Interview

Cardoso im Interview: "Auch Messi wird es nicht allein schaffen"

Argentinien steht mit dem Rücken zur Wand. In der AZ spricht der Ex-HSV-Spielmacher Rodolfo Cardoso über seine Landsleute.
| Ruben Stark
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"Es ist noch alles möglich", sagt Rodolfo Cardoso über Lionel Messis Traum vom WM-Titel. Dazu muss der Superstar nach der Blamage gegen Saudi-Arabien seine Fassung wiederfinden.
"Es ist noch alles möglich", sagt Rodolfo Cardoso über Lionel Messis Traum vom WM-Titel. Dazu muss der Superstar nach der Blamage gegen Saudi-Arabien seine Fassung wiederfinden. © IMAGO/Sven Simon

München - AZ-Interview mit Rodolfo Cardoso: Der frühere Spielmacher (54) des Hamburger SV ist Co-Trainer der U17 des HSV. Für die Albiceleste kam er zu acht Länderspielen.

AZ: Herr Cardoso, Argentinien steht - so wie auch Deutschland - schon mit dem Rücken zur Wand bei der WM. Wie war dieser Fehlstart möglich?
RODOLFO CARDOSO: Das waren wirklich große Überraschungen. Aber die anderen Mannschaften lernen auch dazu, sind nicht so leicht zu knacken. Ich habe vor dem Turnier schon zu Freunden gesagt: Argentinien ist nicht die gleiche Mannschaft wie vor einem Jahr bei der Copa America. Das darf man nicht vergessen. Da fehlen mit dem früheren Stuttgarter Nicolas Gonzalez, und Giovanni Lo Celso zwei wichtige Spieler verletzt. Beide waren richtig stark.

An welchen Schrauben dreht Trainer Scaloni?

Es hieß, Argentinien sei einer der großen Favoriten...
Alle haben uns zum Favoriten gemacht, aber ich hatte mir schon gedacht, dass wir Probleme kriegen, als ich den Kader gelesen habe. Es fehlt überall ein bisschen das Tempo, der eine oder andere Spieler war nervös gegen Saudi-Arabien. Jetzt ist die Frage, an welchen Schrauben Trainer Lionel Scaloni dreht. Wenn du das nächste Spiel nicht gewinnst, dann bist du draußen, ganz klar.

"Der eine oder andere Spieler hat wenig WM-Erfahrung"

Der Druck ist immer extrem hoch in Argentinien. Ist das ein Problem für die Spieler?
Sie machen sich den Druck auch selbst. Der eine oder andere Spieler hat wenig WM-Erfahrung. Du kommst als Gewinner der Copa America, dann erwartet man sehr, sehr viel. Aber nochmal: Argentinien ist nicht die Mannschaft, die 2021 in Brasilien dieses Turnier gewonnen hat. Vielleicht muss Scaloni den einen oder anderen neuen Spieler bringen. Einen Jungen wie Enzo Fernandez von Benfica oder der kleine Julian Alvarez von Manchester City, dann hast du Tempo drin. Das wären Möglichkeiten.

In zentralen Positionen fehlt der Schwung

Dreht sich zu viel um Messi?
Genau. das meine ich auch. Das war der Unterschied zur Copa, da hatten wir eine richtig gute Mannschaft mit vielen gut besetzten Positionen, alle waren fit. Da hatte Messi richtig gute Spieler um sich. Jetzt bei der WM fehlt das. In den zentralen Positionen haben wir wenig Schwung, das war das Herz bei der Copa. Dybala ist nicht fit. Da kommt vieles zusammen.

Rodolfo Cardoso, heute Trainer der U17-Mannschaft des HSV.
Rodolfo Cardoso, heute Trainer der U17-Mannschaft des HSV. © IMAGO/CHROMORANGE

Paredes und Di Maria als Unterstützung für Messi

Wie gut ist der Teamgeist?
Das Team versteht sich richtig gut, das war schon in der Qualifikation und bei der Copa ein großes Plus. Jetzt müssen sie zeigen, dass sie alle zusammenhalten. Hilfe bekommen sie nicht, sie müssen die richtige Antwort geben. Die Fans werden sie dabei unterstützen.

Welche Spieler müssen Messi helfen und hervortreten?
Das erwartet man von einem Paredes, von Di Maria. Letztlich sind alle gefordert, über ihre Grenzen zu gehen. Die Frage ist: Sind sie fit genug? Zum Beispiel haben Paredes und Di Maria nicht so viel gespielt, das sind zwei Stammspieler, die nicht den Rhythmus haben, wie es sein müsste.

Was ist Scaloni für ein Typ, wie angesehen ist er?
Ein sehr ruhiger Typ, der hat sich durchgekämpft. Dass er Nationaltrainer geworden ist, hat in Argentinien vielen nicht gefallen. Aber er hat eine Mannschaft geformt, die sich mit dem Land identifiziert. Inzwischen sind alle überzeugt. Er hat Rückenwind und die Mannschaft hinter sich.

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"Allein wird auch Messi es nicht schaffen"

Was wird Lionel Messi noch zeigen bei dem Turnier?
Man erwartet, dass er seine Klasse zeigt. Er hat bei großen Turnieren schon sehr gut gespielt und war der entscheidende Mann. Aber allein wird auch er es nicht schaffen, das Team muss ihm helfen. Es ist ja bekannt, dass sich die Gegner immer auf ihn einstellen und das ist nicht leicht, wenn dir immer drei, vier Spieler folgen.

Kann er sich den Traum vom WM-Titel erfüllen?
Es ist machbar, noch ist alles möglich. Es ist nicht vorbei. Wir haben 1990 in Italien das erste Spiel verloren und sind ins Finale gekommen. Vielleicht haben wir jetzt auch so eine Situation. Aber: Wir müssen aufwachen.

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