FC Bayern Basketball in Euroleague-Krise: Gavel erhöht Druck nach Fehlstart
Anton Gavel war ziemlich angefressen – und es ist davon auszugehen, dass auch seine Spieler das zu spüren bekamen. Zwei Heimspiele hat der FC Bayern Basketball in der Euroleague nun hinter sich, zweimal haben die Münchner knapp verloren, zweimal gegen Gegner, die schlagbar waren. "Wir haben die Sachen, die wir uns vorgenommen haben, einfach nicht durchgezogen, sondern wir sind ausgestiegen aus den Sachen, die wir laufen wollten oder waren undiszipliniert – und das kostet uns das Spiel", kritisierte der Coach nach dem 87:94 gegen Virtus Bologna und man sah ihm durchaus an, dass er innerlich brodelte.
Gavel könnte um Geduld werben, doch er zieht es vor, die Defizite klar zu benennen, weil der gebürtige Slowake weiß, dass die Königsklasse keine längere Anlaufzeit gewährt. Nach den Pleiten gegen Belgrad (84:86) und am Donnerstag stehen die Bayern bei einer 1:3-Siegbilanz und haben zwei Auswärtsaufgaben am Bosporus bei Anadolu Efes (Mittwoch) und Besiktas Istanbul (Freitag) vor der Brust. Gehen diese beiden Partien auch verloren, hätten sich der deutsche Branchenprimus schon früh in dieser Saison eine gewaltige Hypothek im Rennen um die Playoff-Qualifikation eingehandelt.
"Wir müssen jetzt irgendwo die Siege finden, wo wir sie vielleicht nicht eingeplant haben"
"Wir müssen jetzt irgendwo die Siege finden, wo wir sie vielleicht nicht eingeplant haben", verlangte Gavel und setzte energisch hinzu: "Das ist jetzt absolut nötig, irgendwo müssen die Siege herkommen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und deutlich bessere Leistungen bringen als in den zwei Heimspielen." Oscar da Silva, am Donnerstag der beste Münchner und mit 18 Punkten auch ein wichtiger Punktesammler, stimmte zu: "Wir als Spieler müssen uns auch selber am Riemen reißen und schauen, dass wir noch eine Schippe drauflegen und auch verstehen, wie wir das Konzept am besten ausführen und umsetzen."
Ja, Bologna war ein herausfordernder Gegner, aber kein angsteinflößender. Die Bayern brachten sich vielmehr selbst in die Bredouille mit einem indiskutablen ersten Viertel (21:35), dem sie anschließend 30 Minuten nachjagten – und immer dann, wenn die Mannschaft von Bundestrainer Álex Mumbrú für den FCBB in Reichweite kam, reihte sich ein grober Schnitzer an den nächsten. Ob leichtfertige Ballverluste von MarJon Beauchamp oder zu eigensinnige Offensivaktionen von Duane Washington jr., es waren einfach zu viele Aussetzer.
"Offensiv vergessen wir teilweise die Spielzüge oder versuchen, das mit der Brechstange alleine zu lösen – und das wird gegen eine athletische Mannschaft, wie es Bologna heute war, einfach nicht möglich sein", bemängelte Gavel.
Früher Druck in der Euroleague
Der Druck ist auf europäischem Parkett also schon früh deutlich erhöht, so, dass eine EU-Krise nicht weit ist und auch die drei haushohen Triumphe in der Bundesliga Fragen aufwerfen. Etwa, ob diese dominanten Erfolge ein trügerisches Gefühl vermittelten? "Ich glaube, dass Teams in der Euroleague mehr in der Lage sind, aus den Fehlern Kapital zu schlagen", bewertete da Silva und fügte an: "Ich denke, dass wir eine Trendkurve nach oben hinlegen können. Die Bundesliga ist, glaube ich, in jedem Fall für uns das erstrangige Ziel." Man müsse in der Euroleague am Konzept feilen und in der BBL das Selbstvertrauen holen, dann werde sich Besserung einstellen.
Und die wenigen Trainingseinheiten nutzen und seriös angehen, würde wohl Gavel ergänzen. Das nämlich war ein Makel der Vorbereitung auf Bologna, "dass wir die letzten zwei Tage, die wir hatten, einfach nicht gut im Training ausgesehen haben, was sich dann so ein bisschen im Spiel gezeigt hat." Es klingt ein bisschen danach, dass der 41-Jährige die Zügel anzieht. Für ein erfolgreiches Bundesligaspiel in Chemnitz am Samstag (16 Uhr), aber vor allem eine rasche Lernkurve in der Euroleague. "Das ist eine natürliche Reaktion", befand da Silva, "am Ende des Tages geht es darum, seine Botschaft an uns zu übermitteln und sicherzustellen, dass die auch ankommt."
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