„Jetzt wird es schwer, uns zu schlagen“

Löws Truppe spielt Griechenland zeitweise schwindelig und steht zum siebten Mal bei einer EM-Endrunde im Halbfinale – nun geht’s gegen Italien oder England.
von  tbc/ps

Löws Truppe spielt Griechenland zeitweise schwindelig und steht nach dem hochverdienten 4:2 zum siebten Mal bei einer EM-Endrunde im Halbfinale – nun geht’s gegen Italien oder England.

DANZIG - Wenn Miroslav Klose ins Schwärmen gerät („Das hat schon sehr nach Fußball ausgeschaut“), der Bundes-Trainerfuchs Joachim Löw lobt („Wir können schon sehr stolz sein auf diese Mannschaft“) und Torschütze Sami Khedira angriffslustig nach vorne schaut („Jetzt wird es schwer, uns zu schlagen“), dann kann die Partie nicht ganz so übel gewesen sein. 4:2 bezwang die DFB-Elf die griechischen Maurermeister und wartet nun auf den Halbfinalgegner für Donnerstag.

Löw sagt: „England ist viel disziplinierter als 2010, und Italien ist immer ein unangenehmer Gegner.“ Ergo: Egal, wir wollen ins Finale, so oder so. Nur kurzzeitig hatte der Grieche Samaras Deutschlands Fußballfans in Schockstarre versetzt. Nicht Ministerpräsident Andonis Samaras, sondern Stürmer Giorgos Samaras mit seinem Treffer zum 1:1 in der 55. Minute – Hellas, wer hätte das gedacht! Sami Khedira meinte später: „Das hätten wir einfacher haben können. Wir haben’s wieder ein bisschen spannend gemacht.“ Hätte nicht sein müssen, meine Herren! Bis zum 1:1 sah die Statistik nämlich so aus: 15:2 Torschüsse, fast 70 Prozent Ballbesitz für das DFB-Team, dem Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel mal wieder erfolgreich die Däumchen drückte (siehe nächste Seite).

Der Auftakt war der offensiv neu formierten Löw-Truppe – Schürrle, Klose und Reus statt Podolski, Gomez und Müller – im Stil der WM-Elf 2010 gelungen: schnell, gierig, torgeil. Drei Chancen in den ersten drei Minuten, inklusive eines Tores: Bastian Schweinsteiger hatte nach einem Schuss von Khedira „abgestaubt“. Abseits! Danach wurde es zäh, wie erwartet. Und doch gab es immer wieder Chancen. 23. Minute: Zauber-Kombination über Klose und Reus, mit zögerlichem Abschluss von Mesut Özil – schade. Vor allem der Bald-Dortmunder Marco Reus war an fast allen Chancen beteiligt, hatte in der ersten halben Stunde mehr Torchancen als Müller im gesamten Turnier. Was aber auch viel am spielenden Mittelstürmer Miroslav Klose lag, dessen Gabe zum Direktspiel grandios ist.

Es war genau das Spiel, das Jogi Löw sehen will, das er liebt. Später meinte er: „15 Pflichtspielsiege in Folge: eine Klasse-Leistung der Mannschaft. Griechenland hat eigentlich nix gemacht. Die haben Fußball verhindert. Eine Chance, zwei Tore - eine kuriose Mannschaft.“ Doch die neue Offensive tat etwas dagegen. Nahm sich Reus ein Päuschen, drehte der andere Neue auf: Andre-Schürrle-Solo (33.), Andre-Schürrle-Außennetz-Knaller (45.): Prima Jogi, alles richtig gemacht! Allein: Es stand 0:0. Auftritt des Kapitäns: In Minute 39 bietet sich plötzlich auf halblinks viel Platz für Philipp Lahm. Der Linksrechtsverteidiger zieht nach innen, zieht aus 20 Metern ab und trifft ins lange Eck, fast so wie 2006 zum Auftakt des Sommermärchens. „Das ist der Vorteil des inversen Verteidigers“, schlaumeierte ZDF-Experte Oliver Kahn.

Es war Lahm erstes Länderspieltor seit dem 3.Juni 2010 beim 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina. Und ein fast so wichtiges wie im Halbfinale 2008 beim 3:2 gegen die Türken. Lahm meinte: „Ich würde gern öfter treffen. Ich bin halt nicht die geborene Torgefahr.“ Der Samaras-Schock zum 1:1 wurde dann schnell überwunden: Im Sechs Minuten-Takt trafen Sami Khedira, Miroslav Klose und Marco Reus zum beruhigenden 4:1. Das 2:4 durch den Elfmeter von Dimitrios Salpingidis störte dann nicht mehr.