Schön siegen, schlecht reden

Die Niederlande nimmt beim 6:0 Nordirland auseinander. Zuvor jedoch motzt Stürmer Huntelaar – und danach poltert van Bommel
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„Hatte das Gefühl, dass alles schon von vornherein feststand“: Huntelaar (rechts, im Bild mit Holger Badstuber) ist enttäuscht von Bondscoach van Marwijk.
Rauchensteiner „Hatte das Gefühl, dass alles schon von vornherein feststand“: Huntelaar (rechts, im Bild mit Holger Badstuber) ist enttäuscht von Bondscoach van Marwijk.

AMSTERDAM Gleich nach dem Schlusspfiff hätte man meinen können, die Elftal wäre soeben Europameister geworden. 50.000 Zuschauer in der Amsterdam Arena feierten nach dem glanzvollen 6:0 der Niederlande gegen Nordirland im letzten Testspiel vor Beginn der Euro ihre Mannschaft, ließen Luftballons in den Himmel steigen und sangen „Viva Hollandia”.

Doch Mark van Bommel, Ex-Bayer und Kapitän der Oranje-Kicker, war alles andere als amused. Fans, Medien, Experten – van Bommel hatte es auf alle abgesehen. „So ist das eben in unserem kleinen Land. Wir haben 16 Millionen Bundestrainer. Schön, dass jeder mitfiebert. Aber jeder will auch mitreden”, schimpfte van Bommel, der seinem heftig kritisierten Nationaltrainer und Schwiegervater Bert van Marwijk zur Seite sprang. Die niederländischen Journalisten mitsamt deren Experten nahm der 35-Jährige dann direkt ins Gebet. „Kritisiert uns nur weiter”, sagte er energisch: „Das macht uns nur stärker.”

Was van Bommel aber im Eifer des Gefechts übersehen haben musste, war, dass zumindest ein Teil der Querelen und Diskussionen aus dem Innersten der Elftal kommen, aus der Mannschaft selbst nämlich, hausgemacht sind.

Schon vor dem Spiel hatte Klaas-Jan Huntelaar sich Luft gemacht. Am Vormittag hatte der aktuelle Bundesliga-Torschützenkönig des FC Schalke von Bondscoach Bert van Marwijk erfahren, dass er den Zweikampf um den Stammplatz im Sturmzentrum einstweilen verloren hätte gegen Robin van Persie. Im Duell des Bundesliga- gegen den Premier-League-Torschützenkönig will van Marwijk auf van Persie setzen, der bei Arsenal London spielt. „Ich bin enttäuscht, dass er sich nicht für mich entschieden hat”, gab Huntelaar zu Protokoll. Und mehr noch: „Ich hatte das Gefühl, dass alles schon von vornherein feststand.”

Nach dem Spiel, bei dem van Persie zwei Treffer und eine Vorlage gelangen und Huntelaar nach seiner Einwechslung eher wenig, hatte er keine Lust mehr auf weitere Fragen, verließ wort- und grußlos die Arena. Es wird ihn auch nicht getröstet haben, dass van Marwijk nach dem triumphalen Sieg versöhnliche Töne anschlug. „In einigen Dingen bin ich bestätigt worden. Wir beginnen gegen Dänemark mit Robin van Persie”, sagte der frühere BVB-Coach zwar, betonte aber, dass dies für Huntelaar nicht bedeuten müsste, das ganze Turnier über auf der Bank verbringen zu müssen.

Zuvor hatte der Bondscoach aber auch ziemlich gereizt auf das Thema reagiert. „Wurde eigentlich im Parlament schon darüber gesprochen”, hatte er provokant gefragt. Tatsächlich hat die Elftal im Sturm ein ähnliches Luxusproblem wie die DFB-Elf, wo sich in Mario Gomez und Miroslav Klose ja auch zwei Weltklassestürmer um eine Planstelle streiten. „Wir haben eine starke Mannschaft. Wir können auswechseln, ohne schwächer zu werden. Und das brauchst du, wenn du Titel gewinnen willst”, meinte van Bommel. Und van Marwijk bestätigte seinen Schwiegersohn: „Ich glaube, dass dieses Team besser ist als das, das bei der WM 2010 das Finale erreicht hat. Wir sind vor allem in der Breite stärker geworden.” 

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