DFB: Ab durch die neue Mitte

Nie zuvor war das Angebot im wichtigsten Mannschaftsteil so groß – und so stark besetzt. Wie sich die Spielertypen in Fußball-Deutschland verändert haben
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ILKAY GÜNDOGAN: KEINE NOTE.
Fünf Zweikämpfe bestritten, nur einen gewonnen. Was Olaf Thon und Günter Netzer wohl sagen?
dapd ILKAY GÜNDOGAN: KEINE NOTE. Fünf Zweikämpfe bestritten, nur einen gewonnen. Was Olaf Thon und Günter Netzer wohl sagen?

Nie zuvor war das Angebot im wichtigsten Mannschaftsteil der DFB-Elf so groß – und so stark besetzt. Wie sich die Spielertypen in Fußball-Deutschland verändert haben

Nürnberg - Drei, zwei, eins – keiner. Die Stürmer, besonders die Gattung Keilstürmer, also die kraftstrotzenden Brecher, sterben nach und nach aus. Wenn überhaupt ist im modernen System noch einer gefragt in vorderster Linie, ein umgeschulter Mittelfeldspieler, einer wie Lionel Messi, einer wie Mario Götze. Klein, schnell, trickreich.

Dagegen herrscht rege Zuwanderung ins Mittelfeld, der spielentscheidenden Zone. Überbevölkerung, immer mehr Profis kicken auf immer weniger Raum. Wohl dem, der für dieses 4-5-1-System genügend Personal hat.

Der FC Barcelona hat es unter Trainer Pep Guardiola perfektioniert, die spanische Nationalelf – mit teils gleichem Personal – auf ihre Bedürfnisse maßgeschneidert. Xavi, Iniesta, Busquets, Fabregas, Pedro, Villa – europa- und weltmeisterlich. In Theorie steht das Mittelfeld-Angebot, das Bundestrainer Joachim Löw im Rahmen der WM-Qualifikation (das Spiel in Nürnberg gegen Kasachstan wurde bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht angepfiffen, d.Red.) zur Verfügung steht, in fast nichts nach.

Das Überangebot im Aufgebot lautet: Mesut Özil, Thomas Müller, Marco Reus, Mario Götze, Lukas Podolski, Sami Khedira, Ilkay Gündogan und die Bender-Zwillinge. Mittelfeld-Boss Bastian Schweinsteiger ist wegen einer Gelb-Sperre nicht einsetzbar, Toni Kroos arbeitet nach Verletzung an der Säbener Straße an seiner Fitness, Julian Draxler beim FC Schalke. Die neue, breite Mitte. Von den ursprünglich 23 Nominierten waren 13 der Kategorie Mittelfeld zuzurechnen.

Mehr Mitte geht nicht. Löw ist privilegiert. Er weiß das. Im Wandel der Zeit ist Flexibilität gefragt, keine Positionstreue. „Unsere Anordnung im Mittelfeld gibt uns die Möglichkeit, mit drei Mittelfeldspielern völlig variabel zu spielen”, betont der Bundestrainer. „dabei wollen wir nicht immer die Sechserposition doppelt besetzt haben. Es ist Variabilität gefragt. Ich lege mich nicht fest auf ein 4-2-3-1-System.” Wilde Freiheit gibt es nicht, doch genügend Raum für Kreativität. Löw sagt: „Ein spielstarkes Mittelfeld, das aber auch defensive Aufgaben erledigt, ist immer vorstellbar.”

Und sich nicht aus der Fassung bringen lässt – dies ist die Schwäche der Generation Özil, Khedira, Kroos & Co. Im WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien (0:1) und im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien (1:2) unterlag man dem clevereren Gegner.

Deutschland, das Fußball-Land der Techniker und Lenker, hat sich verändert. Von den Zeiten eines Netzer, eines Overath, später eines Häßler, hin zu Typen wie Möller, Deisler, Scholl nun zu Reus, Götze, Gündogan. Ein DFB-Mittelfeld stand aber auch immer für Abräumer wie Wimmer, Frings, Hamann oder Jeremies.
Kunst statt Kampf – mit nahezu doppelter Besetzung. Schweinsteiger, Khedira vor der Abwehr, Özil in der Mitte, rechts Müller, links Reus. Variante zwei lautet: Gündogan, Sven Bender, vorne Kroos, rechts Götze, links Podolski.

Und: Jeder Sechser könnte heute ein Zehner sein, siehe Schweinsteiger. Speziell Gündogan gilt als Kronprinz. „Ilkay bewegt sich auf internationalem Topniveau”, lobte ihn Löw, „er hat alle Voraussetzungen, ein Weltklassespieler zu sein.” Der FC Barcelona und Real Madrid sollen am Dortmunder interessiert sein. So viel zur Wertschätzung des deutschen Mittelfelds.

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