"Gut, dass Sami da ist"

Eigentlich war Schweinsteiger für die EM als Mittelfeldchef eingeplant, doch nun stellt er sich in den Dienst der Mannschaft – und akzeptiert, dass Khedira der Boss ist.
| Patrick Strasser
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Eigentlich war Bastian Schweinsteiger für die EM als Mittelfeldchef eingeplant, doch nun stellt sich der Bayern-Star in den Dienst der Mannschaft – und akzeptiert, dass Real-Star Khedira der Boss ist.

DANZIG - Es war die ständigste Verbindung auf dem Platz im Viertelfinale gegen Griechenland. 29 Mal passte Bastian Schweinsteiger beim 4:2 den Ball zu Mesut Özil, 19 Mal flitzte die Kugel in die andere Richtung – so häufig suchten und fanden sich keine anderen Spieler im Danziger EM-Stadion. Und doch ging davon kaum Wirkung aus. Eine andere Linie war da effektiver – die Real-Ballstafette: Sami Khedira zu Özil (19 Mal) und der zu Khedira (16 Mal), das war die Mitte des Spiels, der Schlüssel zum Sieg.

Tatsächlich ist es vor allem Khedira, der der Chef im doppelten Sechser ist – und eigentlich im gesamten deutschen Team. Geboren wurde das Duo Schweinsteiger/Khedira bereits vor zwei Jahren bei der WM, als Michael Ballack verletzt passen musste. Doch aus der damaligen Aushilfskraft Khedira wurde dank des Wechsels zu Real Madrid und der dortigen Schulung durch Meistercoach José Mourinho ein Defensivspezialist der absoluten Spitzenklasse. Gegen die Griechen glänzte der Ex-Stuttgarter nun sogar als Torschütze. „Dass ich mal an der Reihe war, macht mich glücklich”, sagte er. Mit voller Energie hatte er den Ball zum 2:1 ins Tor gewuchtet.

Schweinsteiger, dem selbst der ein oder andere Fehlpass unterlief („Die brennen sich natürlich ein”), umschreibt die aktuelle Aufgabenverteilung in der „WamS” wie folgt: „Ich versuche mich voll in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Ich organisiere derzeit mehr das Spiel, Sami Khedira macht dafür die Vorstöße. Das war vor zwei Jahren in Südafrika aber auch schon so. Ein Turnier gewinnt man mit Kompaktheit in der Defensive.” Doch diesmal ist eben klar, dass Khedira der Chef im Ring ist.

Dass Schweinsteiger eher zurückhaltend spielt, hat jedoch triftige Gründe. Der Bayern-Profi, während der Saison von zahlreichen Verletzungen (Schlüsselbeinbruch, Außenbandriss, Prellungen, Bluterguss in der Wade) und Enttäuschungen (drei Mal Vize, verschossener Elfer gegen Chelsea) schleppt sich angeschlagen durchs Turnier. „Um ehrlich zu sein, macht mir mein Knöchel Sorgen. Es geht um kleine Bewegungen im Spiel, um Explosivkraft", erzählte Schweinsteiger, dessen Außenbandriss vom Februar noch nicht ganz verheilt ist. „Wenn man da ganz tief reinschaut, brodelt es auch in mir. Weil ich gern so spielen würde, wie mein Kopf es mir sagt. Aber mein Körper lässt es nicht zu."

Vor dem Halbfinale macht sich Vizekapitän Schweinsteiger trotz seiner 94 Länderspiele klein und würde sogar akzeptieren, zuschauen zu müssen: „Wenn der Bundestrainer so entscheidet, hätte ich kein Problem damit.” Hinter den Aussagen steckt ein Reifeprozess – und die Erinnerung an Ex-Kollegen: „Michael Ballack, Robert Kovac, Oliver Kahn, Jens Jeremies. Diese Spieler haben so clever gespielt und getan, was für das Team am besten war”, meinte er, „für mich steht der Erfolg unseres Teams über allem. Mir ist es lieber, kein Spektakel zu machen und zu gewinnen."

Fürs Spektakel ist dieser Tage Khedira zuständig. Über ihn sagt Jogi Löw: „Es ist gut für alle um ihn herum, dass Sami da ist.” Auch Schweinsteiger sagt über ihn: „Er spielt sehr gut." 

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