Bundesliga bizarr: Geld ist beim Neustart wichtiger als die Gesundheit

Beim 1. FC Köln geht das Training nach drei positiven Corona-Tests weiter, ein Profi schlägt Alarm. "Das System kann ins Wanken geraten", sagt DFB-Arzt Meyer. Der FC Bayern meldet: Nur negative Fälle.
| Maximilian Koch
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Training in Corona-Zeiten: Die Bayern um Davies und Thiago (v.l.) werden nun regelmäßig auf das Virus getestet.
imago images/Sven Simon Training in Corona-Zeiten: Die Bayern um Davies und Thiago (v.l.) werden nun regelmäßig auf das Virus getestet.

Es herrscht Angst in der Bundesliga. Nicht nur bei einigen Klubs, die den Gang in die Insolvenz fürchten, falls die Saison nicht beendet werden kann. Darüber wird die Politik am kommenden Mittwoch entscheiden.

Doch selbst wenn Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten einer Fortsetzung der Liga (wahrscheinlich ab dem Wochenende 15. bis 17. Mai) zustimmen sollten, wird die Angst nicht verschwinden. Sie ist präsent, so lange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Auch in den Köpfen der Spieler, die sich um ihre Gesundheit und die ihrer Familien sorgen.

1. FC Köln: Nicht die ganze Mannschaft unter Quarantäne

Nach drei positiven Tests im Team des 1. FC Köln (zwei Spieler und ein Physiotherapeut) schlug FC-Profi Birger Verstraete (26) am Wochenende Alarm. Der Belgier sagte dem TV-Sender VTM, es sei "ein bisschen bizarr", dass nur die drei Betroffenen und nicht die ganze Mannschaft unter Quarantäne gestellt wurde: "Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet."

Was Verstraete vor allem beunruhigte: Seine Freundin hat Herzprobleme, sie gehört zur Risikogruppe. Er hat Bedenken, das Virus nach Hause zu tragen: "Das ist viel wichtiger für mich. Ich will, dass alle gesund sind, bevor wir wieder Fußball spielen."

Nicht jeder ist damit einverstanden, dass die Bundesliga wieder loslegen will

Am Sonntag relativierte Verstraete seine Aussagen, er sprach – sehr wahrscheinlich auf Initiative der Kölner – in einer Mitteilung des Klubs davon, dass es nicht in seiner Absicht gelegen habe, den zuständigen Behörden oder dem 1. FC Köln Vorwürfe zu machen. Er habe sich "an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leidtut".

Für die Kölner, die auf die Einhaltung des DFL-Hygienekonzepts sowie auf die Zustimmung des Gesundheitsamtes verwiesen, den Trainingsbetrieb wie bisher fortzusetzen, war die Sache damit erledigt. Der Eindruck, den Verstraete vermittelte, blieb aber bestehen: Längst nicht jeder Beteiligte dürfte damit einverstanden sein, dass die Bundesliga wieder loslegen will. Ängste und Risiken sind weiter vorhanden.

Nur zweimal negativ gestestete Spieler dürfen mit Mannschaft trainieren

Auch Tim Meyer, Leiter der Task Force der Deutschen Fußball Liga, räumte eine Rest-Anfälligkeit des Hygiene-Konzepts ein. "Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage", sagte der Nationalmannschaftsarzt bei Sport1. Deswegen sei "extreme Disziplin" aller Beteiligten auch abseits des Spielfeldes wichtig.

Da fast 2.000 Personen in der Bundesliga getestet worden seien, habe man "einige positive Fälle erwartet", sagte Meyer: "Ich möchte nicht ausschließen, dass es weitere gibt." Es sei natürlich auch möglich, dass zunächst negativ getestete Spieler "nachträglich positiv werden. Das ist auch einer der Gründe, warum wir wiederholt testen." Beim geplanten Einstieg ins Mannschaftstraining dürfen nur zweimal negativ getestete Spieler teilnehmen.

Horst Seehofer: "Ich unterstütze den Neustart im Mai"

Einige Klubs gaben bekannt, dass bislang alle Tests negativ ausgefallen seien. Darunter auch der FC Bayern, der dies auf AZ-Nachfrage erklärte. Zweimal die Woche werden die 1. Bundesliga-Teams und ihre Betreuerstäbe auf Corona getestet.

Training in Corona-Zeiten: Die Bayern um Davies und Thiago (v.l.) werden nun regelmäßig auf das Virus getestet.
Training in Corona-Zeiten: Die Bayern um Davies und Thiago (v.l.) werden nun regelmäßig auf das Virus getestet. © imago images/Sven Simon

Schon in dieser Woche soll wieder "normales" Mannschaftstraining mit Körperkontakt stattfinden, sofern es keine positiven Fälle gibt. Um dann, nach dem möglichen Okay der Politik am Mittwoch, so schnell wie möglich spielen zu können.

"Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der zugleich Sportminister ist, der "Bild am Sonntag": "Für mich ist aber auch klar, dass es keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben kann."

Grundbedingung seien unter anderem strikte Auflagen im Falle eines Positiv-Tests: "Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Klub und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne."

Steht Geld beim Wiederbeginn der Bundesliga im Vordergrund?

Moment mal: In Köln gab es doch drei positive Fälle, oder? Obwohl das Interview vor dem Bekanntwerden der Fälle in Köln geführt wurde, habe sich an Seehofers Einschätzung nichts geändert, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Nachfrage. Bizarr – genau wie das Vorgehen der Bundesliga.

Und so wird man den Eindruck nicht los, dass bei einem Wiederbeginn nicht in erster Linie die Gesundheit der Spieler und aller anderen Beteiligten im Vordergrund steht, sondern ein anderer Begriff mit G: Geld.

Lesen Sie auch: Positive Startsignale - Was der Bundesliga jetzt noch im Weg steht

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