Interview

Felix Neureuther: "Thomas Dreßen ist ein elementarer Skifahrer"

Am Montag startet die WM in Cortina d'Ampezzo. Zuvor spricht Ski-Idol Felix Neureuther über diesen Corona-Winter, das Blitz-Comeback seines Kumpels Thomas Dreßen und die Chancen von Linus Strasser.
| Thomas Becker
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Der 36-jährige ehemalige Slalom-Spezialist und WM-Sieger Felix Neureuther arbeitet aktuell als Ski-Experte für den BR.
Der 36-jährige ehemalige Slalom-Spezialist und WM-Sieger Felix Neureuther arbeitet aktuell als Ski-Experte für den BR. © Lisa Hinder/ARD/BR/dpa/dpa

München - AZ-Interview mit Felix Neureuther. Der 36-jährige ehemalige Slalom-Spezialist und WM-Sieger arbeitet aktuell als Ski-Experte für den BR.

AZ: Herr Neureuther, Freunde des gepflegten Pistensports zählen im Winter gern ihre Skitage. Wie viele haben Sie in diesem vermaledeiten Corona-Winter bislang gesammelt?
FELIX NEUREUTHER: Puh. Ich glaub' drei. Wir waren halt ein paar Mal mit unserer Tochter beim Skilaufen, aber da bin ich mir ihr immer hochgelaufen. Als Skitag zähle ich das nicht.

Nach Karriereende: Neureuther fehlt der Wettkampf gar nicht

So wenige Skitage hatten Sie wahrscheinlich zuletzt als Zweijähriger.
Noch nicht mal da. (lacht)

Kommende Woche beginnt in Cortina d'Ampezzo die erste Ski-WM ohne Felix Neureuther seit 2001. Ihr letztes WM-Rennen haben Sie vor zwei Jahren in Are bestritten. Wie sehr fehlt der Wettkampf?
Ganz ehrlich: eigentlich gar nicht. Wenn man selbst den Zeitpunkt des Rücktritts aussuchen und verkünden durfte, dann trauert man dem nicht so nach und denkt nicht so viel zurück. Für mich war klar, dass das jetzt so ist. Und so wie mein Leben jetzt ist, könnte es gar nicht schöner sein. Deswegen ist alles gut so, wie es ist.

Rennmäßig sind Sie ja trotzdem noch unterwegs: Vor den Speed-Rennen der Frauen auf der Kandahar, Ihrem Hausberg in Garmisch, haben Sie am vergangenen Wochenende in Ihrem neuen Job als Ski-Experte des BR eine wunderbare Kamerafahrt hingelegt. Eine spezielle Erfahrung für einen Slalomfahrer, oder?
Das hat sehr viel Spaß gemacht! Das war ein Genuss, ein Privileg, das ich extrem zu schätzen weiß. Einfach genial.

Sprung von der Skisprungschanze als Adrenalinkick

Auch zu aktiven Zeiten haben Sie ja mal mit den Speed-Disziplinen geliebäugelt.
Absolut. Und wenn man dann wie ich jetzt als Nummer eins da runter fahren darf, dann ist das schon sensationell.

Auch den Sprung von der Skisprungschanze haben Sie sich unlängst mal gegönnt.
Ja, ab und zu braucht man diesen Adrenalinkick dann doch noch.

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Thematisch war das als Hinführung zur Kitzbühel-Abfahrt gedacht, wobei sich dann herausstellte, dass die Downhiller beim Zielsprung der Streif noch um einiges weiter geflogen sind als Sie von der Schanze aus. Einige mussten danach gleich weiterfliegen: mit dem Hubschrauber ins nächste Krankenhaus. Was muss eigentlich noch passieren, damit sich in Sachen Sicherheit mal etwas tut?
Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, weil man das den Leuten ja erklären muss. Ich habe mir auch nochmal Rennen aus den späten 90er- und frühen 2000er-Jahre angeschaut: Wie weit die da beim Zielsprung gesprungen sind! Das ist enorm! Die Sprünge damals waren deutlich höher.

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Aber muss das denn am Ende einer eh schon so spektakulären Strecken noch sein?
Es ist schon irgendwie ‚part of the game'. Wenn man an so einem Zielsprung wie Kitzbühel eine Kante hat, dann muss an dieser Kante alles passen. Früher konnte man dort mehr Fehler machen, weil es mehrere Punkte gab, auf die man sich konzentrieren musste.

Es ist einmal mehr ein Winter mit vielen schwerwiegenden Verletzungen. Zig Medaillenanwärter werden die WM in Cortina d'Ampezzo vom Krankenbett aus verfolgen können.
Ja, dann auch noch der Ferstl Beppi auf der Kandahar. Wollen wir hoffen, dass da nichts Schlimmeres passiert ist. Aber klar: Die Entwicklung in dieser Hinsicht ist schon dramatisch, keine Frage.

Schauen wir auf die Ski-WM kommende Woche in Cortina d'Ampezzo: Da sind Sie nie ein Rennen gefahren, oder?
Nein, ich wüsste auch keinen Herren, der dort je ein Ski-Rennen gefahren ist. Das ist für alle Neuland.

Werden Sie für die ARD vor Ort sein?
Nein, das geht nicht. Wir kommentieren alles vom Studio aus. Ist leider so.

Dreßen "braucht nicht viel Training, um gleich wieder schnell zu sein"

Reden wir über Ihre ehemaligen Mannschaftskollegen: Thomas Dreßen hat am Freitag auf der Kandahar nach seiner Hüft-OP im November ein Comeback gegeben, wenn auch nur als Vorläufer. Haben Sie mit ihm gesprochen?
Wir waren in Kontakt, klar. Es tut einfach wahnsinnig gut, dass er zurück ist. Er ist für den Skisport extrem wichtig.

"Der braucht nicht viel Training, um gleich wieder schnell zu sein": Felix Neureuther ist vom Comeback von Thomas Dreßen nicht überrascht.
"Der braucht nicht viel Training, um gleich wieder schnell zu sein": Felix Neureuther ist vom Comeback von Thomas Dreßen nicht überrascht. © dpa

Herrlich sein Jubel im Ziel nach seiner Vorläuferfahrt!
Schon allein die Geschichte, dass er jetzt in Cortina dabei sein wird: Schon allein das ist für den Sport wichtig, dass darüber gesprochen wird, mal ganz unabhängig davon, wie es dann letztendlich funktioniert. Der Bursche ist erstens ein Typ - und zweitens ein elementarer Skifahrer. Der braucht nicht viel Training, um gleich wieder schnell zu sein. Ich freue mich sehr in Cortina auf ihn.

Was glauben Sie: Wird er gleich am kommenden Dienstag im Super-G starten oder eher am Sonntag in der Abfahrt?
Super-G glaube ich nicht, eher die Abfahrt.

Neureuthers Einschätzung zu Slalomfahrer Linus Strasser

Im Slalom hat heuer endlich Ihr alter Kollege Linus Strasser aufgezeigt: Platz eins und Platz zwei. Zuletzt hat bis zum Podium allerdings wieder viel gefehlt. Wie wird er in diese WM gehen? Wie sehr rattert da wieder das Kopfkino?
Das ist bei jedem anders. Das Problem ist: Wenn du gut fährst, kommt plötzlich wieder diese Erwartungshaltung dazu, und dann wird es vom Kopf her wieder schwierig. Das Positive ist, dass die Erwartungshaltung wieder nach unten gegangen ist, weil die letzten Rennen einfach nicht gut waren. Für ihn ist es eine neue Situation: Bis jetzt ist er in Weltmeisterschaften oder Großereignissen immer mit allem anderen als einer Favoritenrolle reingegangen.

Da ging's eher um den Neureuther Felix…
Genau. Das ist jetzt eine Challenge für ihn. Aber ich glaube, dass er es ganz gut machen kann. Er braucht ja eigentlich nur sein Zeug runterfahren, dann passt das - weil schnell ist er.

Wie geht's eigentlich Ihrem alten Spezl Stefan Luitz?
Dem geht's gut. Der Stefan ist für mich eigentlich der schnellste Riesentorläufer. Leider hat er immer dieses blöde Pech mit den Verletzungen, was einfach brutal bitter ist. Wenn der seine Sachen auf die Reihe bekommt, dann kann der auch ganz schnell sein. Deswegen können wir uns aus deutscher Sicht wirklich auf wahnsinnig spannende Titelkämpfe freuen - zumindest bei den Herren.

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