Interview

FCBB-Star Baldwin: "Ich mag es, die Show zu leiten"

Wade Baldwin spricht hier über seinen Wechsel zum FC Bayern Basketball und seine spezielle Verbindung zu München. Er redet auch über Ungerechtigkeiten in seinem Heimatland USA: "Zeit für einen Wandel."
| Julian Buhl
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Wade Baldwin vom FC Bayern Basketball.
Wade Baldwin vom FC Bayern Basketball. © Mladen Lackovic / imago-images.de

München - Wade Baldwin im AZ-Interview: Der 24 Jahre alte US-Amerikaner wechselte im Sommer von Olympiakos Piräus zum FC Bayern Basketball.

AZ: Herr Baldwin, warum haben Sie sich im vergangenen Jahr gegen den FC Bayern Basketball und für Olympiakos Piräus entschieden
WADE BALDWIN: Damals hatte ich noch keine wirkliche Referenz im europäischen Basketball und von Olympiakos fast nur Gutes gehört. Ihr Coach war David Blatt, unter dem ich mich als Spieler weiterentwickeln wollte. Leider endete es in einem Desaster. Blatt war erkrankt und musste nach dem ersten Spiel gehen - und ich war dann eben da.

Piräus spielt nur Euroleague und nicht in der heimischen Liga. War das ein Problem?
Das war sehr herausfordernd. Wir hatten nur ein, zwei Spiele pro Woche, insgesamt nicht mal 30. So ist es fast unmöglich, als Team deinen Rhythmus zu finden.

So überzeugte Bayern Baldwin vom Wechsel

Wie sind Ihre Erinnerungen an das 82:85 in der Euroleague in München?
Davor habe ich drei Spiele lang gar nicht gespielt und kam dann rein. Ich wollte mich dem neuen Coach beweisen und habe alles reingeworfen, meinen ganzen Willen. Ich wollte einfach hart und smart spielen.

Mit 19 Punkten ist es Ihnen gelungen, Eindruck in München zu hinterlassen.
Es war für mich persönlich ein guter Tag. Aber wenn du bei Olympiakos verlierst, macht das wirklich keinen Spaß. Die Erwartungen des Klubs und der Fans sind Siege. Und wenn das nicht klappt, bekommst du es zu spüren.

Was genau hat Sie nun vom Wechsel zu Bayern überzeugt?
Mein Agent und Daniele Baiesi sind in Kontakt geblieben. Und ich habe dann mit Andrea Trinchieri gesprochen. Außerdem habe ich auch deutsche Wurzeln. Die Eltern meines Großvaters haben bei Stuttgart gelebt. Es war immer mein Wunsch, mal in Deutschland zu spielen. Als ich letztes Jahr zum ersten Mal in Europa war, war ich zusammen mit meiner Freundin und meiner Mutter in München. Das war ein Geburtstagsgeschenk an sie und wir haben dort ein paar Cousins getroffen. Als Bayern dann bei mir angefragt hat, hat sich das nicht nach Zufall angefühlt. Vielleicht kann daraus etwas entstehen und es ist genau der richtige Platz für mich.

Das will Baldwin mit den Bayern erreichen

Wie ist Ihr Eindruck?
Ich glaube, wir haben die Möglichkeit, sehr viele Spiele zu gewinnen. Denn wir haben Spieler mit viel Erfahrung. Und einige junge Profis, die sehr hungrig sind und sich beweisen wollen. So wie ich oder auch Nick (Weiler-Babb; d.Red.). Und wir haben mit Trinchieri einen guten Leader. Er hat viel Erfahrung und hohe Erwartungen, kitzelt aus jedem das Beste heraus, testet dich physisch und mental. Jeder von uns muss einfach nur ihm und seiner Idee folgen. Vertraue dem Leader!

Trinchieri gilt als innovativ und detailversessen. Ist er das?
Im Trainingslager hat er etwas Lustiges getan. Wenn du einen Fehler machst, musst du laufen oder Liegestütze machen. Als er sich mal einen Fehler erlaubt hat, hat er Liegestütze fürs ganze Team gemacht. Er hat einen Sinn für Humor und einen für Verlässlichkeit. Wir haben alle gelacht, geklatscht. Das war ein guter Moment. Ein Eisbrecher nach den harten Trainingseinheiten. Er hat einen guten Job gemacht. (lacht)

Wie viele hat er geschafft?
Ich habe acht gezählt. Dann war er außer Atem.

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Wie sehen Ihre Erwartungen mit Bayern aus?
Mein Ziel ist es, die Meisterschaft und den Pokal zu gewinnen - und um die Playoffs der Euroleague zu kämpfen. Das hat noch keine deutsche Mannschaft geschafft, ist also ein Berg, den es zu bezwingen gilt. Es wird sicher hart, aber die Erwartung muss es sein, uns alle für solche Ziele zu committen.

Welche Rolle werden Sie dabei übernehmen?
Ich selbst zu sein. Als jemand, der immer vollen Einsatz zeigt und versucht, seine Mitspieler ins Spiel einzubinden. In diesen Zeiten auf der Welt weißt du nie, wann dein letztes Spiel, die letzte Saison sein wird. Mit dieser Mentalität und Intensität will ich rangehen. Ich glaube, Coach Trinchieri sieht genau das in mir und glaubt daran, dass ich das auf meine Mitspieler ausstrahlen kann.

Bayern-Star Baldwin "will niemals egoistisch sein"

Als Point Guard oder Shooting Guard?
Ich mag und bevorzuge es, wenn ich die Show leiten kann. Ich will aber niemals egoistisch sein, sondern offen für meine Mitspieler, die ihre Stärken einbringen. Ich habe schon Seite an Seite mit vielen guten Basketballern gespielt. Am wohlsten fühle ich mich aber, wenn ich die Dinge wie ein Floor General in der Hand habe.

Was hat es mit Ihrem Namen Wade Baldwin IV auf sich?
Ich wurde nach meinem Urgroßvater benannt. Und der Vater meines Vaters starb, als er zehn war. Um ihn zu ehren, hat er mich nach ihm benannt. Jetzt liegt es wohl an mir, ob es auch einen Fünften geben wird. Das wird wahrscheinlich ein kleiner Kampf mit meiner zukünftigen Frau. (lacht)

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Wie haben Sie die Zeit in den USA während des Corona-Lockdowns erlebt?
Von März bis Juni habe ich mit meiner Freundin im Haus meines Vaters gewohnt. Meine Eltern leben getrennt. Meine Mutter hat uns dort aber besucht. Zum ersten Mal in meinem Leben haben wir alle unter einem Dach gewohnt. Es war schön, alle beieinander zu haben. Gerade in diesen Zeiten, in denen Menschen ihre Liebsten verlieren, kann man dafür nur dankbar sein.

Baldwin über Rasissmus-Probleme: "Definitiv zeit für einen Wandel"

Wie stehen Sie zum Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA?
Es ist definitiv Zeit für einen Wandel. Das ist kein Verhalten, das Amerikanern würdig ist. Es war schon kein Zufall, dass der Fall Kaepernick vor vier Jahren so groß wurde - genau vor der Präsidentschaftswahl. Die Politiker versuchen, ihre Vorteile daraus zu ziehen. Das ist leider typisch amerikanisch. Die sozialen Ungerechtigkeiten in unserem Land sind unfassbar schlimm und müssen geändert werden. Die großen Sportorganisationen haben das ins Scheinwerferlicht gerückt. Ich hätte einen dauerhaften Boykott aller Sportarten gut gefunden. Das würde auch Druck auf die Politiker erzeugen, etwas verändern zu müssen und wäre eine große Botschaft gewesen.

Die Lakers mit LeBron James sowie die Clippers wollten die NBA-Playoffs abbrechen.
Spieler wie LeBron haben großen Einsatz gezeigt. Sie haben großen Einfluss, viele Leute im ganzen Land verehren sie und hören ihnen genau zu. Deshalb bin ich sicher, dass der Wandel kommen wird. Vielleicht nicht jetzt. Irgendwann aber ganz sicher.

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