Die deutsche Fehlerkette: Warum das DFB-Team gegen Ecuador scheiterte

Nach elf Siegen in Folge offenbart die deutsche Nationalmannschaft im WM-Spiel gegen Ecuador Schwächen – vor allem in der Defensive und im Mittelfeld. Das sagen Neuer, Nagelsmann und Co. nach der 1:2-Niederlage.
Autorenprofilbild Maximilian Koch
Maximilian Koch
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
2  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Deniz Undav und Pascal Groß: Gegen Ecuador konnten sich die beiden Nationalspieler mit ihrem Team nicht behaupten.
Deniz Undav und Pascal Groß: Gegen Ecuador konnten sich die beiden Nationalspieler mit ihrem Team nicht behaupten. © IMAGO/DeFodi.de (www.imago-images.de)

Dass Julian Nagelsmann am Tag nach dem 1:2 gegen Ecuador immer noch nicht wusste, welcher Gruppendritte denn nun im Sechzehntelfinale am Montag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Foxborough als Gegner auf die deutsche Mannschaft wartet, war ärgerlich, aber nicht das größte Problem des Bundestrainers. Nach der Rückkehr am späten Abend ins Teamquartier in Winston-Salem musste Nagelsmann seine Spieler wieder aufrichten – denn diese Niederlage, die erste nach elf Siegen in Folge, tat richtig weh.

"Wir sind alle ernüchtert", gestand Torhüter Manuel Neuer. Und Kapitän Joshua Kimmich kritisierte deutlich: "Was mich am meisten ärgert, ist, dass man das Gefühl hatte, dass der Gegner mehr gewinnen wollte als wir. Dass der Gegner, unabhängig von der Konstellation, griffiger ist und mehr auf Sieg spielt, als wir das wollen."

Das DFB-Team nach der Niederlage gegen Ecuador: "Wir müssen uns mehr wehren"

Das gab zu denken. Und da spielte es keine Rolle, dass die deutsche Elf den Gruppensieg zuvor schon sicher hatte. Drei Punkte waren das Ziel, um im "Flow" zu bleiben, wie es Sportdirektor Rudi Völler formulierte. Spannend: Die Einschätzung von Kimmich und auch Deniz Undav, dass der Gegner gieriger aufs Gewinnen gewesen sei, teilte Nagelsmann nicht. "Nein, bitte hört auf mit dem Quatsch, ehrlich. Haben die Jungs heute nicht Vollgas gegeben?", antwortete der DFB-Coach auf eine entsprechende Frage bei MagentaTV. Ecuador habe einfach "ein bisschen mehr Risiko genommen in vielen Aktionen. Aber ich kann keinem Spieler sagen, er hat nicht Gas gegeben. Das ist mir viel zu plakativ."

Anzeige für den Anbieter Spotify über den Consent-Anbieter verweigert

Wo Nagelsmann Recht hatte: Es gab auch inhaltlich eine Menge zu beanstanden an dieser Leistung im Finalstadion von New Jersey. Die AZ erklärt die deutsche Fehlerkette.

Trainer Julian Nagelsmann stellt sich schützend vor sein Team.
Trainer Julian Nagelsmann stellt sich schützend vor sein Team. © IMAGO/William Volcov (www.imago-images.de)

Nagelsmann: "Die Abschlüsse waren alle eklig"

Defensive: Es ist bislang nicht das Turnier von Keeper Neuer, fast jeder Schuss aufs Tor des Rückkehrers ist drin. "Es ist wieder extrem ärgerlich für Manu, dass er so die Winner-Aktion leider noch nicht hatte. Die Abschlüsse waren alle eklig", sagte Nagelsmann. Aber: Vor dem 1:2 agierte der 40-Jährige viel zu zögerlich, er hatte zumindest eine Mitschuld an dem Gegentreffer. Davon wollte Neuer selbst allerdings nichts wissen. "Nee", sagte er: "Es ist eine ganz normale Kopfballverlängerung und ich versuche, den Ball zu fangen. Jeder Torwart, der schon mal gespielt hat, weiß, dass ich mich so zu dem Ball hinstellen muss und versuchen muss, ihn zu fangen."

Jubelnde Fans feiern das ecuadorianische Team.
Jubelnde Fans feiern das ecuadorianische Team. © IMAGO/Shaquan Woody (www.imago-images.de)

Neben Neuer erwischten auch die Abwehrspieler Kimmich, Jonathan Tah, Antonio Rüdiger und David Raum einen schwachen Tag. Immerhin: Linksverteidiger Nathaniel Brown wird nach Adduktorenproblemen wohl wieder zur Verfügung stehen. "Ich denke, dass er Montag spielen kann", sagte Nagelsmann. 

Offensichtlich, dass vor der Abwehr ein spielstarker Taktgeber fehlt

Zentrales Mittelfeld: Aleksandar Pavlovic agierte erneut fehlerhaft. Der Bayern-Profi wurde zur Halbzeit ausgewechselt, Angelo Stiller kam rein. Felix Nmecha machte es nicht viel besser, das Zentrum war die größte Schwachstelle. Ob Nagelsmann umdenkt und doch wieder Kimmich als Sechser spielen lässt? "Es ist einzig und allein die Entscheidung des Trainers", sagte der Kapitän. "Da, wo er das Gefühl hat, dass ich am besten weiterhelfen kann, wird er mich aufstellen. Und da spiele ich dann."

Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha.
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha. © IMAGO/Gladys Chai von der Laage (www.imago-images.de)

Nagelsmann klang nicht danach, als werde er einen Wechsel vornehmen. "Ich will weder auf Felix (Nmecha) noch auf Pavlo verzichten. Ich habe es nicht geplant", sagte er. Dabei ist offensichtlich, dass vor der Abwehr ein spielstarker Taktgeber fehlt. Womöglich wird eine Kimmich-Versetzung doch noch mal diskutiert. 

Undav konnte das deutsche Team nicht mehr retten

Offensive: Diesmal konnte auch Topjoker Deniz Undav das deutsche Team nicht mehr retten. Der Stürmer wurde in der 60. Minute eingewechselt und blieb recht unauffällig. "Wir waren nicht so zielstrebig wie in den ersten beiden Spielen. Da müssen wir uns mehr wehren", sagte Undav. "Aber es ist nicht die Welt untergegangen."

Anzeige für den Anbieter Instagram Reel über den Consent-Anbieter verweigert

Korrekt. Es stimmt jedoch nicht gerade optimistisch, dass außer Undav kein Offensivspieler in guter Form ist - weder Leroy Sané, der in der 2. Minute das 1:0 erzielte, sonst aber unglücklich agierte, noch Florian Wirtz, Jamal Musiala oder Kai Havertz. Nick Woltemade hat noch keine Sekunde gespielt. Ob Nagelsmann die Startaufstellung am Montag ändern wird? Speziell Undav und Nadiem Amiri, die beide beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste überzeugten, könnten für mehr Esprit und Torgefahr sorgen. 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
  • Der Innsbrucker gerade eben / Bewertung:

    Ein Musiala sowie Wirtz haben imdieser Verfassung in der Startelf leider nichts zu suchen. Das Thema Neuer fällt dem JN bereits nach dem dritten Spiel auf die Füße.
    Torhüter für die WM ohne Not getauscht.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
  • Leo99 vor 19 Minuten / Bewertung:

    Meiner meinung nach gibt's für diese Niederlage eine relativ einfache Erklärung: Unsere Nannschaft hatte im Hinterkopf, dass sie schon Gruppensieger war und deswegen fehlten sowohl Konzentration als auch der letzte Biss. Im nächsten Spiel sieht wieder alles anders aus. Allerdings müssen sich Musiala, Havertz und Wirtz steigern, sonst muss Nagelsmann Woltemade, Amiri, Undav und weitere aus dem Kader in die Startelf bringen. Ich bin zuversichtlich.

    Antworten lädt ... Kommentar melden
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.