Derrick Williams im AZ-Interview: Real Madrid ist schon ein Vorbild für uns

Bayern-Star Derrick Williams spricht im AZ-Interview über das Duell mit dem Euroleague-Champion, seine Leistungsexplosion und Gemeinsamkeiten mit LeBron James. Er nennt auch eine Bedingung für einen längeren Verbleib in München.
| Julian Buhl
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Zuletzt in überragender Form: Bayerns Star-Neuzugang und Ex-NBA-Profi Derrick Williams (r.).
imago/kolbert-press/Alexander Freiesleben Zuletzt in überragender Form: Bayerns Star-Neuzugang und Ex-NBA-Profi Derrick Williams (r.).

München - Der US-Amerikaner Derrick Williams spielte sieben Jahre in der NBA (Minnesota, Sacramento, New York, Cleveland, LA Lakers), 2018 wechselte der 27-Jährige zum FC Bayern.

AZ: Herr Williams, wie ist Ihre Leistungsexplosion zuletzt zu erklären?
DERRICK WILLIAMS: Ich fühle mich einfach wohl hier. Und es waren ja wirklich wichtige Spiele für uns, in denen wir den Ton angeben wollten. Sie waren bis zur letzten Sekunde umkämpft. Ich habe viele Punkte gemacht, aber wir haben auch jeden einzelnen des Teams gebraucht.

Haben wir den besten Derrick Williams bereits gesehen?
Ich versuche immer, besser zu werden. Das Wichtigste ist aber, dass wir uns als Team steigern und gewinnen. Das ist die Basis für alles andere. In meinen ersten Spielen habe ich noch nicht so viele Punkte gemacht. Gegen Panathinaikos waren es zum Beispiel nur fünf – aber wir haben gewonnen. Ich versuche, dem Team das zu geben, was es gerade benötigt.

Sind Sie nun endgültig in München angekommen?
Ich fühle mich von Spiel zu Spiel besser. Beim Basketball geht es nicht nur um Physis, sondern auch viel ums Mentale. Selbstvertrauen ist ein wichtiger Schlüssel. Ich definiere meine Ziele immer sehr hoch. Denn: Wenn du wirklich daran glaubst, kannst du alles erreichen. Das versuche ich bei unserem Team einzubringen: Selbstvertrauen, Energie, Effektivität, Wille.

Williams: Die Final Four sind das Ziel

Bekommen Sie immer noch nachts Anrufe aus den USA?
Es kommt schon noch vor, dass mich Freunde wegen des Zeitunterschieds morgens um vier anrufen und fragen, was ich gerade mache. Dann sage ich: "Ich schlafe! Was denkst du denn?" (lacht) Ich muss das Telefon halt ausschalten.

Fühlen sich die drei Topspiele in fünf Tagen diese Woche für Sie nach NBA-Rhythmus an?
Ja, das ist genau das, was ich aus den USA kenne: vier, manchmal fünf Spiele pro Woche. Ich mag diesen Rhythmus. Das Beste dabei ist, dass du, egal wie das eine Spiel gelaufen ist, nach 48 Stunden gleich wieder das nächste hast. Die Spiele werden jetzt tougher und in großen Spielen müssen die großen Spieler da sein.

Am Freitagabend (20 Uhr) kommt Real Madrid nach München.
Wir freuen uns darauf, den Euroleague-Champion herauszufordern und wollen weiter überraschen. Uns hat niemand zugetraut, dass wir so eine Saison spielen würden. Wir glauben an uns und wollen weiter selbstbewusst auftreten.

Schon bei Ihrer Vorstellung sprachen Sie vom Final Four.
Das ist natürlich ein Wunsch und nach wie vor mein Ziel. Und so meilenweit sind wir ja gar nicht weg von diesem Traum. Bei Fenerbahce hätten wir beim aktuell besten Euroleague-Team gewinnen können. Das hat uns gezeigt, dass wir gegen jedes Team bestehen können.

Uli Hoeneß sagte mal: "Was Real Madrid kann, können wir beim FC Bayern auch."
Wenn das Fußballteam die Champions League und das Basketballteam die Euroleague gewinnt, wie Real im Sommer, ist das die Benchmark für alle anderen Klubs. Wir träumen davon, das auch mal irgendwann zu erreichen. Ich denke, Real ist schon ein Vorbild für uns. Unser Präsident setzt viel Energie dafür ein, ist bei jedem Spiel in der Halle.

Haben Sie Hoeneß schon persönlich kennengelernt?
Er hat unser Team am Tegernsee zum Abendessen eingeladen und uns gesagt, dass er sich wünscht, dass wir mal irgendwann ähnlich erfolgreich wie das Fußballteam werden. Der Glaube daran ist da.

Williams: Das habe ich von LeBron James gelernt

In der NBA waren Sie mehr ein Rollenspieler, hier sind sie Schlüsselspieler. Sind Sie deshalb zu Bayern gewechselt?
Ich kenne beide Seiten, war im College Führungsspieler. Bei Bayern versuche ich beides zu sein, mal Energie von der Bank zu bringen, zu punkten, Rebounds, Blocks, Steals zu holen.

Sind die Erwartungen an Sie auf Bayern übertragen mit denen an Ihren Ex-Teamkollegen LeBron James vergleichbar?
Ich versuche, mir selbst nicht allzu viel Druck zu machen und will dem Team einfach bestmöglich helfen.

Als Bayerns LeBron, ohne "B"? Ihr zweiter Name ist ja LeRon.
LeBron ist einer der Besten aller Zeiten. Ich habe mit ihm zusammengespielt und gesehen, wie er jeden Tag arbeitet. Ich habe viel von ihm gelernt, dass du jeden im Team brauchst, keine One-Man-Show sein kannst. Er lebt genau das. Und das will ich bei Bayern auch versuchen, mit meinem Spiel, meiner Aggressivität, jeden Mitspieler besser zu machen.

Haben Sie mehr als die Rückennummer 23 gemeinsam?
Ich bin mit seinen Spielen aufgewachsen, habe versucht, das ein oder andere von seinem Spiel in meines zu übertragen. Das habe ich aber auch bei anderen Spielern gemacht, denen ich als Kind zugeschaut habe: bei Kobe Bryant, Magic Johnson oder Karl Malone.

Haben Sie noch Kontakt?
Klar! LeBron ist ein großartiger Typ. Wenn du Hilfe brauchst, ist er für dich da.

Wie Sie ist er Fußballfan.
Das stimmt, er hat sogar in den FC Liverpool investiert.

Williams lässt Bayern-Zukunft offen

Der im Champions-League-Achtelfinale auf Bayern trifft.
(lacht) Ja, schon lustig. Das werden zwei exzellente Spiele, auf die sich alle freuen können. Bayern muss sein Allerbestes abrufen. Aber in der Champions League willst du dich doch mit den besten Teams messen – und zwar am besten direkt.

Demnächst wird Sie Ihre Mutter in München besuchen.
Meine Mum ist großartig und hat mich als eine alleinerziehende Mutter immer unterstützt. Sie ist ein so großer Einfluss für mein Leben. Ich freue mich, wenn sie endlich kommt, wahrscheinlich wird es im Januar so weit sein.

Was wollen Sie Ihr zeigen?
Sie hat da schon ihre eigene Agenda. Ich werde der Taxifahrer für sie sein. Sie sucht sicher gerade in diesem Moment bei Google Dinge raus, die sie unternehmen möchte. (lacht) Sie wird sich auch ein paar Spiele von uns anschauen. Es wird auf jeden Fall eine gute Zeit mit ihr.

Könnten Sie sich vorstellen, länger bei Bayern zu bleiben? Oder ist das Verlangen, in die NBA zurückzukehren, größer?
Es ist alles offen und möglich, aber derzeit auch kein Thema. Im Moment gefällt es mir wirklich sehr gut bei Bayern. Und je mehr Spaß wir hier zusammen haben, je größer sind auch die Chancen, dass ich noch länger in München bleibe. Die NBA, wo ich 2017 die Finals gespielt habe, wird immer mein großer Traum bleiben. Aber in diesem Moment fokussiere ich mich nur auf das Hier und Jetzt.

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