Drama im SAP Garden: Bayerns Basketballer verschenken Titel gegen Alba Berlin
Engagiert wie eh und je bewegte sich Svetislav Pesic (76) an der Seitenlinie, gestikulierte energisch, nahm sich auch mal Spieler zur Brust. Kurzum: Die Trainerlegende des FC Bayern Basketball war voll in ihrem Element, denn es ging schließlich um das Happy End, um einen letzten Titel in seiner an Titeln so reichen Karriere. Doch es wurde nichts, der große Favorit fiel, ließ sich von Alba Berlin überrumpeln.
Mit 20 Punkten (47:27) lagen die Münchner zur Halbzeit in Führung, alles schien sich in die richtige Richtung zu bewegen, doch in den zweiten 20 Minuten versagte die Verteidigung, die Versagensangst rutschte in die Kleider und den Hauptstädtern gelang mit einem 84:81 der Sensationscoup.
Pesic: "Ich bin sehr enttäuscht"
Pesic nahm es ruhig und gefasst zur Kenntnis, gratulierte dem Gegner wie seine Spieler fair zur Meisterschaft. "Ich bin sehr enttäuscht", sagte er später. Alba schaltete dagegen in den Partymodus und feierte euphorisch seinen zwölften BBL-Titel, zum vierten Mal (!) in Folge nach 2020, 2021 und 2022 holten die Berliner den Silberpokal in München.
Das war das i-Tüpfelchen an Schmerz auf den Frust der Bayern. Top-Spieler Andreas Obst, der mit 24 Zähler bester Werfer war, aber im zweiten Durchgang etliche Versuche vergab, saß nach dem Desaster am Spielfeldrand und starrte minutenlang gedankenverloren ins Leere. Er erhob sich nur kurz, als Pesics Mannschaft die Silbermedaillen erhielt.
Hainer, Hoeneß und Matthäus erlebten Bayern-Debakel live im SAP Garden
Gerade einmal so lange wie nötig blieb das Team im mit 11.500 Zuschauern ausverkauften, aber sich schnell leerenden SAP Garden, den ausgelassenen Jubel und die überbordenden positiven Emotionen des Gegners wollten sie dann nicht auch erleben.
"Super frustriert, extrem frustriert, extrem frustriert, wie wir alles das gehandhabt haben. Wir hatten es in der Hand", kommentierte Niels Giffey die Pleite, die neben Präsident Herbert Hainer auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus live miterlebten. Giffey, der Routinier mit der langen Vergangenheit bei Alba, ergänzte zur Leistung des FCBB in der zweiten Spielhälfte: "Wir hatten keine Kontrolle mehr über die Defensive so wie in der ersten Halbzeit. Alba hat sich rein gearbeitet, war aggressiver, wir sind offensiv sehr statisch geworden."
Titellose Saison für Bayerns Basketballer
Das 86. Pflichtspiel war somit die negative Krönung einer nun titellosen Saison mit zu vielen Tiefen und zu wenigen Glanzlichtern. "Es ist unglaublich bitter, so eine zweite Halbzeit aufs Parkett zu legen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll", sagte Oscar da Silva und setzte hinzu: "Ich weiß nicht, ob wir mental schon einen Schritt zu weit waren. Wir haben die wichtigen und richtigen Dinge, die uns in Halbzeit eins nach vorne gebracht haben, in der zweiten Halbzeit nicht mehr ausgeführt."
Dass diesen Einbruch kaum einer auf dem Schirm hatte, verdeutlichte auch Hainers Einschätzung im Pauseninterview beim BR. "In der Bundesliga haben wir eine sehr souveräne Runde gespielt und sind mit Abstand Erster gewesen nach der Hauptrunde und werden jetzt auch hoffentlich deutscher Meister. Fazit insgesamt: Durchwachsen, nicht ganz zufriedenstellend, aber wenn wir heute einen versöhnlichen Abschluss hinkriegen, dann ist es okay", sagte der 71-Jährige da.
Hainer: "Eine Saison ohne Titel ist natürlich nicht der Anspruch des FC Bayern"
Und was, wenn es doch schiefgehen würde? Ist es dann eine Enttäuschung? "Ja, das würde ich sagen, eine Saison ohne Titel ist natürlich nicht der Anspruch des FC Bayern. Dafür investieren wir zu viel in Manpower, Personal, Engagement und natürlich auch in Geld. Ein Titel muss auf alle Fälle immer drin sein und jetzt hoffe ich, dass wir ihn heute holen."
Er wurde eines Besseren belehrt von einem Berliner Team, das in diesen Playoffs nicht zu erschüttern war, obwohl es in allen Runden über die Distanz von fünf Spielen gehen musste. Pesic gab nach dem Ende seiner Karriere zu, dass selbst sein Trainerlatein nicht mehr reichte: "Ich habe mein Bestes gegeben, aber mir ist es nie gelungen, aus diesen Spielern ein Team zu bilden."

