Bei Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw: Wer Nachfolger werden könnte

Sollte Joachim Löw als Bundestrainer aufhören, steht der DFB vor einer schwierigen Aufgabe. Die AZ stellt mögliche Kandidaten vor.
| Patrick Strasser
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Mögliche Trainer-Nachfolger für Jogi: Horst Hrubesch, Matthias Sammer, Hansi Flick oder Ralf Rangnick.
dpa Mögliche Trainer-Nachfolger für Jogi: Horst Hrubesch, Matthias Sammer, Hansi Flick oder Ralf Rangnick.

München - Die nächste Woche könnte eine sehr entscheidende für die Zukunft des deutschen Fußballs werden. Falls sich Joachim Löw entscheidet. Macht er weiter? Schmeißt er hin? Die sportliche Leitung um den Bundestrainer will demnächst eine Analyse der WM vorlegen - doch was außer dem kollektiven Versagen und der Falsch-Einschätzung eigener Stärke sowie dem Potenzial der Vorrundengegner soll dabei herauskommen?

DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach von "tiefgreifenden Veränderungen" und spielte den Ball seinem Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff zu. Löw zu entlassen wäre angesichts seines Vertrages bis 2022 ziemlich teuer, außerdem entgingen dem Verband durch das blamable Vorrunden-Aus bei der WM zahlreiche Einnahmen wie etwa Fifa-Prämien und, als Langzeitwirkung, sicher auch fehlende Merchandising-Erlöse. Doch ist eine Trennung von Löw trotz all seiner Meriten im Sinne eines Umbruchs und Neuanfangs nicht zwangsläufig?

Das Verhältnis von Löw (58) und Bierhoff (50) soll nach 14 gemeinsamen Jahren des Weges nicht mehr das Beste sein. Man war sich in der Quartierfrage uneinig, das Thema blieb ein Dauer-Störfeuer. Nach dem Abpfiff des Schweden-Spiels (2:1) wollte Bierhoff seinen Trainer euphorisch herzen, doch der drehte sich kühl weg. Wenn Bilder mehr als 1.000 Worte sagen.

Er müsse sich nun "selber hinterfragen", erklärte Löw und zog sich an seinen Wohnort Freiburg zurück. Dort wird er erstmals die Wucht der Medienberichterstattung erkennen und Ratschläge von Freunden überdenken. Was die AZ-Leser zur Zukunft von Joachim Löw sagen, lesen Sie hier.

Bundestrainer: Tuchel und Klopp wären die Favoriten der Fans

Aus der Fußball-Welt kommen Stimmen, er solle bleiben. Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts ist davon überzeugt, dass Löw weiterhin "der Richtige für den Job ist". Der neue Bayern-Coach Niko Kovac schrieb in seiner "FAZ"-Kolumne, dass "nicht alles auf den Kopf gestellt werden muss". Löw sei der Richtige, "um den Umbruch zu gestalten". Spieler Sami Khedira plädierte - aus Eigeninteresse? - auch für einen Verbleib: "Er hat jahrelang tolle Arbeit geleistet, junge Spieler ans Team herangeführt."

Ganz anders sieht Rekordnationalspieler Lothar Matthäus die Lage: "Löw hat jetzt nochmal richtig Druck. Ich könnte auch verstehen, wenn er sagt: Ich gebe einem anderem die Chance." Aber wem?

Jürgen Klopp (51) und Thomas Tuchel (44) sind laut der meisten Umfragen die Favoriten der Fans. Doch beide sind unter Vertrag. Klopp ist bei den Reds in Liverpool äußerst beliebt, Tuchel fängt in Paris gerade erst an.

Realistische Kandidaten: Flick, Hrubesch, Sammer, Rangnick

Die ehemaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes (73), der dem DFB im Jahr 2000 absagte, und Ottmar Hitzfeld (69), dem 2004 Jürgen Klinsmann vorgezogen wurde, sind die "elder statesmen" der deutschen Trainergilde, genießen ihren Ruhestand. Jürgen Klinsmann (53), Löws Vorgänger und Freund, ist nach seinem beendeten Engagement als US-Coach genauso unwahrscheinlich wie Arsène Wenger (68). Der Elsässer verabschiedete sich im Mai nach 22 Jahren vom FC Arsenal. Was ist mit der klassischen Co-Trainer-Lösung à la HSV oder Werder Bremen? Nein. Thomas Schneider (45) und Marcus Sorg (52), Löws Assistenten, kommen nicht infrage, hätten eine Cheftrainer-Rolle nicht im Kreuz. Ebenso wenig U21-Coach Stefan Kuntz (55).

Und die realistischen Kandidaten? Davon gibt es vier. Voilà:

Hansi Flick (53): Hans-Dieter Flick war seit 2006 Löws Assistent, bis zum Titelgewinn 2014. Kennt den DFB, war bis Januar 2017 Sportdirektor. Ein Engagement in Hoffenheim scheiterte, will wieder auf die Trainer-Bühne. Aber stünde Flick für einen Aufbruch?

Hansi Flick. Foto: dpa

Horst Hrubesch (67): Kann alles, der Mann für alle Fälle: Führte 2009 die DFB-Junioren zum U21-EM-Titel, ist aktuell Interimstrainer der Frauen-Nationalelf (Vertrag bis Dezember). Könnte eine Übergangslösung sein, bis Klopp oder Tuchel frei werden.

Horst Hrubesch. Foto: dpa

Matthias Sammer (50): Hochgelobter TV-Experte, seit diesem Sommer Berater bei Borussia Dortmund. Kennt den DFB aus seiner Zeit als DFB-Sportdirektor (2006 bis 2012). Ob er sich nach gesundheitlichen Problemen - unter anderem deshalb stieg er 2016 bei Bayern aus - den Job zutrauen würde? Lesen Sie dazu auch die AZ-Analyse: Weshalb Matthias Sammer der ideale Nachfolger von Joachim Löw wäre.

Matthias Sammer. Foto: dpa

Ralf Rangnick (60): Aktuell Sportchef bei RB Leipzig, wird für ein Jahr auf die Trainerbank zurückkehren, bis Julian Nagelsmann bei den Sachsen 2019 übernimmt. Wenn der DFB fragt, wird der "Fußball-Professor", so sein Spitzname, aber sicher nicht Nein sagen.


Ralf Rangnick. Foto: firo/augenklick

 

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