Fußball-Ligen gedenken der Anschlagsopfer von Hanau

In den Fußball-Bundesligen wird am Wochenende der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Die Verantwortlichen zeigen sich tief betroffen. Zumal Rassismus im Fußball ein immer wiederkehrendes Problem ist.
| dpa
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Christian Seifert ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL.
Andreas Gora/dpa/dpa Christian Seifert ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL.

Hanau - Der mutmaßlich rechtsradikale und rassistisch motivierte Anschlag von Hanau hat im deutschen Fußball für Bestürzung gesorgt. DFL-Chef Christian Seifert sprach von einem "entsetzlichen Verbrechen".

Die Mannschaften in den ersten drei Ligen der Männer werden wie auch die Teams der Frauen-Bundesligen am Wochenende mit Trauerflor spielen. Zudem wird es vor den Partien eine Schweigeminute geben. Zudem wird es vor den Partien eine Schweigeminute geben, teilten die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund am Donnerstag in Frankfurt/Main mit.

"Die Tat lässt uns geschockt und verständnislos zurück", sagte Seifert. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen." DFB-Präsident Fritz Keller äußerte: "Wir sind angesichts dieser sinnlosen Gewalttat erschüttert und fassungslos. Sie ist die nächste eindringliche Mahnung, dass wir alle gegen Hass und Rassismus, gegen jede Form der Diskriminierung zusammenstehen müssen - ob auf der Stadiontribüne, auf der Straße oder im Internet."

Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Sechs weitere wurden laut Bundesanwaltschaft verletzt, einer davon schwer. Kurze Zeit später wurden der mutmaßliche Täter und seine Mutter ebenfalls erschossen in einer Wohnung gefunden. "Eine Art Manifest" im Internet enthalte laut Bundesanwaltschaft Hinweise auf eine "zutiefst rassistische Gesinnung" des mutmaßlichen Täters.

Der DFB kündigte an, mit seinem Integrationsbotschafter und früheren Nationalspieler Jimmy Hartwig an der offiziellen Mahnwache am Abend in Hanau teilzunehmen. Außerdem werde DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius vor Ort sein. Der 65 Jahre alte Hartwig, Sohn eines amerikanischen Soldaten und einer Offenbacherin, war früher rassistisch beleidigt worden, wie er mehrfach berichtete. Er spielte in der Bundesliga unter anderem für den Hamburger SV.

Vor den Europa-League-Partien von Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg am Abend soll ebenfalls der Opfer gedacht werden. Dies geschehe auch "als klares Zeichen gegen jegliche Form von Rassismus und Extremismus", teilte die Eintracht vor dem Spiel gegen RB Salzburg mit. Frankfurt/Main und Hanau trennen nur knapp 30 Kilometer. Der Fall sorge "für Trauer und Entsetzen im gesamten Bundesgebiet und speziell in der Rhein-Main-Region", so der Bundesligist.

Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler, der in Hanau geboren wurde, nahm die Nachricht mit "mit Entsetzen und Bestürzung" auf. "Die Betroffenheit ist groß. Mein Mitgefühl gilt den Familien und den Angehörigen der Opfer", sagte der Weltmeister von 1990. "Alles deutet darauf hin, dass es eine rassistische Tat war. Meiner Meinung nach ist es immer wichtig, bei diesem Thema Flagge zu zeigen. Hass, Gewalt und Rassismus haben in unserer Mitte keinen Platz."

Hansi Flick, Trainer des FC Bayern, äußerte sich am Tag vor dem Münchner Heimspiel gegen den SC Paderborn. "Rassismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir müssen gucken, dass wir uns möglichst alle dagegen stemmen", sagte er. Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig, am Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel bei Tottenham Hotspur in London siegreich, betonte, für "eine weltoffene, tolerante und friedliche Gesellschaft" zu stehen. "Dafür treten wir weiter tagtäglich ein."

Auch Vizemeister Borussia Dortmund trauerte um die Opfer. "Die Taten in Halle und jetzt in Hanau sind schrecklich. Die deutsche Gesellschaft muss alles dafür tun, um Rassismus und Antisemitismus klar zu bekämpfen. Wir werden unseren Teil beitragen", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

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