Russland zu EM-Ausschluss auf Bewährung verurteilt

Die UEFA zieht Konsequenzen: Nach den schweren Ausschreitungen zwischen russischen und englischen Hooligans droht das Exekutivkomitee den beiden Fußballverbänden mit einem möglichen EM-Ausschluss, gegen Russland erging nun ein erstes Urteil.
| az/dpa
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Sollte es zu weiteren Ausschreitungen kommen, werden Russland und England von der EM ausgeschlossen.
Sollte es zu weiteren Ausschreitungen kommen, werden Russland und England von der EM ausgeschlossen. © dpa

Marseille - Am Dienstagvormittag äußerte sich die UEFA auf ihrer Homepage zu den Gewaltexzessen in Marseille zwischen russischen und englischen Hooligans. Die Organisation sei von den Vorfällen "angewidert", das Verhalten sei nicht zu akzeptieren.

Das UEFA-Exekutivkomitee greift durch und gab bekannt, nicht zu zögern, den Englischen Fußballverband (FA) und den Russischen Fußballverband (RFU) mit weiteren Strafen zu belegen, wenn sich derartige Vorfälle wiederholen würden. "Dazu gehört auch ein möglicher Ausschluss der beiden Mannschaften vom Turnier." Folgerichtig wurde Russland zu einem EM-Ausschluss auf Bewährung und einer Geldstrafe von 150.000 Euro verurteilt. Das Urteil gegen die Briten steht noch aus. Die Disqualifikation wurde für die gesamte Dauer der EM zur Bewährung ausgesetzt.

Der russische Fußball-Verband (RFU) könnte gegen das Urteil Berufung einlegen, will dies nach Aussage seines Vorsitzenden Witali Mutko aber nicht tun. "Wir werden der Entscheidung der UEFA folgen, es darf keine andere Haltung in der RFU geben", sagte Mutko in einer ersten Reaktion der Nachrichtenagentur Tass.

Video: Russische Hooligans planten Angriff systematisch

Mit anderen Worten: Sollten russische Chaoten weiter Unfrieden stiften und gewalttätig werden, müsste sich die Nationalmannschaft vorzeitig aus dem Turnier verabschieden. Eine Warnung mit Gewicht. "Wir richten die dringende Forderung an die FA und den RFU, ihre Fans aufzufordern, sich verantwortungs- und respektvoll zu verhalten", schrieb die UEFA in einer Erklärung. Allerdings urteilt die UEFA nur über Vorfälle, die in den Stadien stattfinden – Straßenschlachten, wie in Marseille, sind von der Bewährungsauflage also nicht betroffen.

Die UEFA und die französische Polizei ziehen nun an einem Strang. Die Behörden drohten russischen

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Die russische Regierung hat die Krawalle als "absolut inakzeptabel" verurteilt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow rief Fans aus Russland gleichzeitig dazu auf, "nicht auf Provokationen" zu reagieren. "Wir setzen darauf, dass sich russische Bürger und Fans an die Gesetze des Landes halten, in dem sie sich aufhalten. Wir können unseren Fans nur dazu raten, nicht auf irgendwelche Provokationen zu reagieren", sagte Peskow auf einer Pressekonferenz.

Anders klingt die Aussage von Dmitri Swischtschew, Vorsitzender des Sportaussschusses der Staatsduma: "Das ist eine überflüssig harte Entscheidung gegen unsere ganze Mannschaft. Ausschluss auf Bewährung plus Geldbuße, das ist übermäßig." Er wolle darin keinen politischen Schritt sehen, "aber man denkt schon nach, warum nur Russland bestraft wird", meinte Swischtschew. "Wir sollen die UEFA-Forderungen erfüllen - und wir werden sie erfüllen", sagte er.

Ganz anders sieht das offenbar Parlaments-Vize Igor Lebedew: Der applaudierte den Hooligans auf Twitter, schrieb unter anderem Gut gemacht Jungs, weiter so!. Russland spielt am Mittwoch in Lille gegen die Slowakei. Das letzte russische Gruppenspiel gegen Wales findet am Montag in Toulouse statt.

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