Ulms Per Günther: "Es wäre fast besser, noch ein Spiel zu verlieren"

Vor der Partie gegen die Bayern-Basketballer spricht Ulms Per Günther über die unheimliche Serie seines Teams und die Wahl zum beliebtesten Spieler der Liga.
| Thomas Becker
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Per Günther spricht im AZ-Interview über seine Saison.
dpa Per Günther spricht im AZ-Interview über seine Saison.

Vor der Partie gegen die Bayern-Basketballer spricht Ulms Per Günther über die unheimliche Serie seines Teams, seine Verbundenheit zur Stadt und die Wahl zum beliebtesten Spieler der Liga.

Ulm - Per Günther ist seit neun Jahren Spielmacher des kommenden FCB Baskteballgegners Ulm.

AZ: Herr Günther, Sie sind seit 14 Jahren Basketballer, Ulm ist erst Ihr zweiter Verein – und das in einem Sport, in dem die Spieler den Klub schneller wechseln als man zuschauen kann. Brauchen Sie diese Konstanz – oder ist Ulm einfach so toll?
PER GÜNTHER: Es ist eine Mischung aus beidem. Ich bin schon jemand, dem Sicherheit, Zufriedenheit und Konstanz sehr wichtig sind. Hinzu kommt, dass sich der Standort Ulm parallel entwickelt hat: So wie meine Ambitionen gewachsen sind, ist auch der Verein gewachsen.

Ist es das, was Ulm für Sie so besonders macht?
Da kommt einiges zusammen. Ich stand mit 21 in der Starting Five, was heute außergewöhnlich wäre und was damals noch außergewöhnlicher war. Damals waren deutsche Spieler und deutsche Spielminuten sehr überschaubar. Manchmal gibt es im Profisport eben doch Platz für Loyalität und Werte. Altruismus kann und will sich kaum jemand erlauben, aber in Ulm hat man da schon eine besondere Haltung entwickelt.

Da fiel Ihnen die Verlängerung bis 2019 wohl nicht schwer.
Ich bin schon in der Vorbereitung auf den Manager zugegangen, und nach zwei, drei E-Mails war alles klar.

Der FC Bayern – kam das nie für Sie in Frage?
Man weiß ja nie, ob das gepasst hätte. Keine Ahnung, ob das von Münchner Seite mal ein Thema war. Aber da waren ja auch immer Kracher am Werk: Heiko Schaffartzik war da lange, jetzt Anton Gavel. Von daher hatten die wohl auch nie Bedarf.

Der Ulmer Uli Hoeneß hat sich nie bei Ihnen gemeldet?
Nee, der hat sich nicht eingeschaltet.

Mit Tickets für die Allianz Arena hätte er Sie nicht locken können, oder? Sind Sie überhaupt Fußball-Fan?
Meine Mutter kommt aus Gelsenkirchen-Buer, ich bin 500 Meter vom Parkstadion aufgewachsen...

Okay, verstehe. Sind Sie ein richtiger Knappe?
Klar, auch wenn es aus der Ferne immer schwieriger wird und ich fast nie im Stadion bin.

Am Samstag kommen die Bayern als Verfolger nach Ulm. Wie stark schätzen Sie die ein?
Sie haben nochmal den Rhythmus gefunden. Maik Zirbes kommt immer besser in Fahrt und gibt ihnen eine ganz besondere Tiefe. Nick Johnson macht immer bessere Spiele. Die haben sich zur richtigen Zeit gefunden. Wenn sie das aufrecht erhalten und eine Dynamik entwickeln können, können sie in den Playoffs ganz gefährlich werden.

Über Ihre Serie von 27 Siegen in 27 Spielen müssen wir auch reden. Warum läuft es heuer so gut?
Richtig erklären kann man das nicht. Da muss schon viel sehr gut laufen. Es gab auch zwei, drei Spiele, die in die Verlängerung gegangen sind, und es wäre vermessen zu sagen: „Die haben wir zurecht gewonnen.“ Das kann man nicht kontrollieren. Aber gerade was Spiele gegen vermeintlich „kleinere“ Teams angeht, haben wir heuer eine hervorragende Einstellung gezeigt.

Vor den Playoffs soll es Teams geben, die Gas rausnehmen und Kräfte sparen. Sie in Ulm werden aber die Super-Serie fortführen wollen, oder?
Da bin ich mir noch nicht ganz sicher. Wir wollen auf jeden Fall den ersten Platz verteidigen. Wenn man das erste Spiel verliert, muss man darauf erst mal reagieren. Psychologisch gesehen wäre es fast besser, noch vor den Playoffs ein Spiel zu verlieren. Es wäre eine ganz seltsame Situation, wenn man alle 34 Spiele gewinnt, bei denen es um nichts geht – dann aber das erste Playoff-Spiel verliert und denkt: „Was ist denn jetzt passiert?“ Irgendwann kann so eine Serie Extra-Ballast werden, Extra-Druck, Extra-Anspannung. Ich glaube nicht, dass so eine Serie beflügelt. Jeder Gegner will diese Serie brechen. Unser Augenmerk liegt nicht auf der Serie, sondern darauf, uns bestmöglich zu positionieren – und dann in den Playoffs den bestmöglichen Basketball zu spielen.

Heißt, die Bayern müssen am Samstag gewinnen, damit der Druck in Ulm nicht zu groß wird.
Das habe ich nicht gesagt! Dann lieber gegen jemand anders. Die Bayern würden wir gerne noch mal schlagen.

2012 und 2016 waren Sie Vize-Meister – was ist heuer drin?
Dieses Jahr ist vielleicht das erste, wo mehr drin ist, wo alles drin ist. Und das ist jetzt kein Understatement, wenn ich nach 27 ungeschlagenen Spielen sage, dass wir nicht als Haupt-Favorit in die Playoffs gehen. Es ist momentan ein klarer Dreikampf, auch wenn es noch andere Teams geben kann, die für Furore sorgen. Wir sind letztes Jahr als Siebter in die Playoffs gestartet und bis ins Finale gekommen. Wenn wir unseren besten Basketball spielen, kann man sich hinterher nichts vorwerfen. Wenn am Schluss eine andere Mannschaft besser ist, sehe ich diese Saison trotzdem als Erfolg.

Fünf Mal in Folge sind Sie zum beliebtesten Spieler der Liga gewählt worden – das gab’s noch nie!
Keine Ahnung, ob das ein sechstes Mal sein muss oder ob sich nicht mal ein anderer netter Kerl findet. Das ist immer nett, aber nichts, was ich meinen Kindern später erzählen werde.

Aber das ist doch cool, von den Fans gewählt zu werden!
Die Wahl findet im Sommer statt, wo kein Mensch mehr an Basketball denkt. Und die Ulmer wählen da immer sehr gut.

Wie sieht der Preis eigentlich aus? Ein Pokal?
Das ist so ein Plastik-Ding. Da könnten sie ruhig nochmal dran arbeiten.

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