia Sanz, Stellvertreter Stephan Grühsem, aber auch der mit Uli Hoeneß befreundete VW-Boss Martin Winterkorn –länger mit der Idee schwanger, einen starken Mann zu installieren, der einerseits reichlich Befugnisse erhält, andererseits aber auch als Mittler zwischen VW und VfL-Geschäftsführung fungiert. Und der als bundesweit anerkanntes Wolfsburger Gesicht daherkommen soll. Hoeneß bekommt mit seinem Dreijahresvertrag als Vorsitzender der Geschäftsführung einen bestens dotierten Traumjob. „Ich finde sehr gute Rahmenbedingungen vor, die noch gestaltbar sind“, lobt er. „In Trainerstab und Spielerkader stecken große Substanz, und mich begeistert, wie professionell die handelnden Personen die Dinge angehen.“ Ob er auch Jürgen Marbach gemeint hat? Der für Marketing und Organisation zuständige Geschäftsführer, der sich gerne zu sportlichen Fragen äußerte, fühlte sich übergangen und entmachtet und trat zurück.

Alle strategischen Weichen stellt künftig eben Hoeneß, der dank seines Netzwerks womöglich schon in der winterlichen Transferperiode groß zuschlagen wird, zumal auch Veh nach mindestens einem internationalen Klassemann (für die Abwehr) verlangt. Hoeneß: „Über Transfers habe ich mit Armin schon geredet." Veh, ein von ihm geschätzter Fußballlehrer, habe er „früher schon geduzt“. Vielleicht komme seine Inthronisierung für Veh „zum falschen Zeitpunkt", sagt Hoeneß, gleichwohl sichere er ihm „jedwede Unterstützung“ zu. „Ich bin dafür da, ihm den Rücken frei zu halten.“ Nur gewinnen muss Veh alleine.

Frank Hellmann

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