Hart, aber fair: Das ist die Philosophie von Bayern-Coach Trinchieri

Beim Trainingslager der Basketballer des FC Bayern präsentiert Neu-Coach Andrea Trinchieri seine Methoden. Dazu gehört auch Selbstbestrafung."Ich habe sogar Angst davor, zufrieden zu sein."
| Julian Buhl
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Stets gestenreich und ausdrucksstark: Andrea Trinchieri, der neue Chefcoach der Basketballer des FC Bayern.
Stets gestenreich und ausdrucksstark: Andrea Trinchieri, der neue Chefcoach der Basketballer des FC Bayern. © sampics/Augenklick

München - Die Spieler des FC Bayern lachten, applaudierten und feuerten ihren neuen Headcoach lautstark dabei an, als Andrea Trinchieri auf dem Boden der Trainingshalle in Bruneck tatsächlich damit begann, Liegestütze zu machen. "Ich habe acht gezählt, dann war er außer Atem", berichtete Augenzeuge Wade Baldwin von einem "Eisbrecher-Moment" nach den intensiven Einheiten der vergangenen Tage.

Es war nur ein kleines Detail bei einer komplexen Drei-gegen-Drei-Übung, das Andrea Trinchieri seinen Spielern zuvor nicht ganz richtig erklärt hatte. Genug für den Italiener, der schon aus seinen Bamberger Zeiten als Perfektionist bekannt ist, und sich nun einen seiner seltenen Fehler erlaubt hatte. Wie die strengen Regeln bei ihm das vorsehen, folgte darauf eine kleine Bestrafung.

Trinchieri ist ein Mann mit Prinzipien

Er ist eben ein Mann mit Prinzipien, die er auch vorlebt. Davon bekamen die Bayern im Trainingslager in Südtirol schon mal einen kleinen Vorgeschmack. Auch Neuzugang JaJuan Johnson, 31, der in seiner Karriere bereits 36 Mal für die Boston Celtics in der NBA auflief, konnte man dabei beobachten, wie er von Trinchieri vor dem Team lautstark auf Versäumnisse hingewiesen wurde und anschließend Liegestütze machen musste. "So etwas ist ein Signal an die ganze Mannschaft", sagt Geschäftsführer Marko Pesic.

Geschäftsführer der Bayern-Basketballer: Marko Pesic.
Geschäftsführer der Bayern-Basketballer: Marko Pesic. © sampics/Augenklick

Trinchieri betont, dass er bei all seinen Maßnahmen immer "einen fairen und nachvollziehbaren Weg" verfolgt. Ganz nach dem Motto: Hart, aber fair. Die Einheiten in Italien unterbrach er immer wieder, um seinen Spielern gestenreich Dinge zu erklären. Mal mit Hilfe einer Taktiktafel, mal mit einem Zettel, auf dem er Spielzüge skizziert hatte. "Es geht um Linien, Winkel, Spacing", sagte Pesic, "er lehrt Basketball und ist ein sehr herausfordernder Trainer." Der größten Wert auf kleinste Details legt.

"Er erklärt uns beim Dinner noch, wie man die Serviette zu falten hat", sagte Jalen Reynolds und lachte. Auch dem Koch des Viersternehotels "Majestic", das die Bayern von Dienstag bis Samstag bezogen, erklärte er tatsächlich, wie man den Pasta-Klassiker Spaghetti Carbonara richtig zubereitet. "Ohne Sahne, nur mit Ei", wie Pesic grinsend berichtete.

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Vergleichen aus der Kulinarik bedient sich Trinchieri gerne, wenn es um die Beschreibung seiner Arbeit geht. Er sei "wie ein Koch". Er bekomme die "verschiedensten Zutaten. Mal Fleisch, Fisch oder Gemüse, die verschiedensten Gewürze. Meine Aufgabe ist es, daraus ein perfektes Gericht zu machen."

Mit fünf US-Neuzugängen bekam er bei Bayern frische Zutaten für seine Mannschaft. Neben Baldwin noch Nick Weiler-Babb als Guard, sowie Johnson, Reynolds und Malcolm Thomas für die großen Positionen. Alles athletische Spieler, die auf mehreren Positionen eingesetzt werden können. Ganz nach dem Geschmack von Trinchieri.

Pesic: "Es wird irgendwann klick machen"

"Ich habe eine Idee", sagte er auf Englisch. Um zu beurteilen, ob diese auch aufgehen wird, dafür sei alles noch "zu frisch", wie er auf Deutsch ergänzte. "Sobald die Mannschaft das begriffen hat, was er von ihr möchte, können wir sehr gut sein", sagte Pesic: "Es wird irgendwann klick machen."

Trinchieri ließ seine Spieler auch einen schriftlichen Test machen, in dem er etwas Basketballwissen abfragte. Was genau und welche Erkenntnisse er daraus zog, verriet er nicht. Seine "größte Herausforderung" sieht er zunächst darin, alle auf das gleiche Fitnesslevel zu bringen. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie konnten die Spieler aus den USA dort zuletzt nur Lauftraining absolvieren und mussten sich erst mal Testungen unterziehen. Paul Zipser, Vladimir Lucic oder Nihad Djedovic hatten in München zum Beispiel die Möglichkeit, in der Halle zu weiter zu trainieren.

Das Vorbereitungscamp dürfte dabei geholfen haben, den Anpassungsprozess zu beschleunigen. "Ich bin aber nie zufrieden", sagte Trinchieri. Das könne ein Trainer höchstens "mal für fünf Minuten" am Ende einer Saison sein, wenn er mit dem Team etwas gewonnen habe. "Ich habe sogar Angst davor, zufrieden zu sein, pushe meine Spieler jeden Tag und will immer hungrig bleiben." Ganz wie ein guter Chefkoch.

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